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Immer die Menschen im Blick

Optik Matt aus Regensburg ist der viertgrößte Filialist in Deutschland. Im Kern ist es aber ein Familienunternehmen.
Von Christine Straßer

Michael Matt hat gut lachen. Im Optikgeschäft ist er eine feste Größe. Foto: Straßer
Michael Matt hat gut lachen. Im Optikgeschäft ist er eine feste Größe. Foto: Straßer

Regensburg.„Sie muss mir gefallen“, antwortet Michael Matt auf die Frage, wie er sich eine Brille aussucht. Das Modell, das er gerade trägt, ist eine schlichte Fassung der Münchner Marke Braun Classics. Das Gestell ist zeitlos, wertig und stilvoll. „Dunkelhavanna“ nennt der Hersteller den Farbton. Die Brille ist das, was man einen Klassiker nennt. Sie ist vielleicht nicht der letzte Schrei, aber sie wird nie unmodern. Michael Matt nimmt sie kurz ab und hält seine Brille in der Hand. Haptik sei für ihn wichtig, sagt er. Und dass die Brille schon etwas älter sei. Dann setzt er sie schnell wieder auf und lächelt.

Matt steht an der Spitze einer der größten Optikerketten Deutschlands. Derzeit hat das Unternehmen 85 Filialen und rund 500 Mitarbeiter. Im aktuellen Branchenbericht des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen rangiert Optik Matt mit einem Jahresumsatz von 60,5 Millionen Euro auf Platz vier der größten Filialisten. Auf der Homepage des Unternehmens steht, dass Michael Matt 1996 mit seiner Frau Birgit die Firmenleitung übernahm. Er selbst zögert, das so an diesem Datum festzumachen. „Ich bin Zug um Zug ins Unternehmen gekommen“, schildert er. Nach der Optikerlehre, Jahren der Wanderschaft in Baden-Württemberg und in der Eifel sowie der Meisterschule in Berlin stieg er ziemlich schnell in die Geschäftsführung auf. „Mein Vater war schon ein Patriarch“, betont Matt. Es sei klar gewesen, dass er als Stammhalter einmal das Familienunternehmen übernehmen soll. Quasi von Kindesbeinen an sei er mit in der Werkstatt gewesen.

Anfänge auf acht Quadratmetern

Unternehmensgründer Bernhard Matt legte den Grundstein für die spätere Ladenkette auf sehr übersichtlichem Raum. Matt war nach dem Krieg der jüngste Optikermeister Deutschlands. 1955 wagte er im schwäbischen Ellwangen den Schritt in die Selbstständigkeit. Aber es zog ihn zurück in seine Heimatstadt Regensburg. Hier eröffnete er mit seiner Frau Hannelore 1960 ein Optik-Fachgeschäft in der Pustet-Passage. Auf übersichtlichen acht Quadratmetern und mit einem schrägen Schaufenster gegenüber.

Unternehmensgründer Bernhard Matt fing mit einem kleinen Laden an. Foto: Matt
Unternehmensgründer Bernhard Matt fing mit einem kleinen Laden an. Foto: Matt

„So ein bisschen ein Verrückter“ sei sein Vater, beschreibt Michael Matt. Als junger Mann sei er zum Beispiel mit dem Rad nach Marokko gefahren. Er sei damals einfach losgeradelt, ohne vorher Bescheid zu geben. Wer in der Unternehmensgeschichte von Matt Optik nachliest, findet diese Abenteuerlust auch wieder. Bernhard Matt wagte sich früh an das Brillenmaterial Optyl, das die kleine Firma Anger aus Österreich entwickelt hatte und das sich obendrein einfach formen und beliebig einfärben ließ. Während die Konkurrenz die „Kasperlbrillen“ abtat, griffen die Kunden rasch begeistert zu. Matt mietete einen größeren Laden und wartete sogleich mit der nächsten Neuerung auf: Er hängte seine Brillen für die Kunden gut sichtbar an die Wand, statt sie in Schubläden wegzusperren. Heute ist das üblich in Optiker-Geschäften. Damals wurde damit ein neues Denken vor Augen geführt: Die Brille ist mehr als ein Hilfsmittel. Sie kann auch ein modisches Statement sein.

Ich bin davon überzeugt, dass es sich auszahlt, wenn sich der Kunde wohlfühlt und fair behandelt wird.“

Michael Matt, Chef von Optik Matt

Der Optikerberuf habe sich sehr verändert, sagt Michael Matt. Sich über das Produkt zu unterscheiden, sei quasi nicht mehr möglich. Die Kommunikation mit dem Kunden werde heutzutage immer wichtiger. „Das ist das kleine Stellrädchen, an dem wir drehen können“, beschreibt Matt. Deshalb sei es so wichtig, das Augenmerk auf den Menschen zu legen. Matt schult seine Mitarbeiter dahingehend, dass Kunden möglichst nicht lange allein vor der Brillenwand stehen sollen, wo sie sich schnell im riesigen Angebot an Fassungen verlieren. Gewünscht sind starke Verkäufer, die ihre Meinung sagen und dem Kunden die Brille empfehlen, die genau zu seiner Lebenssituation und seinen Bedürfnissen passt. Das heißt auch: erst einmal weg von der Brillenwand. Besser sei es, in einem kurzen Gespräch zu Beginn der Beratung zu klären, wer der Kunde überhaupt ist. Welchen Beruf hat er? Welche Hobbys? Was soll die Brille im Alltag können? Auf den ersten Blick verwunderten diese Fragen vielleicht, räumt Matt ein. Was geht es den Optiker an, was ein Kunde arbeitet? Er soll ihm doch nur eine Brille verkaufen. Aber Matt entgegnet, es soll eben die richtige Brille für den Kunden sein.

Viele Stammkunden

Dass seine Mitarbeiter von dem überzeugt sind, was sie verkaufen, hält Matt für entscheidend. Vielmehr als um Umsatzzahlen gehe es um Begeisterung. „Wir sind ein emotionales Unternehmen“, betont Matt. Ein Team ist auf den wichtigen Optikmessen unterwegs Sind diese Trendscouts von einer Neuheit begeistert, stecken sie auch die anderen an, erklärt Matt. Er will nicht, dass seine Mitarbeiter Kunden zu einer Brille überreden. Aber sie sollen ihre Meinung sagen. Matt wünscht sich in dieser Hinsicht starke Verkäufer. Ein Plus, das der stationäre Optiker gegenüber dem Onlinehandel hat. Und es wirkt offenbar. Matt ist stolz auf die Stammkundenquote. Sie liege bei 70 Prozent, sagt er.

Bei Optik Matt werden die Gläser in der unternehmenseigenen Werkstatt in Waldmünchen geschliffen. Viele Konkurrenten haben diese Tätigkeit ausgelagert. Trotzdem verbringen Optiker auch bei Matt inzwischen eher wenig Zeit in der Werkstatt. Das hat Folgen für die Auswahl der Mitarbeiter. Zwischen 26 und 30 neue Auszubildende stellt Matt jedes Jahr ein. Einen Ausbildungsplatz bekommt, wer bei einem improvisierten Verkaufsgespräch überzeugt. Die Aufgabe: Die Bewerber sollen durchspielen, wie sie einem Partner ein Produkt ihrer Wahl verkaufen. „Die meisten entscheiden sich für ein Smartphone“, erzählt Matt.

Kein schlechtes Stichwort. Denn das Smartphone verändert Matts Geschäft. Die Digitalisierung sei das Thema , das ihn in den kommenden Monaten vor allem beschäftigen werde. Es geht da um Fragen wie die Zu- und Absage von Terminen via Smartphone. Oder die Information, dass eine Brille abgeholt werden kann. „Das erwarten die Kunden heute“, sagt Matt und fügt hinzu: „Wir sind ständig aufgefordert, neu zu denken.“

Unsere Champions

  • Die Serie:

    Groß, größer – oder sogar Weltmarktführer: In Niederbayern und der Oberpfalz gibt es viele Unternehmen, die in ihrem Bereich national und/oder international Champions sind oder in ihrer Nische Beeindruckendes herstellen. Vom Mini-Hubschrauber bis zum Riesenhäcksler ist alles dabei.

  • Die Porträts:

    Die Mittelbayerische porträtiert die ostbayerischen „Champions“. Unsere Champions: Alle Serienteile lesen Sie hier.

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