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Immer mehr Flüchtlinge in Arbeit

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Regensburg sinkt stärker. Die Integration anerkannter Asylbewerber macht Fortschritte.
Von Jan-Lennart Loeffler

Mehr Langzeitarbeitslose - darunter auch viele Flüchtlinge – in Arbeit: Das Jobcenter der Stadt Regensburg zieht dank der guten Konjunktur eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. Foto: dpa/picture alliance/Skolim
Mehr Langzeitarbeitslose - darunter auch viele Flüchtlinge – in Arbeit: Das Jobcenter der Stadt Regensburg zieht dank der guten Konjunktur eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. Foto: dpa/picture alliance/Skolim

Regensburg.Es gab 2018 wieder einmal weniger Arbeitslose, die auf Leistungen des Jobcenters angewiesen waren. Auch die Zahl der nicht erwerbsfähigen Leistungsbezieher ging erneut zurück. Diese Zahlen geben Jobcenter-Chefin Birgitt Ehrl und Gabriele Anderlik, Leiterin der Regensburger Agentur für Arbeit, bei der Vorstellung der Jahresbilanz des Jobcenters Regenburg Grund zur Freude.

Dafür gibt es nun mehr sogenannte Langzeit-Leistungsbezieher, die in den vergangenen zwei Jahren mindestens 21 Monate lang ununterbrochen Leistungen bezogen haben. Deren Zahl erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren 3262 dieser Personen im Jobcenter gemeldet. Im Vorjahr waren es nur 3097. Birgitt Ehrl führt diesen Anstieg auf die immer noch spürbare Zahl an Flüchtlingen zurück. Diese blieben länger im Leistungsbezug, da sie erst die nötigen Sprachkenntnisse für eine Arbeit oder Ausbildung erwerben müssten.

So hat sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen nach SGB II in Regensburg entwickelt:

Doch dem Jobcenter gelingt es nun, anders als noch in den vorherigen Jahren, immer mehr Flüchtlinge in Arbeit zu bringen. Daher sinkt nun die Zahl der Leistungsbezieher so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. „Wir bauen jetzt einen Teil ab“, sagt Ehrl. Sie spricht für 2018 von 403 „Integrationen“. Das sind erfolgreiche Vermittlungen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Das entspricht einer Integrationsquote von fast 43 Prozent. Damit liegt Regensburg vor anderen großen Jobcentern wie München, Augsburg oder Nürnberg. Die gute wirtschaftliche Lage in Regensburg trägt zweifelsohne ihren entscheidenden Anteil zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt bei.

Sprachbarriere als Hindernis

Mangelnde oder in den meisten Fällen überhaupt nicht vorhandene Deutschkenntnisse sind ein großes Hindernis auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind auch ein Grund dafür, dass fast alle Asylbewerber nach ihrer Anerkennung und dem damit verbundenen Auslaufen der Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zunächst im Jobcenter aufschlagen. In der Regel dauert es meist länger als zwei Jahre, bis sie die deutsche Sprache so gut beherrschen, um erfolgreich vermittelt zu werden. „Der erste Sprachkurs reicht nicht aus“ sagt Anderlik. Wobei die Zeit, die bis zu einer erfolgreichen Vermittlung vergeht, individuell sehr unterschiedlich sei. Im Durchschnitt des vergangenen Jahres wurden 947 erwerbsfähige anerkannte Asylberechtigte im Regensburger Jobcenter betreut. Oberste Priorität hat immer die berufliche Integration, um damit die Hilfebedürftigkeit zu beenden. „Das ist das Beste, was wir erreichen können“, sagt Ehrl.

So hat sich die Langzeitarbeitslosigkeit bei Jugendlichen in Regensburg entwickelt:

Die größte Herausforderung für das Jobcenter sind Menschen, die jahrelang keine Arbeit hatten und auch noch gesundheitliche Einschränkungen, meist psychischer Natur, haben. „Integrationsfern“ ist der Behördenbegriff für diesen Personenkreis. Neue Impulse erwartet sich Jobcenter-Chefin Ehrl hier von neuen Fördermöglichkeiten. Zum einen biete das Teilhabechancengesetz neue Förderinstrumente. Zum anderen arbeitet das Regensburger Jobcenter an einem Modellprojekt. Profitieren davon sollen Langzeitarbeitslose mit erheblichen körperlichen oder psychischen Einschränkungen, die schon sehr lange – es geht hier um mehr als sechs Jahre – nicht mehr gearbeitet haben. Das große Potenzial liegt dabei für Anderlik in der gesicherten Finanzierung. Denn die sei sonst ein Dauerproblem bei den Maßnahmen. Anderlik spricht von „Verschiebebahnhöfen der unterschiedlichen Fördertöpfe“.

Keine Übergriffe auf Mitarbeiter

Auch sonst verlief das vergangene Jahr positiv: Tätliche Angriffe auf Mitarbeiter, wie sie in der Vergangenheit aus anderen Jobcentern bekannt wurden, gab es beim Jobcenter Regensburg im vergangenen Jahr nicht. In Einzelfällen kam es zu Beleidigungen. „Das zeigen wir an, da sind wir konsequent“, sagt Ehrl. Sie setzt auf Prävention: Zwischen den Büros hat das Jobcenter Verbindungstüren einbauen lassen, um in Extremsituationen Fluchtmöglichkeiten zu schaffen. Die Mitarbeiter absolvieren regelmäßig Sicherheitsschulungen, während der Öffnungszeiten ist ein Sicherheitsdienst vor Ort. Trotz allem betont Ehrl: „Wir wollen eine zugängliche Behörde sein. Jeder, der zu uns kommt, hat ein legitimes Anliegen.“

Hilfe

Keiner muss allein zum Arbeitsamt

Für manche Menschen ist der Weg zum Jobcenter sehr schwierig. Der Regensburger Wolfgang Baum begleitet sie.

Die Anzahl der betreuten Leistungsempfänger nimmt stetig ab. Auf eine mögliche Fusion der beiden Jobcenter für Stadt und Landkreis angesprochen, winken die Verantwortlichen jedoch ab. „Das jetzt zu ändern wäre ohne Mehrwert“, sagt Anderlik. „Die Strukturen haben sich gefunden.“ Auch Ehrl sieht keinen Fusionsbedarf und verweist auf die „enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ zwischen den beiden Einrichtungen.

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Die Bilanz des Regensburger Jobcenters

  • Rückgang:

    Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Stadt Regensburg nahm im vergangenen Jahr weiter ab. Für 2018 kommt die Behörde im Jahresdurchschnitt auf 5021 Personen, die erwerbsfähig wären, aber Leistungen beziehen. Das ist ein Rückgang von 6,3 Prozent. Auch die Zahl nicht erwerbsfähiger Leistungsempfänger ging 2018 zurück: um 4,5 Prozent von 1905 auf 1820.

  • Quote:

    Die Quote der Arbeitslosen, die vom Jobcenter betreut werden, sank auf den niedrigsten Stand seit dessen Bestehen. Sie lag im Dezember 2018 bei 1,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Gesamtarbeitslosenquote in der Stadt Regensburg lag im Dezember 2018 insgesamt bei 3,2 Prozent. In dieser Zahl sind auch kurzzeitig arbeitslos gewordene Personen erfasst, die noch Arbeitslosengeld erhalten.

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