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Konjunktur

Metallbetriebe: Fachkräftemangel bremst

In der Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie herrscht Zuversicht. Aber viele Stellen können nicht besetzt werden.
von Christine Straßer

Die Metall- und Elektroindustrie will im ersten Halbjahr bayernweit 15 000 neue Arbeitsplätze schaffen, davon 2000 in der Oberpfalz. Foto: Jens Wolf/dpa
Die Metall- und Elektroindustrie will im ersten Halbjahr bayernweit 15 000 neue Arbeitsplätze schaffen, davon 2000 in der Oberpfalz. Foto: Jens Wolf/dpa

Regensburg.Die Metall- und Elektroindustrie in der Oberpfalz blickt mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2018. Einerseits ist die Stimmung in der Branche nach wie vor optimistisch. In einer am Dienstag in Regensburg vorgestellten Umfrage der Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm stufen 79 Prozent der Unternehmen die aktuelle Lage als gut ein. Auch die Geschäftserwartungen für das kommende Halbjahr sind trotz des anhaltend unsicheren globalen Umfelds und der aktuellen Tarifauseinandersetzungen zuversichtlich. Allerdings auf niedrigem Niveau, wie Dr. Stefan Klumpp, Vorstandsvorsitzender der bayme vbm Region Oberpfalz-Nord hinzufügte. Lediglich knapp 20 Prozent der Firmen wollen ihre Investitionen erhöhen.

2000 zusätzliche Jobs

Dr. Stefan Klumpp (l.), Vorstandsvorsitzender der bayme vbm Region Oberpfalz-Nord sowie Vorstand der Hamm AG Tirschenreuth, und Hermann Brandl, Geschäftsführer der bayme vbm Geschäftsstelle Oberpfalz Foto: ct
Dr. Stefan Klumpp (l.), Vorstandsvorsitzender der bayme vbm Region Oberpfalz-Nord sowie Vorstand der Hamm AG Tirschenreuth, und Hermann Brandl, Geschäftsführer der bayme vbm Geschäftsstelle Oberpfalz Foto: ct

Das Vorstandsmitglied der Tirschenreuther Hamm AG beschreibt die derzeitige Lage als „klassische Hochkonjunktur“. Die sei dadurch gekennzeichnet, dass zum einen Material nicht immer in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehe und zum anderen nicht jede Arbeitsstelle besetzt werden könne. In der M+E Industrie planen mehr als 73 Prozent der Unternehmen in der Oberpfalz, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Aktuell sind 95 000 Menschen in der Oberpfalz in der M+E Industrie beschäftigt. Bayernweit sind es 845 000, was dem höchsten Stand seit mehr als 26 Jahren entspricht. „Im weiteren Jahresverlauf erwarten wir einen Zuwachs von rund 15 000 Arbeitskräften, davon rund 2000 Arbeitsplätzen in der Oberpfalz“, sagte Klumpp.

Das große Aber dabei: Bereits seit Ende 2016 liegen die Beschäftigungspläne der Unternehmen über der tatsächlichen Entwicklung. Der Fachkräftemangel führt zu einem harten Wettbewerb unter den Unternehmen um Spezialisten. Während in der Oberpfalz auf eine offene Stelle 1,5 Arbeitslose kommen, sind es in der M+E Industrie nur 0,6. „Das führt schon heute bei mehr als der Hälfte der Unternehmen zu Einschränkungen in der Produktion“, führte Klumpp aus. Gesucht sind vor allem Ingenieure und Informatiker, aber auch Metall- und Elektro-Facharbeiter.

Positionen im Tarifkonflikt

  • IG Metall

    Die Gewerkschaft IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld, eine Wahloption auf Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für maximal zwei Jahre sowie einen finanziellen Teilzeitausgleich.

  • Arbeitgeber

    Die Arbeitgeber bieten zwei Prozent mehr Lohn. Einer 28-Stunden-Woche erteilen sie eine klare Absage.

Fahrzeugbauer weichen ab

Auffällig ist bei der Konjunkturumfrage auch, dass es diesmal teils deutliche Unterschiede innerhalb der Branche gibt. So blicken Elektro- und Elektronikfirmen sowie Maschinenbauer optimistischer in die Zukunft als Autobauer und deren Zulieferer. Diese Zweiteilung spiegelt sich besonders auch bei den Exporten wider. Klumpp erklärt das mit dem starken Ausbau der Auslandsstandorte, der im Bereich der Automobilindustrie stattgefunden habe. Die Globalisierung sei der Wachstumsantrieb. „Aber wer wirklich global produziert, für den wird der Heimatmarkt wieder wichtiger“, sagte der Arbeitgebervertreter. Die inländischen Produktionspläne der oberpfälzischen M+E Unternehmen sind insgesamt klar aufwärts gerichtet. 70 Prozent der Firmen wollen laut Verband ihre Produktionsleistung in den kommenden Monaten ausweiten.

Mit Blick auf die derzeit in der Metall- und Elektroindustrie stattfindenden Tarifverhandlungen gab sich Klumpp optimistisch, dass es mit einer Einigung auf eine Lohnerhöhung nicht mehr lange dauern werde. Er mahnte an, dabei zu bedenken, dass die Lohnabschlüsse auch in der Zukunft „verkraftbar“ sein müssen. Die Forderung der Gewerkschaft bezüglich anderer Arbeitszeiten hält er für realitätsfern. Und er mahnt: Wer sich heute nicht schon für die nächste Krise vorbereite, handle unvernünftig.

Um den Standort zu sichern, wünscht er sich von der Politik, mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und die Digitalisierung. „Wenn man 100 Megabit in die Haushalte bringt, dann ist das zu wenig“, unterstrich Klumpp. Das Ziel müssten vielmehr Gigabit-Leitungen sein. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, muss Klumpp zufolge an drei Stellschrauben gedreht werden: Mehr Frauen müssen in Beschäftigung gebracht werden insbesondere in technischen Berufen. Unqualifizierte Arbeitskräfte müssen qualifiziert werden. Und: „Ein Zuwanderungsgesetz, um den Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte zu steuern, ist unausweichlich.“

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