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Arena: Caterer-Suche, die zweite

Ein Gutachter kritisierte einen Fehler beim Probeessen in Regensburg. Nun müssen sich die Kandidaten erneut bewerben.
Von Julia Ried und Ernst Waller

Die Mitarbeiter des Catering-Dienstleisters in der Continental-Arena bewirten Fußballfans wie hier, aber auch Tagungsgäste. Foto: Lukesch
Die Mitarbeiter des Catering-Dienstleisters in der Continental-Arena bewirten Fußballfans wie hier, aber auch Tagungsgäste. Foto: Lukesch

Regensburg.Die Suche der Stadt nach einem Dienstleister für die Verpflegung in der Continental-Arena droht zur Posse zu verkommen. Denn das Verfahren geht nach einem Fehler in die zweite Runde. Wie die städtische Pressestelle auf Anfrage der Mittelbayerischen bestätigte, hat sich die Stadt entschlossen, die Vergabe in Teilen neu aufzurollen. Das ist die Konsequenz aus dem juristischen Gutachten zu der Caterer-Suche, das der Stadt inzwischen vorliegt. Die Kritik des Experten betreffe das Probeessen, sagte Stadtsprecherin Katrin Butz. Es steht der Verdacht im Raum, dass einer der Bewerber dabei getrickst haben könnte.

Sechs Unternehmen hatten sich ursprünglich beworben. Drei wurden am 27. April zur Angebotspräsentation samt Testmenü eingeladen, darunter auch der Noch-Caterer Party-Engel, der sich erneut beworben hatte.

Große und kleine Knödel

Die Vergabe war nötig geworden, weil das Stadtwerk als Betreiber der Continental-Arena die dreijährige Zusammenarbeit mit dem Party-Engel nicht verlängert hatte. Der SSV Jahn als Hauptmieter, der sich offiziell nie zu den Gründen für das Ende der Kooperation äußerte, war nicht zufrieden mit dem Dienstleister. Manfred Koller, der Geschäftsführer des Arena-Betreibers Stadtwerk, sprach dagegen von „durchweg positiven“ Rückmeldungen seiner Veranstaltungsgäste.

Stadtsprecherin Butz sagte zur Kritik des Gutachters: „Konkret geht es um die Ausschreibungskriterien für das Essen. Diese müssten so eng formuliert sein, dass es nicht einmal die theoretische Möglichkeit gibt, die einzelnen Essen einem bestimmten Bewerber zuzuordnen.“ Praktisch heiße das: „Wenn die Aufgabenstellung lautet ,Knödel‘, kann der eine Bewerber größere Knödel anbieten, der andere kleinere.“ Falls nun ein Jurymitglied die Bewerber gut kenne und wisse, wie sie normalerweise arbeiten, könnte er Butz zufolge allein aus der Größe der Knödel Rückschlüsse darauf ziehen, welches Essen von welchem Kandidaten kommt und seine Punktevergabe entsprechend beeinflussen. Butz erklärte weiter: „Um diese Möglichkeit komplett auszuschließen, hat sich die Stadt entschlossen, das Vergabeverfahren zurückzusetzen und diesmal auf ein Probeessen zu verzichten.“

Bei der Testverkostung war laut Butz für die Jury „erkennbar“ geworden, „dass die Regularien für das Testessen unterschiedliche Ausgestaltungen der angebotenen Gerichte ermöglichten“. Daraufhin habe die Stadt selbst die Vergabekanzlei hinzugezogen, „um eventuelle Rechtsunsicherheiten definitiv auszuschließen“. Nach Informationen der Mittelbayerischen soll ein Anbieter seine Produkte subtil kenntlich gemacht haben. So soll er zum Beispiel seine Mousse mit heller und dunkler Schokolade gemacht haben, wobei helle Schokolade untypisch für die Großgastronomie ist.

Zudem legt das Vorgehen der Stadt nahe, dass ein Manipulationsverdacht im Raum steht. So schrieb die Stadt am Freitag nach Informationen der Mittelbayerischen die drei Bieter, die ein Probeessen zubereitet hatten, an, und bat sie, „Folgendes zu bestätigen“. „Wir haben die Speisen, die bei obengenannter Präsentation von uns zubereitet wurden, nicht mit Differenzierungsmöglichkeiten versehen, die Rückschlüsse auf unser Unternehmen ermöglicht hätten. Wir haben keine wettbewerbswidrigen Absprachen getroffen.“ Die Unterschrift sei für die weitere Beteiligung am Vergabeverfahren „erforderlich“.

Im August beginnt in der zweiten Bundesliga die neue Saison. Foto: Tino Lex
Im August beginnt in der zweiten Bundesliga die neue Saison. Foto: Tino Lex

Alle Unternehmen, die sich ursprünglich beworben hatten, bekamen von der Stadt eine Aufforderung, bis 15. Juni ein neues Angebot abzugeben. Darüber, dass der zweite Teil des Vergabeverfahrens diesmal nur aus einer Präsentation ohne Probeessen besteht, informiert sie die Stadt in diesem Schreiben nicht. Die Jury wird im zweiten Anlauf komplett neu besetzt.

Bei der Vergabe geht es dem Vernehmen nach um ein Umsatzvolumen von 1,5 bis zwei Millionen Euro in der Vertragslaufzeit von nun zwei Jahren.

Der Jahn protestiert

Der Jahn zeigte sich nicht einverstanden mit dem Vorgehen der Stadt. Er sei „überrascht“ davon, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins, und weiter: „Der Stadion-Mietvertrag zwischen der Stadt Regensburg und dem SSV Jahn Regensburg regelt klar, dass die Vergabe des Catering-Rechtes im Zuge eines städtischen Vergabeverfahrens im Benehmen mit dem SSV Jahn erfolgt. Diese Vereinbarung wird im laufenden Verfahren jedoch nicht erfüllt.“

Die Zeit für die wiederholte Caterer-Suche ist knapp. Am 5. Juli endet der Vertrag mit dem Party-Engel, am 6. Juli sollte der nun ausgewählte Stadion-Gastronom seinen Dienst antreten. Sowohl Konferenzgäste als auch Fußballfans – die Saison beginnt am ersten Augustwochenende – müssen sich allerdings den Verantwortlichen zufolge keine Sorgen machen, dass sie hungrig und durstig aus der Arena gehen.

Die Stadtwerk-Geschäftsführer Manfred Koller und Olaf Hermes betonen in ihrer Stellungnahme: „Die Versorgung wird immer sichergestellt sein. In diesem Zusammenhang wird aktuell eine Interimslösung erarbeitet.“ Darüber hinaus gelte: „Aus der jetzt erfolgenden Zurücksetzung des Vergabeverfahrens ergeben sich für uns keine Probleme. Vielmehr sind damit umso mehr die maximale Objektivität und Fairness im Verfahren gewährleistet.“

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Kommentar

Peinliche Panne

Die Stadt hat eine Unregelmäßigkeit im Verfahren zur Auswahl eines Caterers für die Continental-Arena erkannt und reagiert. Das ist gut so. Trotzdem ist...

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