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Arbeit

Perspektive statt Stellenabbau für Conti

Über 300 Teilnehmer feierten in Roding ein Fest der Solidarität. Die Sprecher üben harsche Kritik am Continental-Management.

Seite an Seite standen all jene, die sich um die Arbeitzsplätze in Roding sorgen und ihrem Unmut auch Ausdruck verleihen. Fotos: rsr
Seite an Seite standen all jene, die sich um die Arbeitzsplätze in Roding sorgen und ihrem Unmut auch Ausdruck verleihen. Fotos: rsr

Roding.Rote Mützen und T-Shirts als Outfit, dazu mit Trillerpfeife und Fahne „bewaffnet“ – so unterstützten die Gewerkschaftsmitglieder die Kundgebung der IG Metall am Freitagnachmittag. Wie berichtet, hatten sich dazu 300 Conti-Mitarbeiter und solidarische Bürger am Paradeplatz versammelt.

Moderatorin Karin Wagner vom Sekretariat der IG Metall, Geschäftsstelle Regensburg, freute sich über die rege Teilnahme an der Kundgebung und gab den Programmablauf bekannt. Zudem betonte sie, dass der Erlös aus dem Verkauf dem BRK zu Gute komme.

Die Solidaritätsveranstaltung am Paradeplatz war auch von Musik begleitet: Nach den Redebeiträgen wurde zu den Klängen der Band „Ohrange“ noch lange diskutiert und debattiert. Fotos: rsr
Die Solidaritätsveranstaltung am Paradeplatz war auch von Musik begleitet: Nach den Redebeiträgen wurde zu den Klängen der Band „Ohrange“ noch lange diskutiert und debattiert. Fotos: rsr

Christian Dietl vom DGB Oberpfalz, Grünen-Kreisrat Gerhard Weiherer und Marius Brey von „Die Linke“ bekundeten ihre Solidarität mit der Conti-Belegschaft und mahnten die aus ihrer Sicht unverständliche Vorgehensweise des Conti-Konzerns an. Thomas Hiltl überbrachte eine Solidaritätsbotschaft der Belegschaft von Krones Nittenau, er forderte zum Weiterkämpfen pro Erhalt der über 300 im Feuer stehenden Arbeitsplätze auf.

Probleme angeprangert

Olga Redda, die Geschäftsführerin der IG Metall Regensburg, sparte nicht an Kritik am Management von Conti. Sie sprach unter anderem von Missständen. Fotos: rsr
Olga Redda, die Geschäftsführerin der IG Metall Regensburg, sparte nicht an Kritik am Management von Conti. Sie sprach unter anderem von Missständen. Fotos: rsr

Die Geschäftsführerin der IG Metall Regensburg, Olga Redda, wurde in ihrer Wortwahl wesentlich deutlicher. Der Personalabbau betreffe jeden zweiten Arbeitsplatz in der Fertigung. Conti begründe diese Maßnahme mit dem internationalen Wettbewerb bei Hochdruckpumpenprodukten und den zu hohen Personalkosten. Dieser Missstand sei aber durch Managementfehler zustande gekommen. Der Betrieb sei gut ausgelastet. Die Probleme beim Turbolader-Geschäft seien hausintern entstanden. Die Belegschaft habe immer alles gegeben und müsse die missliche Lage ausbaden. Dies könne nicht akzeptiert werden, noch dazu bei einem niedrigeren Lohnniveau als bundesweit. Die IG Metall habe Zugeständnisse gemacht, und die Belegschaft sei stets bemüht gewesen, den Standort Roding wettbewerbsfähig zu halten. Die Entscheidungsträger sitzen Redda zufolge in Hannover und Regensburg, und es gibt keine Fürsprecher. Sogar WC-Papier-Bestellungen müssten vorher mit Regensburg abgeklärt werden. Ein Ersatzgeschäft müsse her, damit die Arbeitsplätze gesichert werden können. Dazu sei die Solidarität der anderen Sparten wichtig. Sonst sei nicht nur die Fertigung, sondern auch die Entwicklung in Gefahr. 40 Milliarden Umsatz mit fünf Milliarden Gewinn – wo bleibe da die Sozialverantwortung? – Conti, sagte Redda, sei nicht nur den Aktionären verpflichtet, sondern auch den Mitarbeitern und der Region. „Mit der Aktion wollen wir ein Zeichen gegen den Kahlschlag setzen und fordern einen runden Tisch mit allen Verantwortlichen.“ Claudia Hecht, BR-Vorsitzende Conti Roding, betonte, dass es auch keine Beschäftigungssicherung für die übrigen 477 Mitarbeiter gebe. Am Werk Roding würden 21 Schichten gearbeitet und das Stundenkonto der Mitarbeiter sei randvoll. Das Missmanagement sei der prekären Situation schuld. Hecht schilderte die Existenzängste der Mitarbeiter, deren Lebensunterhalt in Gefahr sei. Das Wegrationalisieren von 318 Arbeitsplätzen bedeute 318 Familienschicksale. Sie dankte der Region, den Kollegen und Politikern für ihre Solidarität.

Lorenz Pfau vom GBR Regensburg und Gesamtbetriebsrat Conti Regensburg sagte, Fehlplanungen dürften nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Fotos: rsr
Lorenz Pfau vom GBR Regensburg und Gesamtbetriebsrat Conti Regensburg sagte, Fehlplanungen dürften nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Fotos: rsr

Lorenz Pfau vom GBR Regensburg und Gesamtbetriebsrat Conti Regensburg beschwor, dass die Fehlplanungen nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden dürften. Alternative Produkte und neue Technologien seien für die Zukunft des Standortes enorm wichtig. Mit dem langsamen Abbau könne auch der Gesamtstandort in Gefahr geraten. „Weiterkämpfen, zusammenhalten und das einfordern, was uns zusteht“, so gab sich Lorenz Pfau kämpferisch.

Bitter enttäuscht worden

Rodings Bürgermeister Franz Reichold und Claudia Hecht, Claudia Hecht, BR-Vorsitzende von Conti Roding, haben sich einmal mehr voll hinter die Belegschaft gestellt. Fotos: rsr
Rodings Bürgermeister Franz Reichold und Claudia Hecht, Claudia Hecht, BR-Vorsitzende von Conti Roding, haben sich einmal mehr voll hinter die Belegschaft gestellt. Fotos: rsr

Bürgermeister Franz Reichold sagte: Conti sei eine Marke in der Welt, Conti sei auch eine Marke in Roding. Der Stadtrat und die Bevölkerung stünden hinter der Belegschaft. Es tue weh, wenn man von heute auf morgen seinen Job verliert, das sei ein Schock. Die Arbeitnehmer seien zu Conti gegangen, weil sie beim Weltkonzern auf sichere Arbeitsplätze vertrauten. Doch nun seien sie bitter enttäuscht worden. Reichold überbrachte Grüße von Landrat Löffler und beteuerte, das im Bayerischen Wirtschaftsministerium Gespräche hinsichtlich Förderung neuer Technologien laufen würden. Immer wieder würden Dieselautos, Reifenabrieb und Feinstaub thematisiert, doch nicht komplex diskutiert, damit würden Arbeitsplätze vernichtet. Die Unternehmen sehen laut Reichold die Vorteile der Facharbeiterqualität in der Region, dieses Vertrauen darf nicht kaputtgemacht werden. Die Stadt werde alles versuchen, damit die Arbeitsplätze am Standort bleiben, das Logo weiter vom Conti-Gebäude strahlt. (rsr)

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