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Wirtschaft

Pfeifkonzert gegen den Stellenabbau

Rodings Conti-Belegschaft macht bei Kundgebung ihrem Unmut Luft. Die Politik appelliert an die Verantwortung des Konzerns.
Von Bastian Schreiner

Rund 450 Teilnehmer kamen am Freitag zur Kundgebung vor dem Conti-Werk in Roding und protestieren lautstark. Foto: Schreiner
Rund 450 Teilnehmer kamen am Freitag zur Kundgebung vor dem Conti-Werk in Roding und protestieren lautstark. Foto: Schreiner

Roding.450 Teilnehmer haben sich am Freitagvormittag zur Kundgebung vor dem Conti-Werk in Roding eingefunden, um gegen den geplanten Abbau von rund 300 Arbeitsplätzen zu protestieren. Dazu hatte die IG Metall Regensburg aufgerufen. Mit Trillerpfeifen, Fahnen und Plakaten machte die Belegschaft ihren Unmut Luft. Auch Mitarbeiter anderer Betriebe aus dem Landkreis sowie Politiker mit Bürgermeister Franz Reichold und CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp an der Spitze kamen zur Demo.

„Ihr seid nicht allein!“, versicherte Olga Redda von der IG Metall den knapp 320 betroffenen Mitarbeitern bei ihrer Begrüßung und bedankte sich für die Unterstützung bei der Politik und der benachbarten Firmen. Man werde die Verlagerung ins Ausland nicht akzeptieren und fordere ein neues Konzept für den Standort Roding, um diesen zukunftssicher zu machen. „Perspektive statt Arbeitsplatzabbau“ verlangte Redda.

„Haben nichts zu verschenken!“

Plakate und Fahnen gegen den Stellenabbau bei Conti: Die Belegschaft mit Betriebsratsvorsitzender Claudia Hecht (r.) gibt die Hoffnung nicht auf. Foto: Schreiner
Plakate und Fahnen gegen den Stellenabbau bei Conti: Die Belegschaft mit Betriebsratsvorsitzender Claudia Hecht (r.) gibt die Hoffnung nicht auf. Foto: Schreiner

„Die Continental-Werte werden vom Management mit Füßen getreten“, rief Betriebsratsvorsitzende Claudia Hecht – ein schrilles Pfeifkonzert schloss sich an. Man werde die Arbeitsplätze nicht einfach hergeben. „Wir haben nichts zu verschenken!“, betonte sie. Die Kundgebung solle dazu beitragen, dass die Geschäftsleitung nicht nur soziale Verantwortung zeigt, sondern auch trägt. Die Belegschaft werde sich nicht unterkriegen lassen und die Hoffnung nicht aufgeben, so Hecht.

Bei Continental in Roding wird gestreikt

Hüseyin Aydin, Konzernbetreuer der Gewerkschaft, nahm die Belegschaft in Schutz. Die Ingenieure, Fachkräfte und Werker in Roding seien nicht Schuld an der Schieflage, sondern das Management. „Wir werden nicht zulassen, dass die 320 Stellen wegradiert werden, weil die Kollegen weder in Regensburg Alternativen bekommen noch adäquate Jobs in der Region finden werden“, meinte Aydin. Deshalb wolle man die Jobs in Roding behalten. Dafür brauche es eine neue Strategie für den Standort, damit dieser auch in 15 Jahren noch Zukunft hat. In der Vergangenheit habe es viele Umstrukturierungen bei Conti gegeben. „Wir haben immer eine Lösung gefunden und wir werden auch in der nächsten Zeit gemeinsam eine Lösung finden, damit die Jobs gerettet werden“, sagte Aydin unter lautem Beifall.

Dem Protestaufruf folgten mehrere Hundert Menschen. Foto: Schreiner
Dem Protestaufruf folgten mehrere Hundert Menschen. Foto: Schreiner

Bürgermeister Franz Reichold machte deutlich, dass man sich nicht damit begnüge, 300 Stellen „möglichst sozialverträglich“ abzubauen. Denn 300 Arbeitsplätze weniger am Standort würden 300 Mal ein Schicksal, das man zunächst einmal annehmen und überwinden muss, bedeuten. Vielmehr forderte Reichold für das Werk in Roding ein anderes zukunftsfähiges Produkt, das auch die restlichen knapp 500 Stellen sichert. Anstellte die Jobs ins Ausland zu verlagern, sei es sinnvoller, die qualifizierten Leute zu halten und neue Produktlinien anzusiedeln, meinte er.

Soziale Verantwortung

Die Belegschaft machte mit Trillerpfeifen und Plakaten ihrem Unmut Luft. Foto: Schreiner
Die Belegschaft machte mit Trillerpfeifen und Plakaten ihrem Unmut Luft. Foto: Schreiner

Auch wenn die Wirtschaftslage derzeit gut und der Facharbeitermangel groß sind, werden auch wieder andere Phasen kommen. „Dann spricht man schnell von Arbeitsplatzmangel und nicht von Facharbeitermangel“, sagte Reichold. Die Stadt habe für die Ansiedlung des Unternehmens am Eisenhart viel geleistet. Nun müsse auch der Konzern seiner sozialen Verantwortung gerecht werden.

Das sagt Continental

  • Verlagerung:

    Vergangene Woche war bekannt geworden, dass der Automobilzulieferer Continental am Standort Roding 300 der insgesamt rund 800 Arbeitsplätze nach Fernost und Tschechien verlagern will.

  • Gründe:

    Das Unternehmen begründet den Schritt mit mangelnder Wirtschaftlichkeit der Fertigungslinien von Benzin- und Dieselhochdruckpumpen. Der Abbau soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein.

Dass trotz Milliarden-Gewinne Jobs ins Ausland verlagert werden, sei sehr unverständlich, meinte Gerhard Hopp. Motivierte Mitarbeiter seien ein Schatz für Unternehmen. Solidarität dürfe keine Einbahnstraße sein, stellte der Abgeordnete klar und appellierte an die Verantwortung gegenüber den Menschen. „Ich bin überzeugt, dass der Standort Roding Zukunft hat. Glück auf!“

Die IG Metall werde zunächst das Gespräch im Wirtschaftsministerium abwarten. Sollten diese ohne positive Ergebnisse zu Ende gehen, werde man weitere Protestaktionen planen, kündigte Olga Redda an. Die Betriebsratsvorsitzende Hecht sagt: Wir verstehen nicht, wie so ein Kahlschlag passieren kann. Aber die Belegschaft kämpft.“

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