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Zukunft

Unruhe in Rodings Conti-Belegschaft

Der Stellenabbau schlägt hohe Wellen. Der Betriebsrat will um jeden Arbeitsplatz kämpfen, Bürgermeister sucht das Gespräch.
Von Bastian Schreiner

Jeder zweite Job in der Produktion ist laut Betriebsrat vom Stellenabbau am Standort Roding betroffen. Foto: bs
Jeder zweite Job in der Produktion ist laut Betriebsrat vom Stellenabbau am Standort Roding betroffen. Foto: bs

Roding.Seit einer Woche befindet sich die Conti-Belegschaft in Roding in Schockstarre. Auch der Betriebsrat war völlig überrascht, als der geplante Abbau von hunderten Arbeitsplätzen bei der außerordentlichen Betriebsversammlung am Mittwoch verkündet worden ist. Rund 300 Stellen aus der Produktion sollen am Standort Roding gestrichen werden, weil Teile der Fertigungslinien nach Tschechien und Fernost verlagert werden. Der Betriebsrat will um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Auch die Politik hat sich eingeschaltet. Bürgermeister Franz Reichold hat bereits mit der Geschäftsleitung gesprochen und sich zudem an die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner gewandt.

Die Stadt habe damals alles getan für die Ansiedlung. „Wenn nun 300 Leute betroffen sind, dann ist das kein Pappenstiel“, sagt Reichold und zeigt sich enttäuscht. Zwar seien die Wirtschaftslage gut und der Facharbeitermangel groß. Doch in ein paar Jahren könne sich das Blatt wenden. „Dann haben wir vielleicht einen Arbeitsplatzmangel und keinen Facharbeitermangel“, meint der Bürgermeister. Der Konzern stehe wirtschaftlich gut da, umso erstaunlicher ist es für ihn, dass so viele Stellen ins Ausland verlagert werden sollen.

Schrittweise Verlagerung

Wolfgang Breuer, bei Conti Leiter des Geschäftsfeldes Engine System, hat dem Bürgermeister die Situation am Freitag im Rathaus erläutert. Zu den neusten Entwicklungen wollte sich der Autozulieferer auf Nachfrage nicht äußern. Pressesprecherin Simone Geldhäuser verwies auf die Mitteilung von vergangenem Mittwoch. Der Standort Roding (rund 800 Mitarbeiter) kämpfe im internationalen Vergleich um Wettbewerbsfähigkeit. Um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, seien strukturelle Veränderungen nötig. Deshalb sei eine Verlagerung, die 2018 beginnen und Ende 2019 abgeschlossen werden soll, von Teilen der Fertigungslinien für Benzin- und Dieselhochdruckpumpen geplant.

Das sagt Continental zum Stellenabbau

  • Der Standort Roding

    würde im internationalen Vergleich um Wettbewerbsfähigkeit kämpfen. Darum würden Fertigungslinien (Benzin- und Dieselhochdruckpumpen) nach Trutnov, Tschechien, Changchun, China, sowie Amata City, Thailand, verlagert.

  • Die Verlagerung

    wird 2018 gestartet und bis Ende 2019 abgeschlossen, informierte Pressesprecherin Simone Geldhäuser. Konkret gehe es dabei um 120 feste Arbeitsplätze, Leiharbeitsplätze (zwischen 80 und 120) sowie etwa 50 befristete Arbeitsverhältnisse.

  • Bestreben

    sei es, die Anpassungsmaßnahmen sozialverträglich umzusetzen und soweit wie möglich auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen verzichten. Der Standort Roding bleibe das weltweite Kompetenzzentrum für Kraftstoff-Hochdruckpumpen.

Der Betriebsrat um Vorsitzende Claudia Hecht, Stellvertreter Erwin Löffler und Silvia Schöniger wehrt sich gegen Continental-Stellenabbau. „Wir werden laut, wir werden kämpfen, wir wollen so viele Arbeitsplätze wie möglich retten“, kündigt Betriebsrätin Schöniger im Gespräch mit unserem Medienhaus an. Seit einigen Tagen würden die Leute dem Betriebsrat die Türe einrennen, sind doch 40 Prozent der Belegschaft des Werkes betroffen. „Es herrscht Unruhe, Unverständnis und Angst“, berichtet sie. Azubis stellen sich die Frage, ob sie die Lehre bei Conti abschließen können. Andere Mitarbeiter wollen heiraten oder Haus bauen – und stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Ob die Betroffenen ohne weiteres woanders anfangen können, hänge von deren Qualifikation ab. „Auch für uns war die Nachricht unerwartet und schockierend“, sagt Schöniger. Die Leute arbeiten gerne bei Continental und wollen bleiben. Die Verbundenheit zum Standort sei groß. Dass die Auftragslage nach wie vor gut ist, zeige die Tatsache, dass mit 21 Schichten gearbeitet wird – quasi rund um die Uhr. Dass das Geschäft mit den Kraftstoff-Hochdruckpumpen Verluste schreibe, ist laut Betriebsrat eindeutig auf Management-Fehler zurückzuführen. Die Beschäftigten in Roding hätten in der Vergangenheit mehr leisten müssen, weil andere Werke im Ausland nicht zu Potte kamen, so Schöniger.

Protest-Aktionen in Planung

Keine Zusicherung gebe es bislang für die verbliebenen 477 Mitarbeiter. Obwohl der Konzern angekündigt hat, dass der gesamte Standort nicht zur Debatte steht, befürchtet der Betriebsrat, dass es zu weiteren Einschnitten kommen könnte. Um sich Gehör zu verschaffen, plant der Betriebsrat Protest-Aktionen. Bereits bei der Versammlung hatte man mit der IG Metall Rote Karten an die 300 Mitarbeiter ausgegeben. Diese wurden hochgehalten, um die Masse der verlorenen Stellen zu verdeutlichen.

Zur Sicherung des Standortes brauche es neue Projekte. In das gleiche Horn stößt der Bürgermeister: „Ziel muss es sein, andere Produktlinien in Roding anzusiedeln.“ Indes hofft Reichold auf die Unterstützung des Wirtschaftsministeriums. Wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilt, werde Ministerin Ilse Aigner in den nächsten Tagen Gespräche mit Conti führen. Wichtig sei, dass der Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestaltet wird und Alternativen für die Zukunft des Standortes aufgezeigt werden.

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