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Bauen

Kronseder bewahrt die Stadtgeschichte

Als Krones-Chef erwarb der Unternehmer einst die Messerschmitt-Halle. Als Stiftungs-Chef kauft er einen Teil des Klosterbaus.
Von Michael Jaumann

Den langgestreckten Südflügel des Klosterbaus hat die VMAX-Familienstiftung erworben. Mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag sorgt hier der frühere Krones-Vorstandschef Volker Kronseder für eine städtebauliche Abrundung des Werksgeländes in Neutraubling. Foto: Jaumann
Den langgestreckten Südflügel des Klosterbaus hat die VMAX-Familienstiftung erworben. Mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag sorgt hier der frühere Krones-Vorstandschef Volker Kronseder für eine städtebauliche Abrundung des Werksgeländes in Neutraubling. Foto: Jaumann

Neutraubling.„Ich bin kein Bauträger. Ich will auch keiner werden“, sagt Volker Kronseder, Aufsichtsratschef der Krones AG und Repräsentant seiner VMAX Familienstiftung. Dafür ist er in seiner Heimatstadt in Sachen Bauen aber ganz gut unterwegs.

Das Parkhaus an der Königsberger Straße, das er 2015 mit der VMAX Familienstiftung errichtete, und das überwiegend von Krones-Mitarbeitern gefüllt ist, bezeichnet er rückblickend als Initialzündung seines Engagements im Immobilienbereich. Dann sei eins zum anderen gekommen, meint er zurückhaltend. Im Südosten von Neutraubling, wo die Familienstiftung 98 000 Quadratmeter Grund gekauft hat, habe er die Chance gesehen, Krones-Mitarbeitern und auch anderen Wohnraum zur Verfügung stellen zu können.

Ein hoher Millionenbetrag

Und jetzt hat er den in der Stadt als Kunz-Block bekannten Teil des Klosterbaus erworben. Wo einst die Firma Kunz Bonbons und Gummibären produzierte und verkaufte, sollen bald die Volkshochschule und das Stadtarchiv einziehen, sollen unter anderem ein Café und ein Boardinghouse untergebracht werden. Die Familienstiftung investiert einschließlich des Ankaufs einen „hohen einstelligen Millionenbetrag“ in das Projekt an der Königsberger Straße. Beim Bau des benachbarten Parkhauses hatte er schon mal bei Christian Kunz wegen des Gebäudes vorgefühlt, erzählt Kronseder. Ein paar Jahre hat es dann noch gedauert, ehe sich die beiden handelseinig wurden.

Das Parkhaus an der Königsberger Straße war das erste Bauprojekt der VMAX-Familienstiftung in Neutraubling. Archivfoto: Jaumann
Das Parkhaus an der Königsberger Straße war das erste Bauprojekt der VMAX-Familienstiftung in Neutraubling. Archivfoto: Jaumann

Für das langgestreckte Gebäude, das fast die ganze Länge der Königsberger Straße einnimmt, hat Kronseder einen vielfältigen Mix an Nutzungen vorgesehen. Den Westteil wird über mehrere Etagen hinweg ein Boardinghouse einnehmen. Ein solcher Beherbergungsbetrieb für Gäste, die längere Zeit hier verweilen, ist natürlich besonders für Krones interessant, das in seiner Akademie Techniker aus aller Welt schult. Einen großen Teil des Gebäudes wird die Volkshochschule einnehmen, die mit ihrer Landkreisverwaltung und Kursräumen zum Jahresende vom Neutraublinger Kaufpark in den Klosterbau ziehen will. Einen Vorvertrag haben Landrätin Tanja Schweiger und Volker Kronseder kürzlich unterzeichnet.

Alleine im Erdgeschoss wird die Volkshochschule knapp 900 Quadratmeter belegen – aus statischen Gründen werden Gymnastikräume ins Parterre verlegt. Für die Kursteilnehmer und andere Gäste soll ein Bistro mit Freisitz auf der Südseite Möglichkeiten zur Entspannung bieten. Im Keller soll die Volkshochschule auf fast 200 Quadratmetern handwerkliche Räume beziehen. Und im ersten Obergeschoss wird die Bildungseinrichtung des Landkreises auf weiteren mehr als 700 Quadratmetern Schulungsräume und Räume für die Verwaltung einrichten, erklärt Kronseder im Gespräch mit unserem Medienhaus. Die VMAX Familienstiftung selbst wird im Obergeschoss ebenfalls Räume beziehen.

Auch die Stadt Neutraubling wird Mieter in dem Gebäude. Auf knapp 500 Quadratmetern sind im Untergeschoss klimatisierte Räume für das Archiv der Stadt vorgesehen. Dazu zählt auch ein Leseraum für Nutzer des Archivs. Auf knapp 200 Quadratmetern soll sich daneben das Lager für das städtische Museum erstrecken. Dieses gibt es derzeit nicht, weil die bisherigen Räume für die städtische Kinderbetreuung verwendet wurden. Später soll das Museum im Schlangenbau eröffnet werden – ebenfalls ein für Neutraubling historisches Gebäude. Für das Museum selbst wäre der Platz im Klosterbau zu knapp, erklärt Kronseder.

Ein Parkhaus geht noch

Im Dachgeschoss sind unter anderem Büros vorgesehen. Mehr als 1100 Quadratmeter Büroflächen sieht die Planung von Architekt Hans Hafner vor. Parkmöglichkeiten werden vor dem Haus und im Parkhaus der Familienstiftung geschaffen.

„Ich bin kein Bauträger. Ich will auch keiner werden.“

Volker Kronseder

„Eine gute Nutzung für ein Gebäude aus den 30er-Jahren“, sagt Kronseder zufrieden. Ihren nicht unter Denkmalschutz stehenden Klosterbau-Trakt hätte die Stiftung sogar abreißen können. Kronseder will aber Geschichte bewahren – auch um der Mahnung zum Frieden wegen. „Man soll nicht verschweigen, was Neutraubling früher war“, findet er. So hat er schon in seiner Zeit als Vorstandschef die ehemalige Werfthalle für den Messerschmitt-Giganten – ein Transportflugzeug – in das Werksgelände einbezogen und bewahrt.

Kronseder versteht sich als Techniker. Weil ihn interessiert, was die Krones-Mitarbeiter entwickeln, verbringt der Aufsichtsratschef jeden Vormittag im Unternehmen. Als Bauherrn wird man ihn im Krones-Umfeld aber ebenfalls erleben können. Er denke über ein weiteres Parkhaus nach, sagt er. Sein erstes Projekt habe sich bewährt.

Die Keimzelle von Neutraubling

  • Klosterbau:

    Der wegen seiner strengen Formen so genannte Klosterbau, ein an vier Seiten geschlossener Gebäudekomplex, bildete in der NS-Zeit die Kommandantur des Fliegerhorsts Obertraubling. 1944 und 1945 wurden die Gebäude durch Angriffe von US-Bombern auf die kriegswichtigen Produktions- und Teststätten der Regensburger Messerschmitt-Werke zum Teil schwer beschädigt.

  • Neuanfang:

    Flüchtlinge und Vertriebene kamen nach dem Ende des 2. Weltkriegs in den Ruinen von Schlangenbau, Klosterbau und O-Bauten unter. Auf den Ruinen der Kommandantur entstand ab 1953 die Pfarrkirche St. Michael. Der südliche Teil des Klosterbaus beherbergte in den frühen Sechzigern Sparkasse, Gemeindekanzlei, Post und die „Spezialbonbonfabrik Kunz & Co“. (jn)

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