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Montag, 16. Juli 2018 27° 8

Unternehmen

Der Querdenker der E-Technik

Dr. Nicolas Maier-Scheubeck schätzt Individualisten. Die sollen die Maschinenfabrik Reinhausen in die Zukunft führen.
Von Katrin Wolf

Blick in die Fertigungshalle in Regensburg: Die Maschinenfabrik Reinhausen ist Weltmarktführer bei der Produktion von Laststufenschaltern. Foto: Wolf
Blick in die Fertigungshalle in Regensburg: Die Maschinenfabrik Reinhausen ist Weltmarktführer bei der Produktion von Laststufenschaltern. Foto: Wolf

Regensburg.Dr. Nicolas Maier-Scheubeck ist ein aufgeräumter Geist. Auf seinem langen, hölzernen Schreibtisch liegen nur zwei Bücher: Der aktuelle Regensburger Almanach und „166 Tage im All“, das Buch des Astronauten Alexander Gerst, der über seine Zeit in der Raumstation ISS berichtet. „Wer in so großer Höhe gearbeitet hat, verändert zwangsläufig seine Perspektive“, sagt Maier-Scheubeck. Um eine neue Perspektive einnehmen zu können, muss man den Standpunkt wechseln –essenziell in einer globalisierten Welt, und gerade für jemanden, der ein international vernetztes Unternehmen führt.

Dr. Nicolas Maier-Scheubeck setzt auf Kreativität, Innovationen – und Kampfgeist. Foto: Wolf
Dr. Nicolas Maier-Scheubeck setzt auf Kreativität, Innovationen – und Kampfgeist. Foto: Wolf

Das großzügige Büro des Geschäftsführers der Maschinenfabrik Reinhausen zieren Bilder des Regensburger Malers Günther Kempf. Sie zeigen Comicfiguren aus der Reihe Tim und Struppi und aus dem Walt-Disney-Universum. 1868 wurde der Grundstein des Unternehmens mit einer Manufaktur für Vollgattersägen in Reinhausen gelegt, seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist es in der Hand der Familie Scheubeck. Die Grundlage für das heute noch wichtigste Produkt der Firma war ein Patent, das Dr. Bernhard Jansen, damals Vorstandsmitglied der Oberpfalzwerke, 1926 anmeldete: Er hatte den Widerstands-Schnellschalter erfunden.

Das Unternehmen wächst weiter

Heute ist die Maschinenfabrik Reinhausen Weltmarktführer bei der Produktion von Laststufenschaltern für Leistungstransformatoren. Ein Produkt, unter dem sich wohl die wenigsten auf Anhieb etwas vorstellen können, das aber doch allgegenwärtig ist: 50 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs fließen nach Firmenangaben über die Produkte der Maschinenfabrik. Das Funktionsprinzip ist einfach zu erklären: Die Stufenschalter leisten einen wichtigen Beitrag zur Spannungsregelung und sorgen dafür, dass am Ende die gewünschte Netzspannung steht.

Seit der Gründung einer Vertriebsgesellschaft in Brasilien 1980 hat die Firma global expandiert und bedient mittlerweile sieben Geschäftsfelder. „Wir sind der König der Nischen der elektrischen Energietechnik“, sagt Maier-Scheubeck. Der Konzernumsatz beträgt 750 Millionen Euro, 3400 Mitarbeiter hat das Unternehmen weltweit. Mehr als 2000 davon arbeiten in Regensburg. Und die Firma wächst weiter: Über 100 Millionen Euro investiert die Maschinenfabrik in die Erweiterung des Werks in Haslbach. Dort sollen in wenigen Jahren die Industrie-Aktivitäten gebündelt werden. Das Werk Reinhausen wird zum Forschungscampus. Dazu werden die Software- und Beratungsleistungen ausgebaut. Die Digitalisierung bestimmt auch für die Maschinenfabrik die Zukunft.

„Wir sind der König der Nischen der elektrischen Energietechnik.“

Dr. Nicolas Maier-Scheubeck

Die Nischen, die die Maschinenfabrik Reinhausen bedient, haben einen hohen ingenieurtechnischen Anspruch. Ist in Zeiten, in denen viele Firmen in der Oberpfalz den Fachkräftemangel als eine der größten Bedrohungen für ihre Produktion sehen, genügend qualifiziertes Personal vorhanden? Um Ingenieure für elektrische Hochspannungstechnik werben viele Unternehmen. „Das ist ein schmales, sehr anspruchsvolles Studienfach“, sagt Maier-Scheubeck.

Das Angebot an der OTH sei für diese Fachrichtung nicht ausreichend. Der Fabrikchef versucht, der Situation entgegenzuwirken und engagiert sich als Stifter. Aber es genügt nicht, hoch qualifizierte Fachkräfte auszubilden – sie sollen auch in der Region bleiben. Die Maschinenfabrik will daher auch als Arbeitgeber attraktiv sein – scheinbar mit Erfolg: Bereits zweimal wurde sie als einer der 100 besten Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. „Wir wollen ein Familienunternehmen sein und mittelständisch bleiben“, sagt Maier-Scheubeck.

Kritik an der Energiewende

Maier-Scheubeck ist ein aufgeräumter Geist – aber auch einer, der gern verneint. Wegen seiner Weigerung, Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Fabrik in Reinhausen montieren zu lassen, musste er sich viel Kritik aus der Belegschaft anhören. „Die Energiewende von Frau Merkel ist eine Katastrophe“, sagt der 56-Jährige. Sie spare keine einzige Tonne CO2 ein, vernichte Volksvermögen und reduziere die Versorgungssicherheit. Dazu befänden sich die Netze bereits in einer Grenzlage. Seiner Einschätzung nach bringt es überhaupt nichts, die Einspeisung weiterer Energie in die Netze zu subventionieren – vielmehr solle es Anreize zur Eigenversorgung geben. Von der Politik wünscht er sich – auch beim Thema Elektromobilität – dass keine Lösungen vorgegeben werden, sondern Ziele.

2000 Menschen arbeiten am Standort Reinhausen. Foto: Maschinenfabrik
2000 Menschen arbeiten am Standort Reinhausen. Foto: Maschinenfabrik

Denn Maier-Scheubeck will keinen Trends nachlaufen, sondern eigene Handlungsschwerpunkte setzen. „Unabhängigkeit ist alles“, zitiert er Oscar Wilde. Und diese Unabhängigkeit gesteht er auch anderen zu: „Mit Mavericks zu arbeiten ist komplizierter, macht aber den Reiz aus. Ich suche Querdenker statt Konformisten.“ Von seinen Mitarbeitern verlangt Maier-Scheubeck das gleiche wie auch von sich selbst – öfter mal die Perspektive zu wechseln.

In der Reihe „Unsere Champions“ porträtieren wir erfolgreiche Unternehmen aus der Region. Hier lesen Sie die weiteren Teile der Reihe!

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