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Unsere Champions
Donnerstag, 20. September 2018 25° 1

Serie

Die Showmaster fürs Gebäude

Die Firma Fischer aus Mühlhausen bringt Fassaden zum Leuchten. Auch die Buchstaben der Allianz Arena sind aus der Oberpfalz.
Von Martin Kellermeier

Stephan K. Fischer (Mitte) und sein Team sind Experten für Lichtwerbeanlagen. Foto: Martin Kellermeier
Stephan K. Fischer (Mitte) und sein Team sind Experten für Lichtwerbeanlagen. Foto: Martin Kellermeier

Mühlhausen.Der erste Eindruck zählt. Stephan Kurt Fischer, Geschäftsführer der Firma „Fischer Licht & Metall“ in Mühlhausen im Landkreis Neumarkt, lebt davon. Selbst macht er auf den ersten Blick einen smarten Eindruck: Der Chef von 250 Mitarbeitern, der mit seinem Team zum Beispiel die Buchstaben an der Fassade der Münchner Allianz Arena gefertigt hat, trägt das eng geschnittene weiße Hemd locker zurückgekrempelt, ohne Krawatte. Durch die Produktionshallen düst der 54-Jährige mit einem klappbaren Elektroroller, Spitzengeschwindigkeit 30 km/h. Mit demselben Gefährt ist er auch in den Einkaufsstraßen der Städte unterwegs.

Stephan K. Fischer leitet die Geschäfte der Mühlhausener Firma. Seine Frau Silvia, eine gebürtige Österreicherin, kümmert sich ums Marketing. Foto: Martin Kellermeier
Stephan K. Fischer leitet die Geschäfte der Mühlhausener Firma. Seine Frau Silvia, eine gebürtige Österreicherin, kümmert sich ums Marketing. Foto: Martin Kellermeier

Fischer ist studierter Betriebswirtschaftler, kein Architekt. Gebäudefassaden haben es ihm trotzdem angetan. Im weitesten Sinn sind sie seine Kundschaft. Fischers Firma bringt sie zum Leuchten, mit Lichtwerbeanlagen. Das können kleinere Schilder sein und Buchstaben, die auch einmal vier Meter groß werden. Unter den namhaften Marken, die es in Deutschland gibt, ist kaum eine, die die Firma aus Mühlhausen noch nicht mit der richtigen Lichtwerbung in Szene gesetzt hat: BMW, Audi, Mercedes, Telekom – und nicht zuletzt McDonalds.

Die „Gemischtwarenbude“

Seine Firma ist für Stephan K. Fischer „eine Gemischtwarenbude“. Auf der 40 000 Quadratmeter großen Betriebsfläche in Mühlhausen vereinen sich mehrere Sparten: von Grafik und Konstruktion über Blech- und Kunststoffverarbeitung bis hin zur Licht- und Elektrotechnik. Es entstehen Blechteile für die Autoindustrie und den Medizinsektor – und jährlich rund 10 000 Werbeanlagen. „Wir stellen das emotionalste Produkt am Bau her“, sagt Stephan K. Fischer.

Die beleuchteten Buchstaben der Firma Fischer gibt es in allen Größen. Bis zu fünf Meter hoch sind die an der Allianz Arena. Foto: Fischer Licht & Metall
Die beleuchteten Buchstaben der Firma Fischer gibt es in allen Größen. Bis zu fünf Meter hoch sind die an der Allianz Arena. Foto: Fischer Licht & Metall

Die beleuchteten Schilder und Buchstaben haben das Unternehmen bekannt gemacht. Eines der prestigeträchtigsten Projekte waren die beiden Schriftzüge für die Münchner Allianz Arena. Mit je 155 400 verbauten Lichtdioden pro Schriftzug ist diese Lichtwerbeanlage – zumindest nach der Anzahl der verbauten LEDs – die größte in Europa. Die Buchstaben sind aus Kunststoff und haben einen Aluminiumrahmen. Die Letter sind bis zu fünf Meter hoch und bringen bis zu 420 Kilogramm auf die Waage.

Die Geschichte der Firma „Fischer Licht & Metall“ beginnt im Jahr 1928, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise. Karl Fischer, der Urgroßvater von Stephan K. Fischer, hatte sich mit seinem Sohn Kurt als Feinblechnermeister im Nürnberger Stadtteil Maxfeld selbstständig gemacht. Die Idee des damals 48-Jährigen: Er wollte Blechbuchstaben für die Werbung produzieren. Der Erfolg gab ihm Recht. Das Unternehmen wuchs – bis zum Zweiten Weltkrieg. Ab dem 15. März 1942 wurde nämlich nicht nur das Betreiben, sondern auch das Herstellen von Lichtwerbeanlagen verboten, aus Energiespargründen. Fischer musste Rüstungsaufträge annehmen und baute einen Zweigbetrieb in Mühlhausen auf. Seit September 1943 fertigt die Firma ausschließlich an diesem Standort und gab den Betrieb in Nürnberg auf.

„Wir stellen das emotionalste Produkt am Bau her“

Stephan K. Fischer, Geschäftsführer der Firma „Fischer Licht & Metall“

Nach dem Weltkrieg ging es für Fischer steil bergauf. Wie der VW-Käfer zeugte auch die Leuchtreklame in den 50er-Jahren vom neuen Lebensgefühl in der Zeit von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Die bunten Leuchtröhren lockten mit ihrer Strahlkraft die Menschen in die neuen Kaufhäuser, Läden und Kinos – und sorgten für volle Auftragsbücher bei Fischer in Mühlhausen.

Bei der Fertigung der Lichtwerbeanlagen ist Präzision gefragt. Foto: Martin Kellermeier
Bei der Fertigung der Lichtwerbeanlagen ist Präzision gefragt. Foto: Martin Kellermeier

Die Fastfood-Kette McDonald’s gesellte sich mit seinem „goldenen M“ ab 1971 zu den namhaften Kunden der Firma Fischer. In den 90er-Jahren produzierte Fischer pro Jahr die Leuchtreklame für rund 100 neue Restaurants des Burgerriesen. Bis 2003 hat die Firma aus Mühlhausen für alle Filialen von McDonald’s in Deutschland, Österreich und Russland die Lichtwerbeanlagen hergestellt.

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Nach dem Wegfall des Großauftrags stand das Unternehmen kurz vor der Insolvenz. Dieter Fischer, Enkelsohn des Firmengründers, musste zusammen mit seinem Sohn Stephan K. Fischer radikal den Rotstift ansetzen. Von den 240 Mitarbeitern musste die Hälfte gehen. Stephan K. Fischer, der früher für den Export bei Audi verantwortlich war, entschied gemeinsam mit seinem Vater, auch ein Werk im tschechischen Hradec Kralove zu bauen. Dort arbeiten heute 50 Mitarbeiter.

20 Millionen Euro Umsatz

Es sollte die richtige Entscheidung gewesen sein. Heute steht die Firma Fischer gut da und gibt einen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro an. Zwei Drittel davon stammen aus dem Unternehmensbereich „Werbeanlagen“.

„Wir leben in unserem eigenen Industriegebiet“

Stephan K. Fischer, Geschäftsführer der Firma „Fischer Licht & Metall“

Stephan K. Fischer und seine Familie sind trotzdem nicht abgehoben. Die Fischers wohnen direkt am Betriebsgelände in einem umgebauten Lagerhaus. Wenn der Geschäftsführer aus seinem Bürofenster blickt, sieht er direkt auf den Esstisch in der Wohnung. „Wir leben in unserem eigenen Industriegebiet“, sagt Stephan K. Fischer. Er glaubt, dass viele der Mitarbeiter die Krise um die Jahrtausendwende auch deshalb so gut mitgetragen haben, weil die Chefs das Unternehmen nicht aus der Ferne gesteuert haben.

Aus der Reihe tanzt ein Auftrag der Firma. 1973 haben die Fischers den Drachen für das Festspiel in Furth im Wald gebaut. Der ist für Stephan K. Fischer auch eine Werbeanlage. Der brüllende Drache muss bei den Zuschauern von Anfang an Eindruck machen. Eine Lichtwerbeanlage muss das genauso tun.

Groß, größer – oder sogar Weltmarktführer: In Niederbayern und der Oberpfalz gibt es viele Unternehmen, die in ihrem Bereich national und/oder international Champions sind. Hier finden Sie alle Teile der Serie „Unsere Champions“.

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