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Medizin

Wenn die Rettung zur Bedrohung wird

Stammzelltransplantation kann gefährliche Immunreaktion auslösen. In Regensburg diskutierten Experten über neue Therapien.
Von Louisa Knobloch, MZ

Prof. Dr. Ernst Holler leitet das Stammzelltransplantations-Programm an Universitätsklinikum Regensburg.
Prof. Dr. Ernst Holler leitet das Stammzelltransplantations-Programm an Universitätsklinikum Regensburg. Foto: Knobloch

Regensburg.Bei Blutkrebs-Patienten kann es nach einer Stammzelltransplantation zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Dabei richten sich die in den Stammzellen enthaltenen T-Lymphozyten des Spenders gegen den Körper des Empfängers – Ärzte sprechen von einer „Graft-versus-Host-Disease“ (GvHD), also einer Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung. 30 bis 40 Prozent der Patienten entwickeln eine akute GvHD, bei 50 bis 70 Prozent kommt es zu einer chronischen Transplantat-Reaktion, sagt Prof. Dr. Ernst Holler, der am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) das Stammzelltransplantations-Programm leitet. „Anfangs hat man versucht, die T-Zellen aus dem Transplantat zu entfernen, um diese Reaktion zu verhindern“, so Holler. Dann sei es bei den Patienten aber zu einem Rückfall der Leukämie gekommen. Die T-Lymphozyten bekämpfen nämlich auch die Krebszellen – diesen Effekt bezeichnet man als „Graft-versus-Leukemia“ (GvL). „Es ist ein zweischneidiges Schwert.“

Aktuelle Forschungsergebnisse zu diesen Immunreaktionen standen von 16. bis 18. März im Zentrum einer internationalen Tagung in Regensburg, an der rund 150 Experten aus Europa, den USA und Australien teilnahmen. „Eine solche verhältnismäßig kleine Tagung ermöglicht einen intensiven Austausch“, sagt Holler. Ein Thema waren neue Entwicklungen in der Therapie. Über Biomarker im Blut soll es möglich sein, bereits zu einem frühen Zeitpunkt zu erkennen, ob es sich um eine schwere oder leichte Form der GvHD handelt. „Dann könnte man die Therapie entsprechend anpassen“, sagt Holler.

Viel Hoffnung setzen die Forscher auf die Zelltherapie: Indem die T-Zellen des Spenders im Labor verändert werden, sollen sie gezielter die Leukämiezellen angreifen. Mit speziellen regulatorischen T-Zellen soll zudem die überschießende Immunreaktion gebremst werden. Dazu laufen bereits klinische Studien, auch am Universitätsklinikum Regensburg.

Zu den Organen, die häufig von den T-Zellen angegriffen werden, gehört der Darm. Neue Studien zeigten, dass sich die Entzündung noch verschlimmern könne, wenn durch die Behandlung des Patienten mit Antibiotika und durch die GvHD-Schäden am Darm selbst die Vielfalt der Darmbakterien eingeschränkt sei. Helfen könnten ein differenzierterer Einsatz von Antibiotika und Stuhltransplantationen, mit denen sich das Darm-Mikrobiom wieder herstellen ließe, so Holler. Mit der Bedeutung der Darmflora und den durch sie aktivierten Zellen für die GvHD hat sich Dr. Motoko Koyama befasst. Die Forscherin aus Australien wurde bei der Tagung in Regensburg mit dem Hans-Jochem Kolb Preis ausgezeichnet.

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