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Kolumne

Aktiv werden – und wählen gehen

Die geringe Wahlbeteiligung bei der Hochschulwahl ist deprimierend, findet unser Autor. Die Studenten sollten aktiv werden.

Bei der Hochschulwahl sind die Studierenden aufgerufen, Vertreter für verschiedene Gremien zu wählen.
Bei der Hochschulwahl sind die Studierenden aufgerufen, Vertreter für verschiedene Gremien zu wählen. Foto: MZ-Archiv

Liebes Tagebuch,

zweitausendzweihundertdreiundsechzig. Das entspricht 11,41 Prozent aller Studierenden der Universität Regensburg. So wenige konnten sich letzte Woche aufraffen, bei den Hochschulwahlen ihre Stimme abzugeben. Die Wahlbeteiligung bei Hochschulwahlen war noch nie besonders hoch und kratzte in den letzten zehn Jahren nur zweimal knapp an der 20-Prozent-Marke. Sie ist jedes Jahr wieder deprimierend für die studentischen Vertreter und Vertreterinnen. Wie sollen sie ihre Aufgaben wahrnehmen, wenn sie sich immer wieder die Frage nach ihrer Legitimation gefallen lassen müssen? Und wieso interessieren sich die Wahlberechtigten nicht für ihre eigene Vertretung?

In der Studierendenzeitung „Lautschrift“, wurde das schlechte Wahlergebnis damit begründet, dass nicht klar ist, welche Auswirkungen das Kreuz auf dem Wahlzettel auf die Realität hat. Dabei ist der Zusammenhang hier an der Universität noch sehr deutlich. Alle Studierenden kommen im Laufe ihrer Studienzeit mit Prüfungs- und Modulordnungen in Kontakt oder essen in der Mensa. Ein Teil bezieht BaföG, besucht Sprachkurse oder war schon einmal auf Wohnungssuche. An all diesen Teilbereichen arbeitet die Vertretung der Studierenden mit. Dank der nicht-verfassten Studierendenschaft in Bayern kann vieles nur durch kritische Pressearbeit begleitet werden, aber auch diese kann konkrete Erfolge nach sich ziehen. Zur Pressemitteilung gegen den Auslagenersatz in Sprachkursen gab es beispielsweise Solidarisierungen von Landtagsabgeordneten. Derartige Informationen sind allen frei zugänglich.

Man erhält sie über den Facebook-Auftritt und die Homepage des Studentischen Sprecherinnen- und Sprecherrates oder erfährt mehr bei den einzelnen Hochschulgruppen und Fachschaften. Die Sitzungen des Studentischen Konvents und des Sprecherinnen- und Sprecherrates sind öffentlich. Bereits vier Wochen vor der Hochschulwahl gibt es tagtäglich Informationsstände an verschiedenen Orten der Universität, an denen die Aktiven der Hochschulpolitik das Gespräch suchen. Doch niemand kann gezwungen werden, stehen zu bleiben und ein Gespräch zu führen. Und da die hochschulpolitischen Stände eher mit Inhalten, als mit kostenlosen Chips, Gummibärchen oder freiem Eintritt in irgendwelche Clubs werben, ist die Resonanz immer gering.

Mit der Aussage, man habe es einfach nicht mitbekommen, lügt man sich höchstens selbst in die Tasche. Zu Beginn des Sommersemesters erhalten alle die Wahlbenachrichtigung mit ihrem Studierendenausweis. Es gibt eine Infomail auf die Universitätsadresse und außerdem ist das gesamte Universitätsgebäude vollkommen zugeklebt mit den bunten Wahlplakaten der einzelnen Gruppierungen, deren Mitglieder wochenlang damit beschäftigt sind, Flyer zu verteilen und hundertfach das Wahlsystem zu erklären. Das kann nur an Menschen vorübergehen, die dem Umfeld, in dem sie sich bewegen, mit vollkommener Missachtung begegnen.

Soll also die Hochschulpolitik von Inhalten abrücken und sich auf platte Werbemaßnahmen und kostenlose Give-aways einlassen? Sollen die Studierenden, die sich neben ihrem Vollzeitstudium und der Lohnarbeit zu dessen Finanzierung noch freiwillig und ehrenamtlich in ihrer Freizeit für ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen in verschiedensten Gremien einsetzen, auch noch alle selbst bei der Hand nehmen und ins Wahlbüro begleiten? Oder kann von Studierenden erwartet werden, dass sie sich selbst aktiv in ihr gesellschaftliches-soziales Umfeld einbringen und es mitgestalten? Aktiv werden kann in diesem Fall schon bedeuten, eine beliebige Internetsuchmaschine anzuwerfen, sich innerhalb von fünfzehn Minuten Informationen zu besorgen und dann einmal im Jahr an den Hochschulwahlen ein Kreuz zu setzen. Es kann auch viel mehr bedeuten, wenn man möchte. Den Wahlzettel ungültig zu machen, mag ein politisches Zeichen sein. Gar nicht erst wählen zu gehen, ist maximal ein Zeichen für die eigene Bequemlichkeit.

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