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Hintergrund

Betrug durch Selbstverstümmelung

Kastrationen, abgetrennte Finger und fingierte Autounfälle – die Liste echter und vermuteter Selbstverstümmelungen ist lang.

Mit einer Kettensäge trennte ein Mann in Würzburg seinem Bekannten Daumen und Zeigefinger der linken Hand ab. Das Duo gab die Tat als Arbeitsunfall aus. Foto: dpa

Berlin. Werden Menschen bei Unfällen schwer verletzt, gibt es dafür bisweilen Geld von einer Versicherung. Wird aber eine Selbstverstümmelung vermutet, kommt der Fall vor Gericht. In einigen Fällen landete das angebliche Opfer als Betrüger hinter Gittern.

Februar 2013: Wegen Versicherungsbetrugs verurteilt das Amtsgericht Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) zwei Polizisten zu einer Haftstrafe auf Bewährung beziehungsweise einer Geldstrafe. Die Männer hatten sich im Juni 2011 selbst verletzt und als Opfer eines Eisenstangen-Angriffs von Drogendealern ausgegeben.

Mai 2006: In einem Betrugsprozess gegen einen Chirurgen spricht das Amtsgericht Zehdenick (Brandenburg) den Mann frei. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Arzt vorgeworfen, sich selbst 2001 mit einer Motorsäge vier Finger abgetrennt zu haben, um von Versicherungen rund 2,1 Millionen Euro zu kassieren.

März 2005: Mit Freiheitsstrafen endet ein Versicherungsbetrug in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen). Ein 55 Jahre alter Mann, der sich freiwillig zum Krüppel fahren ließ, kommt mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. Seine 39 Jahre alte Komplizin muss für acht Jahre hinter Gitter. Die Versicherung hatte nach dem vorgetäuschten Unfall zunächst rund 750.000 Euro gezahlt.

September 2003: Im Prozess um zwei abgesägte Finger werden die beiden Angeklagten vom Landgericht Würzburg (Bayern) zu jeweils eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein 28-Jähriger hatte seinem 58 Jahre alten Bekannten auf dessen Wunsch mit einer Kettensäge Daumen und Zeigefinger der linken Hand abgetrennt. Das Duo gab den Vorfall als Arbeitsunfall aus und kassierte von zwei Versicherungen insgesamt etwa 42.000 Euro. Die Strafe des „Opfers“ setzt das Gericht zur Bewährung aus. Sein vorbestrafter Helfer kommt hinter Gitter.

August 2000: Im Prozess um eine Kastration spricht das Amtsgericht Düsseldorf einen 28-Jährigen vom Vorwurf des Versicherungsbetrugs frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den Handelsvertreter beschuldigt, sich 1996 mit einem Küchenmesser die Hoden abgetrennt zu haben, um dadurch eine Versicherungssumme von über 30.000 Mark zu kassieren. Der Mann hatte behauptet, von zwei unbekannten Tätern in seiner Wohnung überfallen und kastriert worden zu sein. (dpa)

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