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Leben

Das Grafen-Gut mit Biogas-Anlage

Carl Graf zu Eltz sattelte vom Landwirt zum Energiewirt um – und sichert damit neben dem eigenen Unterhalt den seines riesigen Schlosses in Wolfring.
Von Tanja Rexhepaj, MZ

Wolfring. Auf dem unteren Klingelschild steht „Gutsverwaltung“; wir läuten jedoch oben – bei „Hubi, Maxi und Ferdi“. Geöffnet wird uns dann aber vom Schlossherrn persönlich: Carl Graf von und zu Eltz. „Meine drei Söhne haben oben ihr eigenes Reich, da können sie Rambazamba machen“, sagt er. Gleich hinter der ersten Tür links nach dem Eingangsflur offenbart sich das zweite Reich auf Schloss Wolfring: „Staatsgebiet Birgit“ steht an der Tür zur Küche. Hier führt die Schlossherrin das Regiment. Und das Reich des Grafen? Außerhalb der 600 Quadratmeter im Schloss erstreckt es sich über 275 Hektar Forst, 250 Hektar Ackerland, 40 Hektar Fischteiche, einen kleinen Steinbruch, ein Gatter, in dem 60 Stück Rotwild äsen, und die Biogas-Anlage, die täglich 12000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Schloss Wolfring im Landkreis Schwandorf ist eines der wenigen Güter, das noch ausschließlich von seinen Ländereien unterhalten wird.

Vom Landwirt zum Energiewirt

„Ich bin im Jahr 2002 umgestiegen vom Landwirt zum Energiewirt“, sagt Carl Graf zu Eltz. „Ohne diesen Schritt hätten wir nicht überleben können.“ Fünf Prozent des durch die Biogasanlage erzeugten Stroms benötigt Familie Eltz für den Eigenverbrauch. Die Abwärme der Anlage nutzt der Graf zum Beheizen des Schlosses, einschließlich sämtlicher Nebengebäude und der Autolackiererei seines Bruders Max. „Im Winter können wir hier problemlos auf 25 oder 27 Grad einheizen“, sagt Carl Graf zu Eltz. Kein Vergleich mehr zu Zeiten, als er noch Kind war: „Da war das Eis hier herinnen“, erinnert sich der 44-Jährige. Undenkbar heute, gerade auch für seine Frau, die ein warmes Schloss geradezu einfordert. „Sie friert nämlich immer“, sagt der Graf.

Die beiden sind nun seit 20 Jahren verheiratet. Ihr ältester Sohn Hubertus hat gerade Abitur gemacht und absolviert derzeit ein Praktikum in einer Unternehmensberatung. Ihr Jüngster, Ferdinand, ist erst zwölf Jahre alt – und doch denkt der Vater, dass vielleicht gerade er am geeignetsten wäre, die Geschäfte auf Schloss Wolfring später einmal zu übernehmen. „Er hängt am engsten am Betrieb.“ Als Carl Graf zu Eltz zwölf Jahre alt war, wurde das für ihn bittere Wirklichkeit. Sein Vater Hubertus starb im Alter von nur 48 Jahren, und so ging der gesamte Besitz an ihn, den ältesten von sechs Geschwistern, über. Bis er volljährig war, bekam er einen Vormund. Nach dem Gymnasium in der Benediktinerabtei Metten und der Landwirtschaftsmeisterprüfung führte er den Betrieb selbstständig weiter.

Seither lassen ihm die vielen Aufgaben auf seinem Gut nicht viel Freizeit. „Hier wird man nie fertig“, sagt Carl Graf zu Eltz auch im Hinblick auf die ständig anstehenden Renovierungsarbeiten. In den Urlaub fährt die Familie selten. „Ich bin kein großer Fan von Urlaubsfahrten“, sagt Carl zu Eltz. „Wo ich es doch hier so schön habe.“ Und schließlich kann er sich in Wolfring auch sehr gut die Zeit vertreiben, vorzugsweise bei der Jagd im eigenen Wald.

„Die Jagd verbindet Generationen“

Er, seine Frau und die beiden älteren Söhne haben alle einen Jagdschein. „Die Jagd verbindet die Generationen“, sagt Carl zu Eltz und erzählt, dass Hubertus und Maximilian, wenn sie aus dem Internat nach Hause kommen, am liebsten sofort zur Jagdwaffe greifen.

Verwandte fast in ganz Europa

Für die gräfliche Familiengeschichte interessieren sich die Söhne hingegen noch nicht allzu sehr. Und auch der Vater kommt nur selten zu Nachforschungen. „Wenn man in Rente ist, dann kann man das eher machen“, sagt der Graf, der bis dahin vor allem mit seinem Betrieb, in dem er rund 14 Mitarbeiter beschäftigt, zu tun haben wird. Doch im Großen und Ganzen weiß er natürlich Bescheid über seine Vorfahren. Die Familie zu Eltz kam durch die Heirat von Carls Großvater Max mit Elisabeth von Coulon, die bereits auf Schloss Wolfring geboren wurde, in die Oberpfalz. Das Stammschloss der Familie ist die Tillysburg bei Linz in Österreich. Gräfliche Verwandtschaft findet sich fast überall in Europa: in Holland, Belgien oder Spanien etwa. Doch selbst dorthin zieht es Carl Graf zu Eltz nicht allzu sehr. „Die kommen dann eher zu uns hierher“, sagt er. Weil es in Wolfring eben am schönsten ist.

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