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Fiktion

Die ewige Liebe überlebt nur auf der Leinwand

Filme haben Kaiserin Elisabeth zum Mythos werden lassen. Mit der Wirklichkeit haben sie fast nie etwas zu tun.

Die Schauspieler Cristiana Capotondi als Sisi und David Rott als junger Kaiser Franz Joseph Foto: Votava

011920: Ein Stummfilm über Kaiserin Sisi

Ein Stummfilm aus der Weimarer Republik soll der erste Sisi-Film gewesen sein: „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ galt lange Zeit als verschollen und wurde erst bei Recherchen für eine Fernsehdokumentation wiederentdeckt. Eine Kopie des Films von Regisseur Rolf Raffé tauchte in den 90er-Jahren im niederländischen Filmarchiv auf. Die Rolle der Sisi übernahm damals Carla Nelson. Zeitzeugen sagen, sie sei der wahren Elisabeth sehr nahe gekommen. Sisis Lieblingsnichte, Gräfin Marie Louise von Larisch-Wallersee, spielte sich im Stummfilm selbst. Anders als in den meisten Verfilmungen reicht die Handlung bis zu Elisabeths Tod.

021931: Liebe und Streit als klassische Themen

Die deutsche Schauspielerin Lil Dagover schlüpfte zweimal in die Rolle der österreichischen Kaiserin. Das erste Mal als junge Frau im Jahr 1931. Im Film trägt sie die dunklen Haare mit Schmuckspangen zurückgesteckt, wie die Kaiserin auf ihrem berühmten Porträt. Der Film handelt von der Liebesgeschichte zwischen Sisi und Franz Joseph. Und es geht um die Spannungen zur Schwiegermutter, die sich in die Erziehung des Thronfolgers Rudolf einmischt. Die Liebe und der Konflikt zwischen Sisi und Erzherzogin Sophie – diese Themen dominierten auch spätere Verfilmungen.

031955: Zwischen Kitsch und Fernsehkult

Wie Tannenbaum und Christmette gehört für manchen die Sissi-Trilogie der 50er-Jahre zu Weihnachten. Regisseur Ernst Marischka verpasste der Sissi seines Heimatfilms ein zweites „s“ – und unterschied sie so vom historischen Vorbild. Für Romy Schneider, die als 17-Jährige das erste Mal die Sissi spielte, war die Rolle Segen und Fluch. Sie pappe wie Grießbrei an ihr, sagte sie einmal im Interview.

041998: Sissi in der knallbunten Kinderwelt

Eine wallende, blonde Mähne und strahlend blaue Augen: Mit der wahren Elisabeth hat die Sissi aus der Zeichentrickserie allein optisch wenig zu tun. Anlässlich des 100. Todestages strahlte die ARD 1998 die Kinderserie „Sissi, die Prinzessin“ aus. Sie zeigt Elisabeth als herzliche Pferdenärrin, die sich gegen die böse Schwiegermutter Sophie und ihre zickige Schwester Helene behaupten muss.

052007: Witze auf Kosten der Kaiserin

Michael Bully Herbig setzte dem Hype um Sisi eine Parodie entgegen: Im computeranimierten Film „Lissi und der wilde Kaiser“ schiebt Franzl seiner Lieben mit dem Golfschläger Schokokugeln in den Mund oder tollt mit ihr durch den Schlosspark. Alles scheint gut im österreichischen Kaiserreich – bis ein Yeti Lissi entführt. In Deutschland wollten rund 2,3 Millionen Menschen die Komödie im Kino sehen.

062009: Das Bild einer emanzipierten Frau

Nach der Trilogie mit Romy Schneider trauten sich nur wenige Filmemacher an das Leben der österreichischen Kaiserin. Regisseur Xaver Schwarzenberger drehte 2009 einen aufwendigen Fernsehfilm. Es war eine Koproduktion von ZDF, ORF und der italienischen RAI. Die Hauptrolle übernahm die in Deutschland eher unbekannte Cristiana Capotondi, die den Vergleich mit Romy Schneider nicht scheute. Der Zweiteiler zeigt eine emanzipierte, politisch engagierte Sisi. Eine Figur, die mit den Heimatfilmen aus den 50er-Jahren nichts zu tun hat. Zwar geht es wieder um die Auseinandersetzung zwischen Sisi und ihrer Schwiegermutter – dieses Mal stehen sich aber zwei starke Frauen gegenüber. Er wollte keinen Heile-Welt-Film machen, sagte der Regisseur damals in einem Interview. Er schreibt seine Sisi wieder nur mit einem „s“.

072012: Die Begegnung zweier Mythen

Am 26. Dezember läuft ein neuer Film in den deutschen Kinos an: Dieses Mal steht nicht Kaiserin Elisabeth im Mittelpunkt, sondern ihr Cousin – der bayerische König Ludwig II. Hannah Herzsprung wird in der Rolle der Sisi zu sehen sein. Auch sie muss sich den Vergleich mit Romy Schneider gefallen lassen. Auf den Bildern der Dreharbeiten zu „Ludwig II.“ sieht die 31-jährige Schauspielerin ihrer Vorgängerin verblüffend ähnlich. Hannah Herzsprung erzählte in einem Gespräch mit der Bild-Zeitung, sie selbst sei mit den Sissi-Filmen aufgewachsen. In der aktuellen Produktion werden sich mit Ludwig II. und Sisi zwei schillernde Persönlichkeiten begegnen, die zum Mythos geworden sind. (af)

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