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Kolumne

Ein Bildungsweg abseits der Norm

Unser Autor hat nach einer Ausbildung das Abitur nachgeholt und studiert Mittelschul-Lehramt. Einfach war dieser Weg nicht.

Unser Autor hat das Abitur am Abendgymnasium nachgeholt und studiert jetzt Lehramt für Mittelschulen.
Unser Autor hat das Abitur am Abendgymnasium nachgeholt und studiert jetzt Lehramt für Mittelschulen. Symbolbild: dpa

Liebes Tagebuch,

ich bin Student.

Es fällt schwer zu glauben, dass ich es geschafft habe. Schmucklos und grau, so schien der Beton, jener sich mir, an meinem ersten Tag, entgegenstellte, verwinkelt und untertunnelt. So stand ich hier, keuchend, außer Atem, vor diesen Toren, unwissend, was mich noch erwarten mag. Streng und kühl, nüchtern und kalt, der Blick, der den meinigen traf. Von oben herab.

Allerdings war der Schritt durch deren Tore nicht ohne Hürden. Da ich noch keine 30 Jahre alt bin, jedoch bereits eine Ausbildung absolviert hatte, musste geklärt werden, in wie weit ich für das Amt für Ausbildungsförderung förderungswürdig war. Daher musste ich eine Stellungnahme abgeben, warum es mir denn in den Sinn gekommen ist, das Abitur nachzuholen, wie meine Eltern dazu standen, dass ich auf diese fixe Idee gekommen bin. So kehrte sich die Lobhudelei für meine Leistungen am Abendgymnasium und in Anbetracht der doppelt und dreifach Belastung der letzten Jahre, nun da ich beabsichtigte tatsächlich zu studieren, in abschätzige Taxierung. Auch meine Eltern mussten Stellung zu mir beziehen. Ich und meine Eltern wurden vorgeführt unter dem Mantel eines „Vorausleistungsantrages“. Der Eindruck, dass ich mich wohl tatsächlich erdreistet habe und etwas beansprucht habe, im nämlichen das Abitur, das mir scheinbar nie zustehen sollte, wenn ich mir alle Hindernisse anschaue, die mir unverhältnismäßig vorkamen, entstand und verstärkte sich von Mal zu Mal. Ein nachträgliches Abstrafen dafür, dass man nicht mit der regulären Masse ebendiesen Abschluss erreicht hat.

Inzwischen bin ich im zweiten Fachsemester des Studiums des Lehramtes für Mittelschulen. Eine Entscheidung die mir nicht schwer fiel, obgleich ich mich ohne weiteres auch für viele andere Studiengänge hätte einschreiben können. Eine Überzeugungstat. Etwas, das nicht von vielen Personen nachvollzogen werden kann.

Egal wo ich hingehe, ich werde irgendwie, so ist es mein Eindruck, irgendwie immer verhalten behandelt, sobald den Menschen dort klar wird, dass mein Weg hier her, nicht der Norm entspricht. Die Wahl des Lehramtes für Mittelschulen macht es nicht einfacher. Von mitleidsvollen Blicken bis heuchlerischen Respektsbekundungen.

Mein Bruder, einst Förderschüler, studiert jetzt auch…

Wertes Tagebuch, Logbuch, mein Vertrauter,

so lange ich atme, hoffe ich.

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