mz_logo

Zusatz
Montag, 24. September 2018 15° 2

Interview

Eine politisch unruhige Region

Die angekündigte Hungersnot fiel in Burkina Faso offenbar nicht so schlimm aus wie befürchtet. Allerdings gibt es vor Ort andere Probleme

Hanns-Peter Kirchmann und Sr. Dr. Marie Groleau, die medizinische Leiterin des Gesundheitszentrums vor dem Hauptgebäude. Foto: Forster

Tausende von Menschen im Sahel hungern. Diese Meldungen kursierten heuer im Frühjahr. Wie stellt sich die Situation derzeit dar?

Die befürchtete Hungernot in Burkina von der in Europa die Rede war, ist nicht so schlimm ausgefallen. Inzwischen regnet es ausreichend und wenn der August sein Regenversprechen hält, wird es in diesem Jahr eine gute Ernte geben.

Der Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste ist vorbei, dann innenpolitische Schwierigkeiten in Burkina Faso vor einem Jahr, jetzt Aufstände im Nachbarland Mali – wie wirkt sich das auf Burkina Faso aus?

Politisch beunruhigt derzeit am Meisten die Situation in Mali. Burkina hat eine fast 1500 Kilometer lange Grenze zu Mali und wie vielleicht bekannt, ist bereits die Hälfte von Mali von Alkaida besetzt. 60000 Malier wohnen bereits entlang der Grenze in Burkina. Auch die ehemaligen Truppen der Tuaregs, die eigentlich nur eine Autonomie-Anerkennung haben wollen. Alkaida, oder wie es hier vor Ort heißt Aqmi hat einen Gottesstaat in Mali ausgerufen und bereitet sich darauf vor, Mopti, eine der größten Städte Burkinas anzugreifen. Wenn nichts unternommen wird, droht eine Situation wie in Afghanistan in Afrika. Niemand kann eigentlich daran Interesse haben, aber niemand, wenigstens im Westen, will hier den ersten Schritt tun und die Alkaida vertreiben. Die afrikanische Union ist unter sich uneins und sollten wirklich Amerikaner, Franzosen und sonstige westliche Kräfte das Geschäft erledigen, wird sofort mit dem Zeigefinger auf sie gezeigt: „kolonialistische Methoden“. Man kennt das Thema zur Genüge im Zusammenhang mit der Vertreibung des selbsternannten Präsidenten der Elfenbeinküste Gagbo. Der Norden von Burkina ist bereits zur roten Zone, also zur verbotenen Zone für Touristen, erklärt worden. Das gleiche gilt für den gesamten Niger, nach Mali hat ohnedies niemand Lust zu fahren. Dass das Ganze auch wirtschaftliche Auswirkungen auf Burkina Faso hat, muss wohl nicht erwähnt werden. (mf)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht