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Premiere

Federleicht: die neue „Zauberflöte“

Matthias Reichwald inszeniert die Oper in Regensburg als Märchenspiel – mit schönen Stimmen und Bildern, die der Musik fast die Schau stehlen.
Von Gerhard Dietel, MZ

Regensburg.Kaum ertönen die ersten feierlichen Bläserakkorde, da spitzt schon Prinz Tamino durch den Theatervorhang. Ein wenig schade ist es für das Philharmonische Orchester, das an diesem Abend unter der Stabführung von Generalmusikdirektor Tetsuro Ban gutgelaunt aufspielt, dass bei der „Zauberflöten“-Premiere die Szene der Musik gleich anfangs die Aufmerksamkeit des Publikums streitig macht.

Unmittelbar nach dem ersten Blick von Prinz Tamino in den Zuschauerraum wird bereits jener Rundprospekt mit Mozarts Konterfei sichtbar, den Bühnenbildner Toto die ganze Aufführung dominieren lässt: mit Türen versehen und unter Beleuchtung raffiniert transparent gemacht, lässt er Kommendes ahnen und vermag später, gedreht, als Höhle mit Wurzelwerk zu fungieren oder auch das Innere von Sarastros Priesterreich darzustellen.

So leichtgewichtig spielerisch, wie es die ersten Minuten andeuten, bleiben Bühnenausstattung, Kostüme und Aktionen den ganzen Abend über. Als Märchen- und Zauberoper legt Regisseur Matthias Reichwald die neue Regensburger „Zauberflöte“ an, fern aller tiefschürfenden Bedeutungssuche. Nur wenn die Priester in Sarastros Tempel als geklonte Schar einer einzigen Blaupause (Modell: Andy Warhol?) auftreten, erhält der Zuschauer einen Impuls zum Nachdenken: darüber, wie Männerbünde per Gleichschaltung funktionieren können.

Was das Publikum jedoch im Großen und Ganzen sieht und hört, ist eine Inszenierung, die dem Geist des Schikanederschen und Mozartschen Originals nahe kommen möchte. Kleine Eigenwilligkeiten leistet sie sich mit einer eigenständigen Teilung des Abends, bei der überraschenderweise die Rache-Arie der Königin der Nacht den Schlusshöhepunkt vor der Pause bildet, bevor sie per Zuspielung auszugsweise später wieder zitiert wird.

Papageno erobert die Herzen

Eine hübsche, im Original nicht vorkommende Hinzuerfindung sind die drei „Wesen“ (verkörpert durch Anna Städler, Robert Herrmanns und Michael Lämmermann), die bisweilen lemurenartig über die Bretter wieseln, dann wieder zu heraldischen Löwen oder gar zu einem Baum mutieren. Sie bringen viel Belebung in diese „Zauberflöten“-Aufführung: als Einflüsterer und Zuträger, Handlanger und Stichwortgeber, die das Geschehen vorantreiben.

Auch sängerisch-darstellerisch kann die Neuinszenierung in ihrer Premierenbesetzung für sich einnehmen. Yinjia Gong ist – nicht rollenuntypisch – ein etwas steifer Prinz Tamino, dessen anfangs noch eng wirkender Tenor im Laufe der Aufführung viel an Lockerheit gewinnt. Seelenvolle Töne, insbesondere bei ihrer Arie „Ach ich fühl’s“, findet Viktorija Kaminskaite als zeitweilig an Taminos Liebe zweifelnde Pamina. Nicht nur stimmlich, sondern auch durch sein munter-komödiantisches Spiel weiß Matthias Wölbitsch in der Rolle des Papageno die Herzen des Publikums besonders zu gewinnen, wie beim Schlussapplaus zu spüren ist. Die leicht kokette Papagena Julia Zhukovska-Fischers ist ihm im munter plappernden „Pa Pa Pa“-Duett eine gleichwertige Partnerin.

Furios: Aurora Perry

Einen furiosen Auftritt hat Aurora Perry als sternflammende Königin der Nacht in ihrer mit markanten Spitzentönen aufwartenden Arie „Der Hölle Rache“. Ihrem Gegenspieler Sarastro verleiht Mario Klein würdevolle Statur, mag es ihm auch in der tiefen Lage manchmal an der Grundgewalt des Basses fehlen. Schön, dass in dieser Inszenierung nicht wie sonst der Monostatos als Unhold denunziert wird: Boris Leisenheimer spielt und artikuliert ihn als eine liebebedürftige, aber unerfüllt bleibende Menschenseele.

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Ganz märchengemäße Dreiheit bilden die in schwarz, rot und blond auftretenden Damen Gesche Geier, Vera Semieniuk und Carolin Neukamm, deren Stimmen sich trotz anfänglichen Zickenkriegs untereinander aufs Schmeichelndste verbinden, und die als Jung-Mozart-Kopien gewandeten Domspatzen-Knaben Julius Fischer, Kilian Brandscherdt sowie Marc Pritschet, die nicht nur silbrigen Terzett-Wohlklang entfalten, sondern überzeugend ins Spiel einbezogen sind.

Untadelig sind weitere kleinere Rollen mit Jongmin Yoon, Cameron Becker und Mikhail Kuldyaev besetzt und auch der von Alistair Lilley einstudierte Opernchor fügt sich bestens in den Gesamtrahmen ein. Fazit: Die neue „Zauberflöte“ kann sich, als letzte Inszenierung der laufenden Saison, sehen und hören lassen.

Zauberflöte hat Premiere in Regensburg

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