MyMz

Außenansicht

Für ein Schulfach Wirtschaft

Bayern als wirtschaftlich führendes Bundesland sollte allen Kindern die Fundamente der Ökonomie vermitteln.
Von Nicolas A. Rauenbusch

Welche Möglichkeiten hat man, um Geld zu sparen? Was ist eigentlich ein Zinseszins? Wie funktionieren Kreditkarten? Wo liegen die Unterschiede zwischen bestimmten Gesellschafts- und Rechtsformen in Unternehmen? Und welche Berufe und Ausbildungswege bieten die meisten Perspektiven? Viele Kinder und Jugendliche werden hierauf keine Antworten haben.

Denn ob junge Menschen etwas über Wirtschaft, Geld und Arbeitswelt gelernt haben, hängt fast ausschließlich vom Elternhaus ab. An den Schulen in Bayern werden solche Fragen äußerst stiefmütterlich im Unterricht behandelt.

Dabei wäre es so wichtig, dass alle Kinder eine Chance bekommen, etwas über wirtschaftliche Fragen zu lernen. Zum einen natürlich aus praktischen Gründen. Warum soll es gerade nicht zur Schulbildung gehören, Kinder und Jugendliche auf diesen wichtigen Teil ihres zukünftigen Lebens vorzubereiten? Wir leben alle in einer sozialen Marktwirtschaft, ob Beamter, Angestellter oder Selbstständiger.

Deswegen sollten wir auch alle die Regeln kennen, die dort herrschen. Wer sich in wirtschaftlichen Dingen nicht auskennt, ist anderen zwangsläufig stärker ausgeliefert und schlechter positioniert. Und je besser sich junge Erwachsene mit Wirtschaftsthemen auskennen, desto weniger fallen sie etwa auf unseriöse Angebote aus der Werbung herein.

Zum anderen brauchen wir ein Schulfach Wirtschaft aber auch, um mündige Staatsbürger zu erziehen. Denn fast alle politischen Fragen haben auch ökonomische Aspekte, sei es bei der Steuer-, der Renten- oder der Gesundheitspolitik.

Wer diese verstehen und kompetent beurteilen möchte, braucht ein Grundverständnis ökonomischer Zusammenhänge.

Alle, die sich um die Chancengerechtigkeit bemühen, sollte folglich die flächendeckende Einführung eines Schulfachs Wirtschaft unterstützen, in dem praktische und theoretische Inhalte gelehrt werden. Ein positiver Nebeneffekt wäre, dass ein solches Schulfach auch den unternehmerischen Geist der Jugendlichen stärken könnte. Wer in seiner Schulzeit nie gelernt hat, was erfolgreiches Unternehmertum bedeutet und worauf man beim Schritt in die Selbstständigkeit achten muss, der wird eher schwerlich Begeisterung dafür entwickeln können, selbst als Unternehmer tätig zu werden.

Ein Schulfach Wirtschaft könnte langfristig also auch dazu beitragen, die Gründerkultur im Freistaat wiederzubeleben. Für den Wirtschaftsstandort Bayern wäre dies sehr wünschenswert – die Zahl der Unternehmensgründungen ist seit einigen Jahren stark rückläufig.

Vorbild könnte Baden-Württemberg sein -– dort wird ein eigenständiges Fach Wirtschaft zum Schuljahresbeginn 2016/2017 an allgemeinbildenden weiterführenden Schulen etabliert. Warum Bayern sich hier abhängen lassen sollte, leuchtet mir nicht ein. Wir sollten mindestens gleich ziehen.

Dass es bereits einige Angebote gibt, wie beispielsweise das Fach Wirtschaft und Recht in der gymnasialen Oberstufe, reicht jedenfalls noch nicht. Das wirtschaftlich führende Bundesland sollte auch beim Thema Wirtschaft in der Schule voran gehen, um allen Kindern die Chance auf eine fundierte ökonomische Bildung zu geben.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht