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Kolumne

Hitzeschlacht in der Bibliothek

Die Prüfungen stehen an, die Literatur türmt sich. Dabei ist es schon morgens viel zu heiß, um wirklich produktiv zu sein.

In der Prüfungszeit sind schattige Plätze in der Bibliothek begehrt.
In der Prüfungszeit sind schattige Plätze in der Bibliothek begehrt. Symbolfoto: Armin Weigel/dpa

Acht Uhr morgens, 24 Grad: Die ersten Studierenden drängen sich in die Bibliotheken, suchen samt ihrer 1,5 Liter Wasserflasche ein schattiges Plätzchen, wo sie ihre zwei Leitz-Ordner und dicken Wälzer abstellen können. Eigentlich ist es jetzt schon zu heiß um wirklich produktiv zu sein. Die Motivation sinkt in Anbetracht der Tatsache der Büchertürme, die sich vor mir stapeln. Nächste Woche stehen fünf Prüfungen an. Wie das mit der Hitze in den nicht klimatisierten Räumen der Uni dann wohl sein wird? Der erste Schweißtropfen fällt auf das noch leere Blatt Papier, dass zum transkribieren der unzähligen Unterlagen bereit liegt.

Elf Uhr mittags, 29 Grad: Mhh, jetzt wäre es eigentlich mal Zeit für eine Pause, aber um 12 muss ich nochmal in ein Seminar. Die Wasserflasche ist mittlerweile leer. Die Vorlesungsmitschriften habe ich einmal durch. Ach einen Text von der Pflichtlektüre schaff ich noch vor dem Seminar. Also kurz durchschnaufen und weitermachen.

Zwei Uhr nachmittags, 34 Grad: Na toll, das Seminar hat mir eigentlich nichts gebracht. Feedbackrunde und Anforderungen an die Seminararbeit, die ich schon vor drei Wochen mit meinem Dozenten abgesprochen habe. Wär ich doch lieber in der Bib geblieben. Der Platz, den ich mir am Morgen ausgesucht habe ist jetzt natürlich weg und es gibt nur noch Plätze in der prallen Sonne. Ach, ich suche mir erst mal ein schattiges Plätzchen draußen. Texte lesen kann ich auch im Freien.

Halb Vier nachmittags, 36 Grad: Überall wuseln Menschen herum. Meine Konzentration schwindet. Ich glaube für die Vorlesung bin ich fertig. Auf Multiple Choice kann man sich durch intensive Lektüre sowieso nicht einwandfrei vorbereiten. Multiple Choice! Wer hat das eigentlich erfunden. Als ob das Durchwühlen meines Kopfes nach irgendwelchen harten Fakten, die ich eventuell mal irgendwo gelesen habe, wirklich etwas mit akademischer Bildung zu tun hat.

Sechs Uhr abends, immer noch zu heiß: Oh Mann. Ich tu mich wirklich schwer, Prioritäten im Lernstoff zu setzen. Ich kann doch nicht jede Jahreszahl auswendig lernen. Was ist eigentlich aus diesen Prüfungen geworden, in denen man argumentieren kann? Wo sind Formate wie Essays und praktische Anwendungen meines Wissens? Irgendwie hab ich langsam das Gefühl, dass die Dozierenden auch keine Lust haben irgendwas zu korrigieren. Kein Wunder, ich könnte mir bei dem Wetter auch was Besseres vorstellen als Bulimielernen. Den Großteil davon hab ich im nächsten Semester wieder vergessen.

Zehn Uhr nachts, 28 Grad: Die Bibaufsicht weist darauf hin, dass jetzt dann geschlossen wird. Ich packe meine fünf Kilo Literatur in den Rucksack und mach mich auf den Weg. Ich gehe zu Fuß, die erste richtige Pause an dem Tag. Und jetzt ab ins Bett und das Ganze morgen wieder. Gut, dass es in den Semesterferien nur drei Hausarbeiten sind, die ich da noch auf die Reihe kriegen muss.

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