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Gemächlich

Hoch zu Esel durch die Fluren

Bei dieser Tour gehen wir mit Luszi und Csillag auf eine Eselstour rund um Schloss Eggersberg. Die beiden sind recht willig – ausnahmsweise…

  • Unterwegs in den Eggersberger Fluren: Lucy mit Anian obenauf und Benedikt sowie Elke Schick als „Führungspersonal“; dahinter reitet Veronika auf Csillag, flankiert von Bernhard und Carolina Mühlbauer.Fotos: hu
  • Bernhard und Veronika striegeln Csillag.
  • Überzeugungsarbeit…
  • Auf halber Strecke: Reiterwechsel!

OBEREGGERSBERG. Nein, das Image vom störrischen Esel wollen Luszi und Csillag heute nicht pflegen. Gemütlich auf der Koppel grasen, das wäre ihnen zwar jetzt sichtlich lieber, aber heute ist nun mal ein bisschen Arbeit angesagt, und gutmütig machen die beiden Eseldamen mit. Denn in Obereggersberg haben sich die Familien Socher und Mühlbauer angemeldet: Die Kinder wollen testen, wie das ist: Reiten auf und wandern mit Eseln. „Ähnlich wie auf Pferden“, urteilt Veronika (9) nach den ersten hundert Metern Feldweg.

Doch langsam: So schnell geht das nicht mit dem Reiten. „Die Esel sollen Euch erst mal kennen lernen“, erklärt Elke Schick, und drückt jedem Kind eine Begrüßungskarotte in die Hand. Schick kümmert sich um die beiden Langohren im Auftrag von Marion Wenzl-Sylvester. Ihr gehören die Esel – und das Schloss Eggersberg. Und beides gehört historisch eigentlich zusammen, meint Wenzl-Sylvester. „Ganz früher hat der kleine Zwergesel Pinocchio auf Schloss Eggersberg gelebt“, zusammen mit den vier Reitpferden. „Er war so was wie das Maskottchen“, trottete bei Ausritten immer mit. Vor gut zehn Jahren segnete „Pinocchio“ das Zeitliche, im biblischen Alter von etwa 35 Jahren. Seither war die Eselsstelle auf Eggersberg verwaist. Bis Wenzl-Sylvester für ihre beiden Töchter Alexandra und Marie-Louise wieder auf die Suche nach Grautieren ging. Und über eine „Eselbörse“ justament auf eine befreundete Familie stieß, die ihre beiden Eselinnen abgeben wollten. Kurz darauf hielten die Ungarin Luszi, geboren 1994, und ihre drei Jahre jüngere Tochter Csillag Einzug in Eggersberg.

Heute bekommen die beiden also Besuch von den Geschwistern respektive Cousins Benedikt, Veronika, Anian und Bernhard, die mit Oma und Opa Lotte und Werner Socher und Mutter respektive Tante Carolina Mühlbauer Urlaub auf dem Ferienhof Böhm in Echendorf machen. Im Internet stieß Carolina Mühlbauer auf das Angebot, auf Eseln zu reiten, und diese Freizeitoption fand großen Anklang beim Nachwuchs. Festes Schuhwerk und eine bequeme Hose, mehr braucht’s nicht an Ausstattung, und so marschieren die Kinder neugierig mit Elke Schick zum Stall, etwas abseits des Schlosses gelegen.

Ausflüge nur im Doppelpack

Ebenso neugierig spitzen Luszi und Csillag zurück, die schon draußen angebunden warten. Jenny, eine Realschülerin aus Riedenburg, hilft Elke Schick bei der Versorgung der Tiere und bei solchen Ausflügen. Denn in mindestens einem Punkt werden die Eselinnen ihrem Ruf gerecht, einen höchst eigenen Kopf zu haben: „Die beiden gehen nur gemeinsam“, berichtet Elke Schick mit leichtem Seufzen. Sprich: Ob wandern oder reiten – es ist immer auch eine zweite Begleitperson vonnöten.

Bevor es losgeht, werden die beiden Tragtiere noch ein bisschen aufgehübscht. Schick verteilt Striegel und Bürste an die vier Kinder und erklärt, wie’s geht. Veronika kennt sich schon aus, sie reitet selbst, freilich auf Pferden. Die anderen bürsteln ebenfalls ein wenig an den Tieren herum, ehe Jenny den beiden Stuten Satteldecken auflegt und diese mit einem Voltigiergurt befestigt.

Aufsitzen? Nein, immer noch nicht: „Wir führen die Esel erst ein Stück“, erklärt die Eggersbergerin: Die Zweibeiner sollen ein Gefühl für ihre Begleiter bekommen und die Vierbeiner sollen erst mal Luft ablassen: Sie pumpen sich nämlich erst mal ein bisschen auf, damit man den Voltigiergurt nicht gleich zu fest zurren kann.

Also los geht’s – oder doch nicht? So ganz freiwillig wollen Luszi und Csillag den kühlen Hof nicht verlassen, da müssen Anian und Veronika schon ein bisschen an den Stricken ziehen, die an den Halftern der Tiere befestigt sind. Doch es kann auch grad andersherum sein, warnt Schick das frischgebackene „Führungspersonal“ vor: „Wenn die Esel Gras sehen, ziehen sie Euch hin!“ – da hilft nur: gegenhalten. Als stur mag sie die Tiere aber trotzdem nicht einstufen: „Sie sind eben eigensinnig“. Und eigentlich, sinniert Jenny, seien sie damit doch einfach nur schlauer als Pferde: Sie würden eben beispielsweise keinen Sinn drin sehen, stundenlang auf einem Reitplatz im Kreis zu gehen – und würden es deshalb freiwillig nicht tun. „Ein Pferd macht alles, ein Esel nicht“, fasst Jenny zusammen. Und sie muss es wissen, hat sie doch selbst auch noch ein Pflegepferd.

Anschubhilfe für Mensch und Tier

Immerhin: Vom Sinn oder zumindest der Notwendigkeit, diesen Spaziergang zu absolvieren, lassen sich die beiden Stuten heute schon überzeugen, und so geht es hinaus in die Obereggersberger Flur. Nach ein paar hundert Metern wird noch mal nachgegurtet, und dann heißt es: rauf auf den Esel! Elke Schick schiebt ein wenig mit an. Denn mit den klapprigen Arbeitstieren von früher haben die beiden Eggersberger Schlossesel nichts mehr gemein. Nein, schwanger seien die beiden nicht, verneint Schick lachend eine entsprechende Frage: Das seien eher Wohlstandsbäuchlein – und da muss das Bein des Reiters erst mal drüber… Doch Benedikt und Bernhard schaffen es und können nun auf Anian und Veronika herabblicken, die sich leidlich mühen, Luszi und Csillag auf Kurs zu halten. Wenn die gar zu sehr in Richtung saftiges Gras ziehen, greifen Elke Schick und Jenny mit ans Halfter und schieben oder ziehen die Tiere auf den Weg zurück.

Obwohl die beiden Eselinnen einer vergleichsweise großen Rasse angehören, ist das Reiten nur begrenzt möglich: Bis 50 Kilo Gewicht können die Tiere tragen. Für alle anderen ist das Wandern mit Eseln die Alternative. Oft ältere Leute und fast immer Frauen sind es, die sich dafür interessieren, berichtet Schick. Bis zu drei Stunden geht sie mit Interessenten auf Tour; wer will, kann sich ein Picknick mitbringen und bei einer Pause unterwegs verzehren. Bei Reittouren empfiehlt sie maximal eine Stunde, „sonst verlieren die Kinder die Lust“. Denn aus Sicherheitsgründen wird nur Schritt geritten. Beim Wandern eigentlich auch – es sei denn, Luszi und Csillag entscheiden sich anders, überrumpeln ihre unerfahrenen Eselsführer und legen mal einen ungeplanten Eselsgalopp ein…

Ablauf: Elke Schick bietet ein- bis dreistündige Touren durch die Fluren um Eggersberg an. Auf den Tieren reiten können Kinder bis maximal 50 Kilo. Alle anderen können die Tiere führen. Bei einer dreistündigen Wanderung kommt man beispielsweise bis zum Agathasee. Wer will, kann sich Brotzeit mitnehmen für eine Pause unterwegs.

Ausrüstung: Festes Schuhwerk ist erforderlich, eine bequeme Hose zum Reiten empfehlenswert

Kosten: Eine Stunde Reiten oder Wandern mit dem Esel kostet 20 Euro. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings: Luszi und Csillag sind nur im Doppelpack zu haben, weshalb die Stunde auf 40 Euro kommt.

Anmeldung: Über Schloss Eggersberg, Tel. (09442) 91870, mit mindestens einem bis zwei Tagen Vorlauf. (hu)

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