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Kolumne

In der studentischen Blase

Zwischen Partynacht und Mensaessen philosophiert unser Autor über den Uni-Alltag – und braucht erstmal eine Zigarette.

Jetzt erstmal eine rauchen: Ja, die Indianer, die wussten wie man Frieden stiftet unter den ihrigen.
Jetzt erstmal eine rauchen: Ja, die Indianer, die wussten wie man Frieden stiftet unter den ihrigen. Foto: dpa

Liebstes Tagebuch,

während ich hier sitze, am wärmenden Ofen in meiner großen Dachgeschosswohnung, die von Mama und Papa bezahlt wird, erstarrt meine Seele zu Eis. Unsere ach so gütige Mutter, die Universität Regensburg, verwandelt sich immer mehr in ein Gefängnis der persönlichen Freiheit. Nicht dass die Gänge des brutalistischen Prunkbaus verschachtelter sind als in Hogwarts, nein, niemand nimmt Rücksicht auf andere! Die Bibliotheken sind voll und die Parkplätze ebenso, wo soll ich mein Abi-Geschenk sonst parken? Soll ich es etwa vor meinem Wohnheim am Galgenberg stehen lassen? In den Semesterferien ist alles frei, aber wer ist da schon an der Uni?

Ja, man sollte sich schämen, dachte ich mir während meines Besuches im Prüfungsamt letzte Woche, und der Amtsgang verwandelte sich in ein beklemmendes Ereignis. Ich fühlte mich wie Josef K. in einer der Kanzleien, als mich die Sekretärin gelangweilt anstarrte. Dabei habe ich mich doch nur zwei Wochen zu spät für die Hausarbeit anmelden wollen. Ich verstand die Welt nicht mehr und in meiner Brust wurde es eng. Doch ich kam ausnahmsweise mit dem Leben davon, wenn auch ich mich fühlte, als sei ich Jahre gealtert. Und um meine rasenden Gedanken und meine zitternde Hand zu beruhigen, rollte ich mir eine Zigarette aus den übrig gebliebenen Tabakkrümeln in meinem Beutel. Ja, die Indianer, die wussten wie man Frieden stiftet unter den ihrigen. Der Rauch von Virgina-Blend füllte meine Lungen und ich blies ihn in die trübe Nachmittagsluft. Ich war gerade aufgestanden und total übermüdet, es war letzte Nacht 60er-Party in der Scala. Eine Ära, die durch und durch von Revolution und Reformen durchdrungen war! So sollte es sein, panta rhei, wie es einer dieser griechischen Philosophen schon sagte, Heranimandes oder so, alles ist im Überfluss, deswegen müssen wir verzichten! So dachte ich, und drückte meine Kippe an der großen Kugel aus. Fällt ja eh bald auseinander, dieses blöde Ding. Und ich schlenderte in die Mensa, denn es gab eine XXL-Portion Pommes.

Ja, so ist der Alltag an unserer Uni, liebes Tagebuch, und wenn das ein bisschen ungeordnet hier alles erscheinen mag, dann liegt das daran, dass das hier schon mein fünfter Kaffee war, da ich mich jetzt noch meiner Hausarbeit widmen muss. Ich würde ungern den Dritttermin verpassen. Also bis Baldrian…

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