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Kolumne

Kurzreise mit studentischem Budget

Als Student hat man wenig Geld – dafür aber viel Zeit. Unser Autor macht sich per Anhalter von Regensburg nach Wien auf.

Per Anhalter von Regensburg nach Wien: Unser Autor war erst im zweiten Anlauf erfolgreich.
Per Anhalter von Regensburg nach Wien: Unser Autor war erst im zweiten Anlauf erfolgreich. Foto: dpa-tmn

Liebes Tagebuch,

noch immer befinden wir uns in der vorlesungsfreien Zeit, doch seit meinem letzten Eintrag habe ich es geschafft, meine Faulheit ein Stück weit zu besiegen. Vor ein paar Tagen habe ich die Landesgrenzen hinter mir gelassen und habe Freunde in Wien besucht.

Wien ist eine wunderbare Stadt für einen kurzen Besuch, nicht weit entfernt, und – sobald man jemanden kennt bei dem man übernachten kann – auch nicht sehr teuer. Doch auf ein Problem wird der spontane Studierende mit bescheidenem Reisebudget schnell bemerken: Die Bahn ist zwar mitunter die schnellste Option um nach Wien zu kommen, doch sind die Kosten für die ICE-Tickets leider so teuer, dass man davon wohl vier mal Essen gehen könnte.

Die seit wenigen Monaten eingeführten Fernbusse bieten dem studentischen Budget schon eher eine Option, doch haben diese einen Haken: Fehlende Flexibilität. Wer nicht zumindest einen Tag vorher bucht, der wird entweder nicht viel weniger zahlen als mit der Bahn, dafür aber durchaus länger unterwegs sein, oder gar keinen Sitzplatz mehr bekommen. Ähnlich sieht es mit Mitfahrgelegenheiten aus, entweder zu unflexibel oder gar zu teuer im Vergleich zur Bahn.

Doch als Studierender hat man einen Vorteil im Vergleich zu Personen, die schon fest in die Arbeitswelt integriert sind, oder eben auch Schülern: Man hat Zeit. Kein Geld, aber Zeit. Und dies wollte ich mir für meine kurze Reise zu nutze machen und fuhr morgens mit minimal gepacktem Rucksack, einem Stück Pappkarton und Markern in verschiedenen Farben im Bus zur A3, Ausfahrt Universität, und stellte mich an den Rand der Auffahrt. Auf meinem Pappschildchen prangte „Passau/Linz“, ich war guter Laune und voller Hoffnung, dachte ich doch, ich würde am Abend in Wien ankommen und bei einem kühlen Märzen die hoffentlich fesselnden Geschichten des Tages weiter erzählen.

Es war nicht das erste Mal, dass ich per Anhalter unterwegs war, auch nicht das erste Mal, dass ich aus Regensburg Autostoppen wollte, doch zum ersten Mal brach ich nach Osten auf. Bisher informierte ich mich immer zuvor im Internet nach guten Stellen und Orten (es gibt ganze Karten, auf der hunderte, gar tausende freiwillige Helfer gute und schlechte Orte für Hitchhiker eintragen) gesucht, diesmal dachte ich es würde schon klappen, die Ausfahrt kann gar nicht schlecht sein.

Und siehe da, nach weniger als 20 Minuten wurde ich auch zum ersten Mal mitgenommen. Zwei nette Damen boten mit an, mich mit nach Rosenhof zu nehmen, wo es angeblich eine große Raststation gäbe. Das hörte sich natürlich perfekt an, da Autobahnraststätten meist die besten Chacen bieten. Fröhlich hüpfte ich in den Wagen und schon fuhren wir auf die Autobahn auf, während ich mir netterweise eine Zigarette anzünden durfte.

Wenig später waren wir in Rosenhof angekommen und es dauerte Minuten bis ich realisierte, welchen Fehler ich gemacht hatte. Die Worte eines guten Freunden klangen mir wieder in den Ohren: „Manchmal rentiert es sich, länger auf eine gute Mitfahrgelegenheit zu warten. Nimm niemals unüberlegt ein Angebot an“. Der angeblich vorhandene Rasthof war geschlossen. Am Grasbewuchs auf dem Gelände konnte man schätzen, dass er wohl schon mehr als ein Jahr geschlossen sein musste. Dennoch probierte ich es rund um die Autobahnauffahrt herum, denn irgendjemand musste schließlich in Richtung Passau fahren.

Vier Stunden später war ich keinen Meter weit gekommen. Da beschloss ich, mich zu Fuß nach Neutraubling aufzumachen. Von dort versuchte ich es wieder mitgenommen zu werden, wiederum vergebens.

Als es langsam dämmerte holte ich mir ein Bier aus einem Discounter und begab mich zur nächsten Bushaltestelle, um zurück nach Regensburg zu fahren. Genervt vom Tag und müde vom Laufen und Stehen warf ich mich ins Bett und döste bald weg.

Am nächsten Morgen durchsuchte ich das Internet und stieß auf ein paar gute Tipps – und so nahm ich den Zug nach Bogen, einem kleinen Dorf in der Nähe von Straubing, und wanderte von dort zur Autobahnraststätte an der A3.

Hier hatte ich schon mehr Glück, es dauerte nicht lange bis mich eine Person aus Baden Württemberg mitnahm. Diese Fahrt brachte mich schon bis kurz vor Linz, mit einem endlos langen Monolog des Fahrers über Nietzsche (das kommt davon wenn man von seinem Philosophiestudium erzählt) und diverse Verschwörungstheorien, war aber ansonsten ganz angenehm. Von Linz aus wurde ich von einer Grupper junger Österreicher mitgenommen, die erschöpft die meiste Zeit geschlafen haben, was mir auch ganz recht war. Am frühen Abend war ich dann endlich in Wien angekommen und konnte ein Bier mit meinen Freunden genießen.

Somit hat es mich zwar zwei Tage gekostet um nach Wien zu kommen, in der Zeit hätte ich bestimmt auch ein Fernbusticket oder eine Mitfahrgelegenheit ergattern können, und dennoch war es ganz schön per Anhalter zu fahren, denn jedes Mal wieder lernt man neue mehr oder weniger interessante Menschen kennen, jedes mal ist es ein Abenteuer für sich.

Außerdem – wie zuvor erwähnt – im Moment, als Student, habe ich genügend Zeit für Abenteuer dieser Art. Später, wenn ich weniger Zeit, aber dafür mehr Geld habe, kann ich mir noch immer ein Zugticket oder den Fernbus leisten.

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