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Interview

Mehr Bewusstsein entwickeln

Interview mit Andreas Hechtbauer (43), Vorsitzender von Binary Kitchen Regensburg
von Julia Ried, MZ

Andreas Hechtbauer
Andreas Hechtbauer Foto: Ried

Regensburg.Herr Hechtbauer, wenn ich meine privaten Daten besser schützen will, wo soll ich anfangen?

Andreas Hechtbauer: Zunächst ist es wichtig, ein Bewusstsein zu entwickeln, wo überall Daten anfallen. Dann fällt einem wahrscheinlich auf, dass man nicht wirklich eine Chance hat, alle zu vermeiden oder alles zu erfahren.

Wo fallen im Alltag Daten an, deren Erfassung man womöglich gar nicht so richtig mitbekommt?

Relativ offensichtlich ist noch, wenn man an der Kasse gefragt wird, ob man eine Kundenkarte hat. Im Internet sieht man schon weniger, macht vielleicht bei einer Bestellung irgendwo ein Häkchen. Auch Daten, die man nicht explizit angegeben hat, werden gespeichert, etwa was man angesehen hat. Daten in erheblichem Umfang fallen an, wenn man Flüge bucht oder mit der Bahn fährt. Beim Handy wird ein Bewegungsprofil erhoben, der Browserverlauf wird gespeichert.

Wie kann ich Daten sparen?

Man kann so kommunizieren, dass nicht so viele Daten anfallen, etwa einen Handy-Messenger verwenden, der Verläufe verschlüsselt überträgt. Man kann einer Datenweitergabe teilweise widersprechen. Es nicht realistisch, immer alles durchzulesen, was man anklickt oder unterschreibt. Aber man kann auf Kundenkarten verzichten und eventuell hin und wieder auf einen gewissen Service im Internet. Man muss bei vielen Sachen aber erkennen, dass man unmittelbar nichts machen kann, wenn man sie nutzen will. Darauf kann man politisch einwirken. Gerade bei den Fluggastdaten gibt es eine große Debatte, man kann sich an Petitionen beteiligen.

Warum ist Datenschutz überhaupt so wichtig, wenn man nichts zu verbergen hat?

Wenn es mir nicht so wichtig ist, dass meine Daten geschützt werden, bin ich in einer Situation, in der nicht alle sind. Jeder kann in eine Lage kommen, in der er einen Nachteil davon hat, wenn seine Daten herausgepustet werden. Das betrifft etwa Leute, die in der Gesellschaft nicht voll akzeptiert sind, sei es wegen ihrer sexuellen Präferenzen oder Krankheit. Und Kontostand oder Passwörter möchte keiner publik machen.

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