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Kolumne

Morgen ist auch noch ein Tag

Die To-Do-Liste unseres Autors für die vorlesungsfreie Zeit ist lang – doch er kann sich nicht aufraffen, sie anzugehen.

Während der vorlesungsfreuen Zeit verschiebt sich die innere Uhr – und damit auch die Zeit zum Aufstehen nach hinten.
Während der vorlesungsfreuen Zeit verschiebt sich die innere Uhr – und damit auch die Zeit zum Aufstehen nach hinten. Symbolbild: dpa

Liebes Tagebuch,

heute muss ich dir etwas beichten!

Wie du weißt habe ich meine letzten Prüfungen bereits vor Wochen geschrieben und mir eigentlich geschworen, zum einen mit meinen Hausarbeiten zu beginnen, zum anderen, die unendlich lange Liste von Dingen abzuhaken, für welche ich während des Semesters keine Zeit gefunden habe. Ersteres hat mich in den letzten Semesterwochen schon fast erfreut, da ich versuchte mir vorzustellen, wie schön es wohl sein könnte, hätte ich einmal keine verbliebenen Aufgaben auf meinem Prokrastinationskonto. Das wäre dann genau die Zeit, in der ich mich dem zweiten Teil meiner Semesterferienvorhaben hätte widmen können – all die Dinge, die mir während der letzten Lern- und Prüfungstage die Kraft gaben weiterzumachen, da die Erlösung in Form von Freizeitbeschäftigungen spürbar nahe lag.

Doch du ahnst es bestimmt bereits – es kam alles anders. Wir befinden uns bereits in der dritten vorlesungsfreien Woche und bisher habe ich natürlich weder mit den Hausarbeiten angefangen, noch habe ich es geschafft meine Liste anzutasten. Wobei hier muss ich sagen: Eine Sache habe ich geschafft, wenn auch anders als erwartet. Das Buch, das ich mir zuletzt von einem Komilitonen ausgeliehen habe und gerne in den Ferien lesen wollte, habe ich begonnen. Anzuhören. Ich habe mir das Hörbuch aus der Stadtbücherei ausgeliehen und höre es nun zum Duschen.

Doch es geht sogar noch weiter, selbst die kleinen Projekte, für die neben Studium und Nebenjob noch Zeit ist, habe ich vernachlässigt – sogar meine Sauerteigkultur erlag meiner bisherigen Faulheit.

Doch woran liegt das? Eine gute Frage. Eine Möglichkeit könnte der verschobene Tag-Nachtrhythmus sein. Denn ohne frühe Vorlesungen oder Arbeitsschichten gibt es keinen Grund, sich zu früher Stunde aus dem Bett zu schälen. Und so beginnt es schleichend damit, dass sich die innere Uhr verschiebt. War anfangs neun oder zehn Uhr morgens eine angenehm frühe Zeit zum Aufstehen, wurde daraus innerhalb weniger Tage 13 oder 14 Uhr als annehmbare Frühstückszeit. Selbst unser Postbote – wir nehmen für das ganze Haus meistens die Pakete an – weiß mittlerweile, dass er vor zwölf Uhr keinesfalls klingeln sollte. Da die meisten meiner Freundinnen und Freunde mir in dieser Hinsicht nicht unähnlich sind, ist das sogar noch sozial akzeptabel. Zum Problem kann allerdings die Sperrstunde werden – denn wenn der Freundeskreis spät aufsteht, trifft man sich meist auch erst zu später Stunde und dann fühlt sich zwei Uhr morgens meist an wie zehn Uhr am Abend.

Doch genug mit dem Jammern – liebes Tagebuch, ich schwöre hiermit, und du bist mein Zeuge, dass ich mich aufrappeln werde und mich endlich meinen Aufgaben stellen werde. Morgen.

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