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Interview

Pflege führt oft in Sozialhilfe

Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not fordert Pflege und Therapie dauerhaft in der Leistungspflicht der Krankenkassen
Armin Nentwig,

Armin Nentwig
Armin Nentwig

Amberg.Wie steht der Bundesverband „Schädel-Hirnpatienten in Not“ den Plänen von Gesundheitsminister Spahn gegenüber, dass Intensivpflegepatienten nur noch in speziellen WGs oder Pflegeheimen betreut werden sollen?

Der Entwurf greift ein sehr komplexes Thema mit Dramatik, Angst, Unsicherheit, Ausgeliefertsein und Not auf. Wir sehen die geäußerten Befürchtungen nicht bestätigt, dies wäre auch nicht umsetzbar. Niemand muss befürchten, dass eine Pflege zu Hause nicht mehr möglich sein wird.

Der Verband und Sie kämpfen seit 25 Jahren darum, dass die Pflege von Schädel-Hirnpatienten nicht weiterhin zu einem Absturz in die Sozialhilfe führt.

Letztlich muss gesetzlich klargestellt werden, dass für Menschen mit schweren und schwersten neurologischen Krankheiten die in vollstationärer Langzeitpflege versorgt werden, alle Pflege- und Therapiemaßnahmen dauerhaft in die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen fallen.

Sie gehören zu jenen Kritikern, die sagen, dass genau aus diesem Grund viele Tracheostoma, also Luftröhrenschnitte, nicht verschlossen werden. Ohne die Beatmung werden die Kosten von der Krankenkasse nicht mehr übernommen.

Wir wollen, dass ein Wegfall der besonderen Behandlungspflege eben nicht mehr zu einem wirtschaftlichen Fiasko von monatlich tausenden Euros führt. Bei bis zu 80 Prozent der Patienten könnte der Luftröhrenschnitt erfolgreich verschlossen werden. Aber die Angehörigen betteln: Bitte macht das Loch nicht zu, sonst müssen wir aus der Wohngemeinschaft raus und würden dann in die Sozialhilfe abstürzen.

Den Wohngemeinschaften stehen Sie kritisch gegenüber. Warum?

Die ambulanten Intensivgruppen machen unser Neuroreha-System kaputt. Ein Wachkomapatient mit Trachealkanüle bringt 1/4 bis 1/2 Million Euro im Jahr. Das Geld fließt aber nur, wenn der Patient keine Besserung erfährt. Die WGs unterliegen keinerlei Kontrolle.

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