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Ersatztrasse

Stellungnahme des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege

Stellungnahme des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege zur Welterbeverträglichkeit einer Ersatztrasse für die Steinerne Brücke.

Unsicherheit in den Begrifflichkeiten und Vernachlässigung älterer fachlicher Stellungnahmen

1.Das Welterbeareal entspricht 1:1 dem vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege vor Jahrzehnten festgestellten und in die Bayerische Denkmalliste eingetragenen Ensemble Altstadt Regensburg und Stadtamhof. Alle Veränderungen in diesem Ensemble sind selbstverständlich entsprechend dem im Bayerischen Denkmalschutzgesetz geregelten Verfahren zu behandeln. Dennoch verzichtet das Gutachten darauf, die ausführlichen fachlichen Stellungnahmen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (z. B. 2003) heranzuziehen und zu würdigen. Nur deshalb und von Anfang an unzutreffend können dann die Trassenvarianten als unbelastete und gleichwertige Lösungsansätze betrachtet werden (Gutachten S. 8).

2.Die Tendenz, das Risikopotential zu verniedlichen, ist in diesem Gutachten nicht zu übersehen. Unzutreffend ist die Bewertung, es seien durch die Ersatztrassen nur Randlagen der ausgewiesenen Kernzone des Welterbes betroffen (S. 8 und S. 29). Das Gegenteil ist der Fall: Die Trassen liegen zentral im Welterbebereich, zu dem ja auch die Gewässerflächen gehören. An anderer Stelle des Gutachtens (S. 75) wird dies dann doch noch konzediert: trotz der Lage der Westtrasse im Kernbereich des Welterbeareals…

3.Dem Gutachten mangelt eine präzise denkmalfachliche Begrifflichkeit. Was sind etwa Berührungspunkte mit denkmalgeschützter Bebauungsstruktur (S. 14)? Warum werden Baudenkmäler klassifiziert als wertvolle Baudenkmäler (S. 23), wichtige Baudenkmäler (S. 75) oder herausragende Einzelobjekte S.28)? Ist ein bauliches Ensemble (S. 24) etwas anderes als das Ensemble Regensburg und Stadtamhof i. S. des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes? Falsch ist der Ansatz, die Auswirkungen der Trassen auf herausragende Baudenkmäler und Einzelobjekte zu betrachten.

Falsch ist es, mittelalterliche Originalsubstanz als besonders wertvoll herauszustellen und ein geringeres Schutzinteresse zu vermuten, wenn Denkmäler nahezu ausschließlich aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden sind (S. 27). Es kommt stets auf das Ensemble und die (im Gutachten gar nicht definierten) in dieser Fläche vorhandenen ensemblespezifischen Werte (konstituierende Elemente) an. Dazu gehört beispielsweise die Beziehung zwischen Gebäuden, Straßen, Plätzen und dem Fluss. Als Bestandteil des Ensembles genießt auch der Eiserne Steg selbstredend Denkmalschutz, auch wenn er kein Einzeldenkmal ist und das Gutachten in dieser Richtung argumentiert (S. 76).

II. Die visuellen Auswirkungen

1. Mit den Brücken und insbesondere mit deren Rampen hängt das Hochwasserschutzkonzept der Stadt Regensburg eng zusammen. In die Sichtfeldanalysen des Gutachtens sind die projektierten Hochwasserschutzmaßnahmen nicht integriert (S. 10). Dies stellt die Aussagefähigkeit der vorliegenden Sichtfeldanalysen insgesamt Frage.

2.Das Gutachten geht auf die Problematik der Ufer - parallelen südlichen Rampe der Westtrasse zwar ein (S. 12 f.). Insgesamt wird die Auswirkung einer solchen Rampe von der Höhe eines Stockwerkes (3 m) völlig unterschätzt. Nicht erwähnt ist in diesem Zusammenhang, dass 300 große Busse pro Tag sich auf den Rampen bewegen: Die Sichtfeldbeeinträchtigung besteht also nicht nur aus den 3 m Rampenhöhe sondern 300 mal aus zusätzlichen ca. 3 m Fahrzeughöhe. Die Simulation (S 47, S. 49, S. 51) führt die Rampenproblematik der Westtrasse zwar in gewisser Weise vor Augen, jedoch ist die Perspektive verharmlosend (vgl. besonders S. 57, wo die Südrampe hinter Bäumen verschwindet). Eine Simulation, die zeigen würde, wie täglich 300, ca. 3 m hohe Busse auf einer 3 m hohen Rampe parallel zu der historischen Uferbebauung fahren, fehlt, In den textlichen Bewertungen wird die Problematik dieser Situation immerhin nicht völlig verkannt (S. 75).

III. Der historische Aspekt

1.Das Gutachten stellt bei der Bewertung der Westtrasse ausschließlich auf die visuellen Auswirkungen ab, und lässt den historischen Aspekt völlig außer Acht. Anders als Stadtorganismen wie Paris, Wien, London, die sich jeweils auf beiden Seiten eines Flusses entwickelt haben, war Regensburg in der gesamten Zeit seiner Entwicklung vom Frühen Mittelalter bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation von der Gegenüberstellung der Freien Reichsstadt am Südufer der Donau und dem auf bayerischem Territorium gelegenen Stadtamhof auf der Nordseite geprägt. Dies ist für das Welterbeareal ebenso wichtig wie der rein visuelle Aspekt.

2.Vor diesem Hintergrund kommt der Steinernen Brücke als der von Beginn an einzigen befahrbaren Verbindung zwischen diesen unterschiedlich legitimierten Herrschaftsgebieten eine besondere Anschaulichkeit in historischer Hinsicht zu (protokollarischer Bestandteil der Reichstage mit insgesamt über 30 offiziellen Kaisereinzügen !), welche bis heute auch das Welterbeareal an zentraler Stelle prägt. Die östlich dieser Brücke gelegene Eiserne Brücke besteht seit dem 16./17. Jahrhundert und hatte stets nur die Aufgabe, den dicht bebauten Bereich der Reichsstadt mit dem Unteren Whörd zu verbinden, auf dem reichsstädtische Sonderbauten (Bauhof, Zimmereistadel und Pesthof) angesiedelt waren. Der seit dem frühen 20. Jahrhundert im Westen bestehende Eiserne Steg hat als ausschließlich für Fußgänger geeigneter Übergang die Alleinstellung der Steinernen Brücke nie ernsthaft in Frage gestellt. Auch ist dabei zu berücksichtigen, dass er schon allein von seiner Entstehung her keine aus der Zeit vor 1806 herleitbare historische Legitimation für sich beanspruchen kann. Diesen historischen Aspekt hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege im Rahmen der 2. und 3. Arbeitssitzung des „PlanungsDialogs Steinerne Brücke“ am 04.und 05. März 2005 öffentlich vorgetragen; er ist und im entsprechenden Protokoll auf Seite 34-36 jederzeit im Internet abrufbar, findet jedoch im vorliegenden Gutachten keine Berücksichtigung. Auf die denkmalpflegerisch wichtige und erhebliche Problematik der Eingriffe in die Fundamentbereiche der ehemaligen Stadtmauer als archäologischer Belang verweist das Gutachten leider nur kursorisch.

3.Hinsichtlich der Osttrasse kommt das Gutachten zu der Bewertung, dass am konkreten Ort der Trasse keine historisch bedeutende Substanz vorhanden sei. Auch werden die Auswirkungen auf den landschaftsräumlichen Kontext der Donauinseln richtigerweise als unproblematisch eingestuft, nachdem dieser heutige Naturraum erst mit dem Ausbau des Main-Donau-Kanals vor ca. knapp 50 Jahren seine heutige Ausformulierung erfahren hat.

IV. Widerspruch in der Bewertung

Die Zusammenfassung und Bewertung (S. 77) beinhaltet einen eklatanten Widerspruch. Es wird zunächst eingeräumt, dass die Westtrasse durch ihre Nähe zum historischen Zentrum grundsätzlich das größere Einfluss- und Beeinträchtigungspotential gegenüber den zentralen Bestimmungsfaktoren des Welterbeareals besitzt (vgl. auch S. 24). Zur Osttrasse wird ausgeführt, dass diese unter dem genannten Gesichtspunkt nahezu wirkungslos sei, und daher das deutlich geringere Wirkungspotential im Welterbeareal entfaltet (vgl. auch S. 23). Die im luftleeren Raum stehende Folgerung ist: Dennoch werden beide Optionen als welterbeverträglich beurteilt. Der historische Kontext -ein erheblicher Mangel des Gutachtens- ist bei dieser Bewertung völlig ausgeblendet. Wenn man noch den Aspekt der historischen Dimension und der Bedeutung des Fehlens von gleichrangigen Brücken neben der Steinernen Brücke als bis heute anschaulichen Wert des Welterbeareals hinzunimmt, wird der Unterschied zwischen beiden Varianten geradezu fundamental.

V. Schlussfolgerung:

Aus den genannten Gründen kann das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Schlussfolgerungen des Gutachtens Wich / Eisenlauer nicht nachvollziehen und lehnt die Westtrasse weiterhin entschieden ab.

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