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Interview

Weitere Vorwürfe gegen Schavan

Neben der Dissertation der Ministerin sollen drei weitere Publikationen von ihr Plagiate enthalten, sagt Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder. Er fordert den Rücktritt der Ministerin.

Martin Heidingsfelder ist Gründer der Plattform VroniPlag. Unter dem Pseudonym „Goalgetter“ hat er Dissertationen von Politikern unter die Lupe genommen. Auf seinem Blog Schavanplag Wiki erhebt er weitere Plagiatsvorwürfe gegen die Bundesbildungsministerin. Foto: Daniel Karmann dpa/lby

Ist die Aberkennung des Doktortitels von Bundesbildungsministerin Schavan ein Erfolg für die Plagiatsjäger im Internet, die den Fall erst ins Rollen gebracht haben?

Heidingsfelder: Es ist zunächst einmal ein Erfolg für die Wissenschaft. Der Fakultätsrat hat unabhängig von dem großen öffentlichen Druck doch im Sinne der Wissenschaft entschieden.

Sie hatten Schavan vorgeworfen, in der Dissertation auch aus einem eigenen Aufsatz abgeschrieben zu haben, ohne das kenntlich zu machen.

Heidingsfelder: Ein mögliches Eigenplagiat war für die Entziehung des Doktortitels unerheblich, weil ja genügend Fremdplagiate da sind, auf die sich der Fakultätsrat bei seiner Entscheidung bezogen hat. Mit dem Aufsatzbuch von 1980, dem Buch „Die Schule der Zukunft“ von 1998 und dem Buch „Welche Schule wollen wir?“ von 2002 habe ich drei weitere Bücher von Frau Schavan außerhalb der Dissertation gefunden, die Fremdplagiate enthalten. Auf meinem Blog Schavanplag Wiki gibt es Beispiele.

Sie haben bereits im Mai 2012 den Rücktritt Schavans gefordert. Ist sie nach der Entscheidung des Fakultätsrats als Bildungs- und Forschungsministerin noch haltbar?

Heidingsfelder: Überhaupt nicht. Aber das ist sie bereits seit Beginn der Affäre nicht mehr. Sie hat in diesem Bereich ja das höchste Amt in unserem Staat inne und an sie werden da natürlich besonders hohe Ansprüche gestellt. An dieser Stelle kann man sich einfach kein Plagiat erlauben. Ich verstehe auch nicht, dass die CDU Frau Schavan noch einmal in den Bundestag schickt. Bei der Abstimmung gab es nicht mal einen Gegenkandidaten – niemand hat sich getraut, etwas zu sagen.

Mittlerweile wurde einer ganzen Reihe von Politikern – Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin, Jorgo Chatzimarkakis – der Doktortitel aberkannt. Wie kommt es zu dieser Häufung von Fällen?

Heidingsfelder: Ich habe zur Landtagswahl und zur Bundestagswahl eine eigene Plattform für Politikerdissertationen gegründet, www.politplag.de. Die ist gerade im Aufbau und da wollen wir ganz gezielt Politiker dementsprechend überprüfen. Meine Vermutung, warum da so eine Häufung vorkommt, ist, dass über Organisationen und politische Stiftungen Menschen, die beispielsweise einer gewissen Politik- oder Glaubensrichtung anhängen, protegiert werden. Die wollen ihren eigenen politischen Nachwuchs mit Doktortiteln dekorieren. Das ist eine Art Vetternwirtschaft, die aufhören muss. Es sollten die Besten promovieren. Der wissenschaftliche Beweis, dass es so ist, wie ich vermute, ist aber noch nicht erbracht.

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