mz_logo

Region Franken
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

MZ-Serie

„Pizza? Die gibt’s beim Nachbarn“

Historische Wirtshäuser: Hofs bekanntester Biergarten gehört zu „Meinels Bas“. Auf authentische Speisen wird Wert gelegt.
Von Thomas Dietz, MZ

Blick in eine Gaststube: Rainer Groh mit Tochter Madlen Groh, der Wirtin. Die Familie stammt aus Oelsnitz im sächsischen Vogtland – im Hofer Dreiländereck Bayern-Sachsen-Thüringen. Foto: Schönberger

Hof.In Hof wäre es grau und trist? Das muss lange her sein. Beim leibhaftigen Besuch ist davon nichts zu merken, schon gar nicht im Frühling. Und der Glückliche, der in der Tourist-Info am Rathaus von Edith Tschoepe mit Auskünften über Nachtwächter-Rundgänge und den „Wärschtlamo“ (Würstchenmann) mit seinem Messingkessel versorgt wird, ist ohnehin fein raus. „Vergessen Sie nicht, unsere Hofer Rindfleischwurst zu probieren“, sagt sie noch, „die gibt’s überall.“ Es handelt sich um über Buchenholz kalt geräucherte Streichwurst mit leichter Pfeffernote, mager und bekömmlich.

In der Vorstadt Nr. 13 liegt das Wirtshaus „Meinels Bas“ mit Hofs wohl bekanntestem Biergarten. Trotz unklarer Wetterlage sind die Tische unter Lampions und Kastanien an diesem Tag gut besetzt: „Studenten und Stammgäste kommen bei jedem Wetter. Die wickeln sich in Decken ein“, sagt Rainer Groh (52), der die Leitung der Wirtschaft seiner Tochter Madlen (30) übergeben hat. Der Biergarten hat Platz für 500 Gäste, drinnen für 150.

Das Anwesen Nr. 13 wurde mehrmals zerstört, 1553 bei der Belagerung Hofs, 1632 im Dreißigjährigen Krieg. Das heutige Gasthaus wurde etwa 1689 durch den Weiß- und Sämischgerbergesellen Johann Meinel d. Ä. erbaut, nachdem er eine Hoferin, Helene Schlötzer, geheiratet hatte. Die prächtige Holzdecke im Nebenzimmer der Gaststätte stammt aus dieser Zeit.

Außenansicht: Das Wirtshaus wurde 1689 in der Hofer Vorstadt erbaut. Foto: Schönberger

„Meinels Bas“, also Meinels Cousine (Base), geht auf die herzensgute Wirtin Kunigunde Barbara Meinel zurück, die äußerst beliebt war. Heute ist Meinels Bas ein uriges, bestens eingeführtes Wirtshaus mit typisch fränkischer Küche und exzellenten Bieren aus der Familienbrauerei Meinel, die seit 1731 in zwölfter Generation geführt wird. Sie liegt nur ein paar Häuser weiter – hinter der Alten Steinernen Brücke.

Diese knusprigen Schäufele ...

Küchenchef ist Marcel Groh (31), der im Hotel Alexandra im Herzen von Plauen gelernt und danach im Restaurant Walliser Kanne in Fiesch (Kanton Wallis) gekocht hat. Die knusprigen Schäufele von seiner Hand laufen so gut, dass er oft kaum nachkommt – aber es ist halt eine Kunst, die Kruste so perfekt hinzukriegen. Dazu gibt’s natürlich Kartoffelklöße, Sauerkraut und eine wahrhaft hinreißende Soße.

Erste Biergartenfreunde kommen auch bei unzuverlässiger Witterung. Foto: Schönberger

Weitere fränkische Köstlichkeiten sind Rouladen: „original gefüllt, wie’s der Hofer mag“, erklärt Rainer Groh, Sülze und Presssack mit Zwiebeln, Remoulade und Bratkartoffeln, Bier-Brot-Suppe, Sauerbraten süßsauer eingelegt, Obatzda und Wurstsalat mit Brot und Butter, alles hausgemacht, versteht sich. Bierparfaits werden nur im Winter hergestellt. „Jeder Gast kann bei uns aber alles bestellen, worauf er gerade Appetit hat“, sagt der Küchenchef, „wir machen es möglich.“ Im Biergarten dürfen wie früher mitgebrachte Speisen verzehrt werden.

Fränkisch und authentisch soll es allerdings schon sein: „Pizza gibt’s beim Nachbarn“, sagt Rainer Groh, „sehr gute sogar, bei Lea in der Schleizer Straße. Hier mag ich so was nicht.“

Dass Biere aus dem Hofer Meinel-Bräu eine Kategorie für sich sind, hat sich herumgesprochen. Fünf Sorten gibt’s in Meinels Bas aus einer Art Bierbrunnen in Fassform: Gold lager, Pils, Hefeweizen, Dark Lager (mit Schokoladennote), Zwickl – und ständig kommen neue hinzu: Frühlingsweizen („Blümla“), Maibock, Mephisto (gebraut anlässlich Goethes Besuch in Hof 1806) oder der dunkle Doppelbock „Absolvinator“, benannt nach der Schülerverbindung „Absolvia“ von 1869, die sich in Meinels Bas im eigenen Saal trifft. Die tüchtigen und mittlerweile berühmten Braumeisterinnen Gisela und Monika Meinel-Hansen hatten 2012 mit dem ersten Frauenbier „HolladieBierfee“ Furore gemacht.

„Ich hab keinen roten Teppich“

„Gar vielen ist es nicht mehr neu – ein gutes Bier heißt Meinel-Bräu.“ Foto: Schönberger

Einmal kam der Bodyguard des damaligen Innenministers Günther Beckstein durch das Rundbogentor und fragte, ob noch Platz sei. „Ich hab aber keinen roten Teppich“, antwortete Rainer Groh, was der Minister amüsiert mitkriegte. Beckstein aß Leberknödelsuppe und – natürlich – Schäufele.

Etliche Vereine und Stammtische sind regelmäßig in Meinels Bas aktiv: von den Bas’isten, dem Mercedes Oldtimer-Stammtisch, VHS, dem Hofer Verschönerungsverein, der sich um den Bürgerpark Theresienstein kümmert, den Internetfreunden 60+ bis zur Hofer Behindertenszene HoBS: „Die sind am nettesten“, erläutert Rainer Groh, „die haben keine Handys, die reden alle noch direkt miteinander.“

Beliebt sind Biergartenfeste in Meinels Bas: etwa Musik (Oldies, Pfingstausklang, „Matze unplugged“, Karaoke, je nachdem). Fußballspiele werden auf Großleinwand gezeigt. Am 24. Juni wird zum 9. Male der „Brasilianische Abend“ gegeben – mit der zehnköpfigen Hofer Samba-Band „Abandonados“ und großen Kostümen.

Es ist 16.30 Uhr. Ein Bierkutscher vom Meinel-Bräu trinkt sein Feierabendbier. „Darauf sind wir stolz“, sagt Rainer Groh, „dass hier der Rechtsanwalt mit einfachen Leuten am Tisch sitzt, Bier trinkt und dass sie, wenn’s voll wird, zusammenrutschen.“

Lesen Sie hier alle Teile unserer Serie „Historische Wirtshäuser im Osten Bayerns“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht