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Region Cham
Mittwoch, 13. Dezember 2017 10

Bildung

Kötztingerin bei Treffen in London

Laura Hackl hat sich damit beschäftigt, wie der IS und die US-Army um Soldaten werben, und hat damit für Aufsehen gesorgt.
Von Stefan Weber

Laura Hackl vor der University of Arts in London: Hierhin wurde sie aufgrund ihrer Bachelor-Arbeit eingeladen. Foto: Hackl

Bad Kötzting.Es ist einer der wohl aufregendsten Momente in der noch jungen wissenschaftlichen Laufbahn der erst 21-jährigen Laura Hackl. Vor zwei Wochen bekam die Bad Kötztingerin Gelegenheit, ihre Bachelor-Arbeit vor internationalem Publikum beim Euprera-Kongress in London vorzustellen, an der University of Arts. Eine große Ehre, wie sie erklärt. Schließlich richte sich die Veranstaltung „vor allem an Doktoranden, Doktoren und Professoren, die im PR-Bereich tätig sind“.

Wie kommt eine Studentin dann zu so einem Treffen? Das liegt am Thema der Bachelorarbeit, das nicht ganz alltäglich ist – und durchaus provokativ. Sie hat nämlich verglichen, inwieweit sich die Anwerbe-Methoden der US-Army und der Terrormiliz Islamischer Staat gleichen und mögliche Ansatzpunkte finden.

Mit den Studenten ins Labor

Grundlage für den wissenschaftlichen Artikel, den sie mit ihrem Dozenten, der sie auch für das Treffen vorgeschlagen hatte, vorgestellt hat, war ein Experiment, das sie für ihre zweite Bachelorarbeit gemacht hat. „Ich habe Studenten ins PC-Labor geholt und denen dort jeweils ein Video gezeigt: entweder das IS-Video oder das der US-Army“, erklärt sie. „Beide Videos waren Rekrutierungsvideos der Organisationen, und ich habe dann dazu Fragen gestellt.“ Dafür seien vorab nicht nur einige Videos der US-Army analysiert worden, sondern auch Terrorpropaganda des Islamischen Staats.

Optisch nicht mit regulären Armeen vergleichbar: IS-Kämpfer Fotos: dpa

Das Thema lautete konkret: „Creative employer branding – Comparing the US-Army and ISIS“. Hört sich kompliziert an, bedeutet im Einzelnen aber, dass alle „Unternehmen“ eine „Arbeitgebermarke“ bilden, die beschreibt, welche Vorteile der Arbeitnehmer dort hätte. Das „Unternehmen“ – in diesem Fall egal ob Terrormiliz oder Armee – wolle sich von der besten Seite zeigen, um auf potenzielle Arbeitnehmer „anziehend zu wirken und sich gleichzeitig von konkurrierenden Unternehmen abzugrenzen“, sagt Hackl. Sie hat sich die Frage gestellt: „Wie motiviert man Menschen dazu, sich zu einer Terrororganisation zu bekennen? Was muss in diesen Videos stecken, um Interessenten anzuwerben?“

Zur Person

  • Herkunft:

    Laura Hackl ist in Bad Kötzting aufgewachsen und hier auch zur Schule gegangen. Sie ist 21 Jahre alt.

  • Bildung:

    2014 hat sie ihr Abitur am Benedikt-Stattler-Gymnasium gemacht. Danach hat sie in Wien das Studium der Publizistik und Kommunikations-Wissenschaften begonnen.

  • Studium:

    Noch vor dem Bachelor-Abschluss im ersten Studienfach hat sie einen zweiten Studiengang in Orientalistik begonnen.

  • Bachelor-Arbeit:

    Der ISIS-Army-Vergleich ist das Ergebnis der zweiten Bachelor-Arbeit, die laut österreichischer Studienordnung zum Abschluss im ersten Studiengang erforderlich ist. (wf)

Darstellungen von Hinrichtungen und Getöteten, Gewalt und Waffen, eine strenge, dschihadistische Ideologie, das seien alles Dinge, „die eigentlich abschreckend auf uns wirken“, sagt die Studentin. Doch genau diese Dinge würden in den Videos des IS genutzt, um Rekruten „anzuziehen“. Videos, Onlinemagazine, Twitter, Broadcasts und vieles mehr – das Repertoire, mit dem der Islamische Staat über soziale Netzwerke zu rekrutieren versuche, sei enorm. „Aber was sagt eigentlich die US-Army dazu? Rekrutiert die etwa mit den gleichen Mitteln?“ Das ist die Kernthese, die die Studentin in den Raum stellt.

Die US-Army muss sich etwas einfallen lassen, um Rekruten zu werben.

Nun, zumindest habe sie, ähnlich wie die Bundeswehr seit einigen Jahren, dasselbe Problem: Der Nachwuchs kommt nicht mehr von selbst, seit in den USA im Jahre 1973 die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Darum ist auch hier Kreativität gefordert, um neue Rekruten zu werben. Der berühmte „Uncle Sam“ auf Plakaten wurde mittlerweile abgelöst durch Kampagnen mit Slogans wie „Be All You Can Be“ (sei alles, was Du sein kannst), „Army of One“ (Die Armee des einen) oder „Army Strong“ (die starke Armee), und – wer kennt ihn nicht – Hollywood Blockbustern wie „Top Gun“.

So vergleicht man Unternehmen

Auch die Traumfabrik in Los Angeles greift gerne auf Fördermittel der Armee zurück, um Filme zu drehen, die die Army dann im besten Licht erscheinen lassen und attraktiv machen. „Mit der US-Army und dem IS stehen sich zwar zwei Organisationen gegenüber, die grundverschieden sind. In ihrer Art, Rekruten anzuwerben, aber mit gar nicht so verschiedenen Strategien am Werk sind“, lautet ihr Fazit. Normalerweise würden auf diese Art Strategien von Unternehmen wie Bahn und Lufthansa verglichen, nicht militärische Organisationen. Ein Ansatz, der „ziemlich gut ankam“ beim Kongress, wie sie sagt.

Bislang hatte sich die Bad Kötztingerin in Praktika eher mit Zeitungen und Fernsehen für die spätere berufliche Zukunft beschäftigt. Nach dieser Erfahrung kann sie sich vorstellen, auch in der Forschung zu bleiben – spannende Themen gebe es offensichtlich nicht nur im praktischen, sondern auch im theoretischen Bereich, sagt sie nach ihrer Beschäftigung mit dem Thema, das einen eher ungewöhnlichen Ansatz verfolgt hat.

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