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Region Franken
Samstag, 16. Dezember 2017 5

MZ-Serie

Diskretes Dinner beim Sternekoch

Historische Wirtshäuser: Nicht nur Wagnerianer schätzen die feine Küche im Schloss Neudrossenfeld. Heini Schöpf kocht.
Von Thomas Dietz, MZ

Sylvia Bergmann-Bruns und Sternekoch Heini Schöpf im Raum Bellevue von Schloss Neudrossenfeld. Der Arbeitseinsatz ist hoch: Das Servicepersonal im Garten kommt auf 15 000 Schritte pro Schicht. Foto: Gabi Schönberger

Neudrossenfeld.„Wer den Gontard-Saal im Schloss Neudrossenfeld betritt, wird von einer heiter-festlichen Farbigkeit umfangen ...“, liest man in dem Heft „Kunst im Schloss“, das die vier zarten und großformatigen Ölbilder des Künstlers Roland Schön (51) beschreibt. Er wurde in Creußen-Neuhof bei Bayreuth geboren und lebt hier in der Gemeinde Neudrossenfeld.

Doch bis man zum Deckengemälde mit seinen Putten und blumigen Landschaften emporschauen kann, ist man ja die große Treppe schon heraufgekommen und der Zauber dieses Ortes hat einen längst erwischt. Hier im Restaurant wirkt Sternekoch Heini Schöpf (52), ein Waldsassener, mit seiner Lebensgefährtin, der aparten Sylvia Bergmann-Bruns (48).

Kronleuchter und Deckengemälde: Für Hochzeitsfeiern ist dieser Saal ideal. Foto: Gabi Schönberger

Im Schloss gibt es ein hübsches Standesamt, Saal, Restaurant und Barockgarten sind für Hochzeiten bestens geeignet und die Chefin hat eine Menge Tipps für junge Brautpaare parat: „Die heiraten ja meist zum ersten Mal – wir machen das jede Woche.“

Auch dieses Schloss zwischen Kulmbach und Bayreuth hat eine bewegte Geschichte auf dem Buckel. Kein Geringerer als Reichsgraf Philipp Andreas Ellrodt (1707-1767) ließ das einstige Rittergut standesgemäß ausbauen – und die Heilige Dreifaltigkeitskirche gegenüber gleich mit. Sie gilt mit ihrem Kanzelaltar, den hölzernen Doppelemporen, Adelslogen und dem Deckengemälde des Schweizer Stuckateurs Jean Baptiste Pedrozzi als schönste Barockkirche weit und breit.

230 000 Gulden Schulden geerbt

Blick in der Barockgarten: Hier wird im Sommer komplett eingedeckt. Foto: Gabi Schönberger

Doch Ellrodt fiel in Ungnade und hinterließ seiner Frau 230 000 Gulden Schulden. Sämtliche Güter mussten verkauft werden, spätere bürgerliche Schlossbesitzer wechselten in rascher Folge und ließen das Haus mal umbauen, mal verfallen. In den 1990er Jahren wurde Schloss Neudrossenfeld von dem Bankier und Kunstmäzen Dr. Karl Gerhard Schmidt (80) erworben, der es aufwendig restaurieren ließ.

Ein Flügel der Anlage wurde als Restaurant hergerichtet – und stand zunächst unter einem trüben Stern. Die Pächter wechselten häufig, bis 2007 endlich Sternekoch Heini Schöpf kam: „Tja, die haben halt nur mit Personal gearbeitet. Wir sind von morgens bis abends auf den Beinen. Wer so ein Restaurant betreibt, darf keine Dollarzeichen in den Augen haben.“

Heini Schöpf, der von Hause aus Heinrich heißt, hat beim „alten Käfer“ (Gerd Käfer, 1932-2015) gelernt, kochte im Bayerischen Hof, bei Witzigmann im „Aubergine“, im Forsthaus Ilkahöhe, in der Kupferpfanne in Fürth und dem Jägerstüberl in Wunsiedel. Nach dem Prädikat „Aufsteiger des Jahres 1992“ des Gourmet-Magazins „Der Feinschmecker“ bekam Schöpf 1993 einen Michelin-Stern in Reims und hielt ihn „zehn Jahre am Stück“. Sein Kollege Christian Rach („Der Restauranttester“) war damals dabei.

Historische Wirtshäuser in Oberfranken

Dass die Küche im Restaurant Schloss Neudrossenfeld umwerfend ist, liegt ja wohl auf der Hand. „Seine Hummersauce ist überhaupt die beste“, sagt Sylvia Bergmann-Bruns. Auf der Karte finden wir etwa Feldsalat mit Speck und Brotchips, Thunfischtatar mit Kapernmayonnaise und Kartoffelspänen, Skrei (norwegischer Kabeljau) mit Kräutern oder Wiener Schnitzel mit Bratkartoffelsalat.

Zwar wird Kulmbacher Bier ausgeschenkt, aber Schöpf legt großen Wert auf erlesene Weine: „Früher, so vor 30 Jahren, sind wir noch durch die Keller im Piemont gekrochen, um vernünftige Weine zu kriegen“, berichtet er, „das ist jetzt viel leichter. Es gibt heute Spitzen-Rotweine aus Rheinhessen, aus Baden und der Pfalz. Da hätte man früher nur voller Mitleid abgewinkt.“

Eine Menge prominenter Gäste

Aber nicht nur die Weine sind besser geworden, findet Sternekoch Schöpf, auch die Lebensmittel. „Was mussten Sie früher für einen Aufstand machen, um Zitronengras zu bekommen. Das kriegen Sie heute alles auf dem Wochenmarkt oder in der Großmarkthalle.“ Es ist also auch leichter, sich besser, abwechslungsreicher zu ernähren.

In die Gaststube und ins weiße Bellevue passen nur je 40 Gäste, in den erwähnten Gontard-Saal 110. Da nicht sicher ist, ob die Rokoko-Umbauten wirklich Entwürfe des berühmten Architekten sind, steht auf der Tafel vorn am Schloss „vermutlich“.

Blick von der hochherrschaftlichen Treppe hinunter ins Erdgeschoss Foto: Gabi Schönberger

Die Räume bieten eine intime, behagliche Atmosphäre, die zur Festspielzeit besonders Gäste aus dem nur zehn Minuten entfernten Bayreuth anzieht. „Wir haben eine Menge Prominenz“, sagt Heini Schöpf, „Sänger, Schauspieler, Regisseure, die hier nicht auffallen.“ Am Nebentisch sitzen ungestört Nike Wagner oder Eva Wagner-Pasquier, Günter Verheugen oder einer der fünf Wirtschaftsweisen. „Nach jeder Premiere wird tüchtig gestritten“, sagt Sylvia Bergmann-Bruns, „aber immer nur im ersten Jahr.“

Im Sommer ist der schöne Barockgarten die Attraktion: Zwischen „Tanz-Linden“ und Kornelkirschenhecken wird komplett eingedeckt – ein Traum mit Fernblick. Oben aus dem Mansardenfenster schaut eine Porzellanmaske. Es ist der gute Geist, der verstorbene Hausmeister Herr Pöhner.

Lage des Restaurants im Landkreis Kulmbach:

Weitere Teile unserer Wirtshausserie finden Sie hier.

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