Drugstop-Aktion
Silhouetten für mehr Sichtbarkeit

09.03.2023 | Stand 09.03.2023, 10:31 Uhr |
Auf den Silhouetten hatten Betroffene ihre persönlichen Erfahrungen niedergeschrieben. −Foto: Grießhaber, Hell, Förtsch

Anlässlich des Internationalen Frauenkampftages hat die Organisation Drugstop Drogenhilfe Regensburg e.V. auf die Probleme von Frauen mit Suchterkrankungen aufmerksam gemacht.

Bei einer Aktion am Neupfarrplatz waren acht Holz-Silhouetten von Frauenkörpern zu sehen, auf die Betroffene ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Drogenkonsum niedergeschrieben hatten.

Macht und Vorurteile seien der Grund, warum Frauen in der Suchtszene anders behandelt werden, meinte Sozialarbeiterin Franziska Lechner. Sie arbeitet in der Organisation vor allem mit Frauen zusammen und kennt ihre Probleme ganz genau.

Schutzraum für Betroffene

Frauen hätten aufgrund ihres Geschlechts oftmals mit Stigmatisierung, Abhängigkeitsverhältnissen und Machtmissbrauch zu kämpfen. Seit zwei Jahren besteht deswegen ein frauenspezifisches Angebot im Kontaktladen des Vereins, bei dem der Laden nur für Frauen geöffnet ist. Die suchterkrankten Frauen sollen praktische sowie emotionale Unterstützung durch die angebotene Hilfe erfahren. Hierfür werden für die Suchterkrankten neben dem Kontaktladen, der Beratungsstelle und der Wohngemeinschaft auch Workshops wie Selbstverteidigung unter Anleitung angeboten. Vor allem soll hierbei auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass Frauen mit anderen Schwierigkeiten als Männer und mehr Leidensdruck zu kämpfen haben. Einmal wöchentlich kommen die Frauen für gegenseitige Unterstützung und Gespräche zusammen. So wird ein sicherer Schutzraum für die Betroffenen geschaffen.

„Obwohl das Thema das ganze Jahr über wichtig ist, bietet uns der Internationale Frauentag die Möglichkeit die Problematik an die Öffentlichkeit zu bringen.“, sagte Maria Heilmeier, die Leiterin des Kontaktladens. Berührt zeigte sie auf die Silhouetten, die sie eigenhändig mit den Betroffenen gestaltet hat. Die Aktion dient auch der Stärkung des Selbstwertgefühls und der Selbstbehauptung der Suchterkrankten, die sich dadurch gesehen fühlen sollen.

Bezahlbarer Wohnraum fehlt

Ein Problem sei laut Laura Kunkel auch, dass zu wenig bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehe. Sie ist bei Drugstop für den Bereich Wohnen verantwortlich und erkennt darin die größten Schwierigkeiten für die Konsumentinnen beim Wiederfinden eines geregelten Alltags. Ziel der Helferinnen vor Ort sei das Sichtbarmachen der Geschichten und schwierigen Erlebnisse – unter anderem von Prostitution, Missbrauch und Gewalterfahrungen. „Schockierend, in dem Ausmaß war mir das Problem nicht bekannt“, sagte ein Passant. Andere Befragte bestätigten, dass dieses Thema in der Gesellschaft oft untergehe und ihnen selbst zuvor nicht bewusst gewesen sei. Eine Wiederholung der Aktion sei laut den Mitarbeiterinnen nicht ausgeschlossen. Denn das schlechte Wetter habe viele Menschen ferngehalten.