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Regensburg
Mittwoch, 17. Januar 2018 11

Wohnen

Dieses Haus gehört sich selbst

Die Mieter in der Regensburger „Danz“ sind unabhängig von einem privaten Eigentümer. Am Samstag stellen sie ihre Idee vor.
Von Julia Ried

Hannah, Mia und Brip (von links) laden Interessierte am Samstag zum Infotag in der Danz ein. Foto: Ried

Regensburg.Die Bewohner der „Danz“ in der Konradsiedlung hätten es gern gesehen, wenn sie im Zuge der Erstellung des neuen Mietspiegels befragt worden wären. Dann hätten sie den Interviewern nämlich stolz erzählt, dass ihre Mieten gesunken sind. 250 Euro warm kostet ein 19-Quadratmeter-Zimmer in dem gemeinschaftlichen Wohnprojekt mit der Adresse Danziger Freiheit 5 im Monat – vorher waren es etwa 290, erzählt Bewohner Brip. Seinen bürgerlichen Namen möchte er nicht nennen, unter dem kenne ihn niemand.

Der 34-Jährige und seine neun Mitbewohner lassen am Samstag, 13. Januar, ab 17 Uhr Interessierte ins Haus – nach dem Regionaltreffen der bayerischen Projekte des „Mietshäuser-Syndikats“. Wer die Danz am Samstag besucht, kann sich also auch über Gemeinschafts-Wohnprojekte in anderen Städten informieren. „Wir nutzen die Gelegenheit, uns für interessierte Menschen zu öffnen“, sagt Brip. In der Danz seien aktuell keine Zimmer frei – aber die Bewohner wollen die Idee hinter ihrem Projekt weitertragen. Eine Nachahmer-Gruppe gibt es schon. Die Initiative „Alternative Wohnräume Regensburg“ sucht nach Angaben von Mitglied Matthias Kürzinger gerade ein Objekt in der Stadt, mit dem sie ins „Mietshäuser-Syndikat“ einsteigen will.

Ein „Kompromiss zwischen Besetzung und Mietwohnung“

Das „Mietshäuser-Syndikat“ hat seinen Ursprung in der Freiburger Hausbesetzerszene. Anfang der 1980er Jahre gründete sich in der Stadt im Breisgau ein Verein, dessen Mitglieder es sich zum Ziel gesetzt hatten, Gebäude dauerhaft dem Immobilienmarkt zu entziehen. Heute gibt es deutschlandweit mehr als 120 solcher Projekte, in Bayern sind es vier.

Eine davon ist die Danz, die im Februar 2012 in ihrer jetzigen Form gegründet wurde. Brip beschreibt sie als „selbst verwaltetes und selbstorganisiertes Hausprojekt“. „Das heißt konkret, das niemandem von uns das Haus gehört. Das heißt, das Haus gehört sich selbst.“ Das ist zumindest das Ziel. Denn noch ist es nicht abbezahlt. Offiziell ist eine Hausbesitz-GmbH Eigentümerin, die „Mietshäuser-Syndikat GmbH“ ist Gesellschafterin. Zwar halten es die Danz-Bewohner für einen Widerspruch, „einerseits kapitalistische Strukturen und Verhaltensweisen abzulehnen und andererseits ein Haus zu kaufen, statt es zu besetzen“, wie sie auf ihrer Internetseite schreiben. Doch sei das Syndikats-Modell ein „mehr als annehmbarer Kompromiss zwischen Besetzung und Mietwohnung“.

In der Danz wohnen Menschen zwischen Anfang 20 und Mitte 40, Studenten, Berufstätige und Lebenskünstler, so bezeichnet sich Brip. Dass ihre Mieten gesunken sind, während die Durchschnitts-Mieten stetig steigen, liege daran, dass das Geld für das Haus nicht nur von den Bewohnern kommt, sondern auch „von denen, die es haben“. Dazu zählen Freunde und Familienmitglieder, aber auch Sympathisanten. Und die Unterstützer haben sich in den vergangenen Jahren als großzügig erwiesen.

Wer die Danz am Samstag besuchen möchte, soll sich unter der E-Mail-Adresse post@die-danz.org anmelden.

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