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Wohnen

Die Stadt machte das „Hotel Adler“ dicht

Die letzten sieben von 46 Mietern der skandalösen Unterkunft in der Grasgasse 6 sind gegangen. Der Inhaber Erhard Adler tobt.
Von Helmut Wanner, MZ

Die Grasgasse 6 markiert ein weiteres Kapitel in der unendlichen Geschichte provokativer Adler-Immobilien. Foto: MZ-Archiv/Wanner

Regensburg.Zwar stehen noch drei Paar Schuhe zum Lüften auf den Fensterbrettern im Haus mit der giftgrünen Fassade in der Grasgasse 6. Doch die wird keiner mehr anziehen. Das „Haus Adler“ hat geschlossen. Das verschimmelte Hotel, in dem zu wohnen die Gesundheit gefährdete, ist seit Wochen verriegelt. Wie berichtet, hatte Adler dafür bis zu 200 Euro pro Nase im Monat von den Arbeitsmigranten aus Südosteuropa kassiert. Der Fall machte bayernweite Schlagzeilen.

Wie jetzt bekannt wurde, zogen die letzten sieben von ursprünglich 46 Mietern freiwillig aus. Zwei zogen in die Obdachlosenunterkunft in der Taunusstraße. „Wo die anderen Mieter untergekommen sind, ist nicht bekannt“, teilt Rolf Thym von der Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. „Sie wurden von den Mitarbeitern der Beratungsstelle für zugewanderte Familien aus Südosteuropa (HAJDE) mit Kontaktdaten für den Strohhalm und Hinweisen auf Bulgarisch für die Wohnungssuche versorgt.“

Mit der ganzen Welt im Streit

Ein bulgarischer Mieter hält den Schriftverkehr in die Kamera. Foto: MZ-Archiv/Wanner

Das war das Ende einer monatelangen Auseinandersetzung zwischen Realitätenbesitzer Erhard Adler und der Stadt. Bäckermeister Adler ist amtsbekannt. Seit Jahrzehnten tanzt der Mann aus Reinhausen mit seinen Ruinen Lindnergasse 1 und 3, dem ehemaligen Donau-Café, der Stadt auf der Nase herum. Der 68-Jährige ist mit der ganzen Welt im Clinch. Er trägt seine Justizbilanz wie eine Standarte voran: 94 Prozesse, 16 Geschäfte geschlossen, angefangen beim Christkindlmarkt bis hin zur Königlich-bayerischen Dampfeisenbahngesellschaft. Und nun auch sein „Hotel Adler“.

Die Stadt hatte dem Besitzer des Hauses Grasgasse 6 bereits per Bescheid vom 13. Dezember die Nutzung als Wohnheim untersagt. Danach wurde die Nutzung des 1. und 2. Obergeschosses des Gebäudes als Wohnraum bzw. zu Aufenthaltszwecken bis spätestens 31. Januar untersagt. Parterre hat Adler an einen Casino-Betreiber und eine Shisha-Bar vermietet.

Treppenaufgang im „Hotel Adler“ Foto: MZ-Archiv/Wanner

Adler hielt sich nicht an die behördlichen Anordnungen. Bei einer Baukontrolle am 1. Februar gegen 9 Uhr stellten die durch Polizisten der Inspektion Regensburg-Süd begleiteten Beamten fest, dass in den beiden Obergeschossen immer noch mindestens 15 Personen aus Südosteuropa hausten. Mit Bescheid vom 6. Februar wurde daraufhin das bereits angedrohte vierstellige Zwangsgeld aus dem amtlichen Schreiben vom 13. Dezember festgesetzt. „Es wurde für den Fall, dass die Nutzungsuntersagung erneut nicht bis 1. März umgesetzt ist, ein erneutes Zwangsgeld in fünfstelliger Höhe angedroht“, teilt die Stadt mit.

Wohnen auf eigenes Risiko

  • Lage:

    Ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt von Schloss St. Emmeram, Dom St. Peter und der Römermauer liegt das verschimmelte „Hotel“ der heimlichen Arbeitsmigranten aus Südosteuropa. „Betreten und Wohnen auf eigenes Risiko, keine Haftung.“ Es ist eine der berüchtigten Adler-Immobilien. Lindnergasse 1 und 3 rotten seit 1994 vor sich hin und präsentieren sich den Touristen als Brandruine. Seit Jahren ist auch die Adresse Grasgasse 6 amtsbekannt.

  • Bewohner:

    Seit der Aufhebung des Wohnungsaufsichtsgesetzes im Jahr 2005 sind der Kommune die Hände gebunden. 46 Mieter wohnten hier auf zwei Etagen in Wohnungen mit einem Standard, für die sich in Regensburg kein Mieter finden würde. Jedes Zimmer war doppelt und dreifach belegt. Die Bewohner waren in der Hauptsache Bulgaren und einige Rumänen, die sich als Tagelöhner im Hafen oder bei Leiharbeitsfirmen verdingen. 200 Euro pro Nase verlangte Adler, sagte der Dolmetscher der Mieter. Die Südosteuropäer blieben dennoch. EU-Ausländer brauchen für die Arbeitsgenehmigung eine Wohnadresse. Erhard Adler konnte sich deswegen als Wohltäter fühlen und tat es auch.

Von diesem Zeitpunkt an schaute die Behörde wöchentlich in der Grasgasse 6 vorbei. Bei einer Baukontrolle am 7. Februar waren noch ca. 15 Personen in den Obergeschossen. Nicht die „Hotel“-Türen, nur das Kaltwasser hatte Adler abgesperrt. Wegen seiner Unbelehrbarkeit erwog die Verwaltung das letzte Mittel einer Zwangsräumung. Dazu kam es aber nicht, weil beim erneuten Termin am 17. Februar die letzten seiner 46 „Mieter“ freiwillig das Haus verlassen hatten.

Neue Beleidigungen und Drohungen

Was geschieht jetzt mit der Immobilie Grasgasse 6? Dazu kann die Stadt Regensburg keine Auskünfte geben. Erhard Adler wollte auch nicht zur Aufklärung beitragen. Am Telefon überschüttete er unser Medienhaus ansatzlos mit einem Schwall von Beschimpfungen und Drohungen.

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