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Wirtschaft
Montag, 18. Dezember 2017 1

Serie

Der Mann mit dem guten Riecher

Mit einem Gewürzstand in Amberg fing Erich Biller an. Heute produziert sein Unternehmen für Kunden in der ganzen Welt.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Die Qual der Wahl: Rund zehn bis 15 neue Gewürz- und Teemischung lässt sich Erich Biller jedes Jahr einfallen.Foto: Stöcker-Gietl

Schnaittenbach.Mit einem Sonnenschirm, einer geliehenen Bierbank und selbstgenähten Säckchen – so begann vor 35 Jahren die Geschichte des Familienunternehmens Biller Naturmittel – auf dem Amberger Wochenmarkt. Erich Biller, ein gebürtiger Schnaittenbacher, hatte weißen Tee kaufen wollen – so wie er ihn aus München kannte, wo er als Verlagskaufmann arbeitete. Doch weder auf dem Wochenmarkt noch in der Apotheke hatte er Glück. „Da bin ich schnurstracks ins Rathaus und habe mich um einen Kräuterstand auf dem Marktplatz beworben.“ Aus dem kleinen Stand mit 16 Produkten ist ein international tätiges Unternehmen geworden. Die Abnehmer für Billers Gewürz- und Teemischungen kommen heute aus aller Welt. Fünf bis zehn Tonnen Zutaten werden täglich angeliefert und genauso viele Mischungen verlassen täglich das Werk in Schnaittenbach (Lkr. Amberg-Sulzbach).

Das Kochen liegt ihm im Blut

Bengalisches Tiger-Curry, Rosensalz, Arabisches Kaffeegewürz, Tees, die nach Blutorange oder Pinacolada duften, Gewürzmischungen für Reis-, Nudel-, Fleisch- und Quarkzubereitung – über 2000 Produkte hat das Unternehmen im Angebot. Im Trend liegen derzeit fruchtige Currymischungen, Dips und Kräutertees. Viele seiner Produkte hat Erich Biller selbst entwickelt. Zehn bis 15 neue Mischungen sind es jedes Jahr. Das Kochen liegt ihm im Blut, sagt er. Schon als 15-Jähriger verpflegte er im Feldlager bis zu 70 Pfadfinder. Heute kocht er nicht nur für die Familie, sondern auch für seine Mitarbeiter. Sie sind die Vorkoster. So kann es schon mal vorkommen, dass es an einem Tag mehrmals denselben Kräuter-Quarkdip zu testen gibt, bis Erich Biller und seine Mitarbeiter zufrieden sind. Und manchmal kann es nicht nur Tage, sondern ein ganzes Jahr dauern. So viel Zeit nahm die Entwicklung des neuesten Produktes „Jo-Guad“ in Anspruch – Joghurtkulturen, die mit Wasser angesetzt zu Joghurt werden. In diesem Jahr hat Biller auch erstmals eine Chilischoten-Plantage in Hirschau angelegt – für die neue Produktlinie BBC Chilispezialitäten.

Anfragen für die Gewürzmischungen, die allesamt in Bio-Qualität und ohne künstliche Glutamate hergestellt werden, kommen bis aus Australien und Asien, wo Biller Großhändler beliefert. In Deutschland und Österreich ist der Oberpfälzer mit dem guten Riecher auch immer noch selbst auf Wochenmärkten, auf Volksfesten, dem Münchner Tollwut und der Regensburger Dult unterwegs. In der Weihnachtszeit hat Biller 15 Stände – unter anderem auf den Christkindlmärkten im Fürstlichen Schloss und am Neupfarrplatz in Regensburg, auf Schloss Guteneck und am Stadtplatz Schwandorf – und beliefert weitere 600 Märkte mit seinen Produkten.

In diesem Jahr hat das Unternehmen eine eigene Bio-Chilischoten-Plantage in Hirschau errichtet – für die neue Produktlinie BBC.Foto: Biller

Rund zehn Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen im Jahr. Der Betrieb hat eine Produktionsfläche von 10 000 Quadratmetern. Große Lagerhallen werden nicht betrieben, denn Biller will, dass seine Gewürze frisch bei den Kunden ankommen. Produziert wird im schonenden Überkopfverfahren, um die ätherischen Öle zu erhalten. Anfangs bezog Biller seine Zutaten von einem Großhändler in Würzburg, heute ist er beim Einkauf international aufgestellt. Den Exportminister von Madagaskar kennt er persönlich. Im Home-Shopping-Kanal HSE24 kocht Biller regelmäßig vor zigtausenden Fernsehzuschauern mit seinen Mischungen. Einmal, so erzählt er, habe man eine Aktion abbrechen müssen, weil die Zuschauer so große Lust auf die Gerichte mit Billers Gewürzbrühe hatten, dass sämtliche Bestände innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren.

Ehrlichkeit, Beständigkeit, Fleiß

Als Jungunternehmer mit Anfang 20 habe er eine solche Entwicklung nicht vorhergesehen. Auch sein Vater habe nicht glauben können, dass man mit einem Gewürzstand Geld verdienen kann, erzählt er im Gespräch mit unserem Medienhaus. „Bis ich ihm einmal die Tageseinnahmen auf den Tisch gelegt habe.“

Schon kurz nach dem Start stieß mit Bruder Hans ein weiteres Familienmitglied zum Betrieb – und blieb. Heute sind auch die Ehefrauen, Kinder und deren Ehepartner im Geschäft, dazu rund 60 Mitarbeiter, in der Weihnachtszeit sogar bis zu 100 Beschäftigte. Seinen vier Kindern will Biller neben einer naturverbundenden Lebensweise vor allem die Tugenden Ehrlichkeit, Beständigkeit und Fleiß mit auf den Weg geben. „Dann kann einem nichts Schlimmes im Leben passieren, denn man hat immer Freunde und Geld.“ Auch mit seinen Mitarbeitern pflegt Erich Biller einen familiären Umgang und er verrichtet auch alle Arbeiten, die in seinem Unternehmen anfallen. „Und wenn das Klo geputzt werden muss, dann greife ich zur Klobürste. Man kann von seinen Mitarbeitern nur das erwarten, was man auch bereit ist selbst zu tun.“

Rund 200 Tage ist Erich Biller unterwegs und oft auch persönlich an seinen Ständen anzutreffen. „Aus dem Kontakt zu den Kunden lerne ich.“ Seine Arbeitstage beginnt er spätestens um 5.30 Uhr gemeinsam mit Bruder Hans. Wochenenden, Feiertage – das alles kennt Biller nicht. Seinen nächsten freien Tag, so sagt er, hat er am 25. Dezember. „Am Heiligen Abend müssen wir noch die Stände auf den Christkindlmärkten abbauen.“

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