Regensburger Volksfest
Auf dem Dultplatz liegt Vorfreude in der Luft

14.08.2022 | Stand 15.09.2023, 4:05 Uhr
Hier wächst das Bierdorf: Stefan Kübler (rechts) mit seinen Helfern beim Aufbau. −Foto: Fotos: Nico Nelz

Die Herbstdult steht an. Die Schausteller und Wirte bereiten gerade das Volksfest vor – und trotzen Corona-Krise und Personalmangel.

Jetzt stehen erst drei halb-errichtete Bierzelte auf dem Dultplatz. Dazwischen ist die Vorfreude spürbar.Fertig aufgebaut ist lediglich ein Kinderkarussell. Schausteller mit größeren Fahrgeschäften wie dem Riesenrad müssen noch warten, erst einmal sind die Zelte dran. Ganz zum Schluss füllen Schießbuden und andere kleine Stände die restlichen Lücken. Doch noch geht es ruhig zu.

Zwischen Anhängern und Lastern steht ein kleiner Wohnwagen mit einer bunten Glastür. Aus dem Eingang streckt ein Dackel seine Nase in die Sonne. Gleich hinter Hund Otto steht sein Frauchen Hanneliese Lindner und beobachtet die Bauarbeiter, die über den Platz marschieren. Sie betreibt schon seit mehr als 60 Jahren den Autoscooter auf der Dult und freut sich jedes Jahr aufs Neue, in Regensburg ihr Fahrgeschäft aufzubauen.

Es fehlt an Personal

Doch die Vorfreude ist in diesem Jahr getrübt: Auch auf der Dultmacht sich der Personalmangel bemerkbar. „Ich habe nur einen Mann und einen Kran sowieso nicht“, sagt die 83-Jährige. Früher hätten sich immer genug Menschen gefunden, die beim Aufbau helfen. Jetzt drängt die Zeit; noch genügend Arbeiter zusammen zu trommeln, ist mühsam. „Und den wenigen Helfern, die da sind, muss ich mehr zahlen“, sagt Lindner. Auch der Gedanke an den Abbau stresst sie, denn sie hat nur vier Tage Zeit, bis der Autoscooter auf der Wiesn stehen muss.

Aller Schwierigkeiten zum Trotz: Hanneliese Lindner und Otto können die Dult kaum erwarten. Sie erzählt, wie oft sich die Gäste bei der diesjährigen Maidult bei ihr dafür bedankt haben, dass sie endlich wieder Autoscooter fahren durften: „So viel Trinkgeld habe ich noch nie bekommen“, sagt sie.

Unter den Erstankömmlingen auf dem Dultplatz befindet sich auch Walter Metzger.Er ist der Oberpfälzer Vorsitzende des Bayerischen Landesverbandes der Marktkaufleute und Schaustellerund hastet schon lang vor Beginn der Herbstdult über den Platz. Ihm liegt die Regensburger Dult am Herzen, denn sie ist für ihn Familiensache. Jahr für Jahr seien es dieselben Mitarbeiter mit Anhängern und Fahrgeschäften, die sich auf dem großen Platz nördlich der Donau versammeln. „Das verbindet“, sagt Metzger. Auch des Geldes wegen könnten viele die erste Herbstdult seit der Corona-Pause kaum erwarten. Denn viele Schausteller seien stark verschuldet. „Eine oder zwei Dulten bringen das Geld allerdings nicht wieder rein“, sagt Metzger und erzählt, dass 20 Prozent der Händler ihr Geschäft aufgeben mussten. Viele von ihnen hätten umdisponiert und seien jetzt Lkw-Fahrer oder Kassierer. Auf der Dult zu arbeiten, könnten sie sich nicht mehr leisten.

Auch wegen der Sperrung der Oberpfalzbrücke ist Metzger verärgert. Denn einige Besucher müssten nun lange Umwege auf sich nehmen, um auf die Dult zu kommen. „Ich bin echt stolz auf die Oberpfälzer“, sagt er. Denn statt mit ihren Autos die Straßen zu verstopfen, seien viele schon bei der Maidult mit dem Rad gekommen. Dennoch wünscht er sich für die Herbstdult eine Lösung seitens der Stadt: Er hofft, dass die Brücke für Fußgänger wieder geöffnet wird.

Nicht weit vom Wohnwagen mit der bunten Glastüre befindet sich Kübler’s Bierstüberl. Stefan Kübler steht auf einer Leiter und überprüft das Dach. Seine Familie trinkt vor dem Wohnwagen einen Kaffee. Sie sind stolz auf ihr kleines Reich. Kübler sagt: Hier spiele Gemütlichkeit eine besonders große Rolle, das schätzten die Gäste. Die könnten die Herbstdult kaum erwarten, glaubt Kübler.

Familie kam vor der Dult

Er erzählt: „Die Vorfreude einer Familie war so groß, dass sie uns beim Aufbauen zusehen wollte.“ Für Kübler hat die Herbstdult vor allem einen Zweck: „Hier gehen die Leute hin und lassen ihre persönlichen Probleme daheim. Volksfeste sind Deutschlands größtes Antidepressivum.“