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Die Bühne liegt ihr im Blut

Die Schauspielerin und Kabarettistin Constanze Lindner improvisiert bei Auftritten gern – und sucht Kontakt zum Publikum.
Von Alois C. Braun

Constanze Lindner kommt mit ihrem neuen Programm „Miss Verständnis“ im Mai und Juni nach Regensburg. Foto: Martina Bogdahn
Constanze Lindner kommt mit ihrem neuen Programm „Miss Verständnis“ im Mai und Juni nach Regensburg. Foto: Martina Bogdahn

München.Hintersinniges Kabarett mit Lachgarantie: Dafür steht Constanze Lindner. Sie überzeugt aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch als Schauspielerin („Spezlwirtschaft“, „München 7“), Moderatorin („Vereinsheim Schwabing“) und Synchronsprecherin in erfolgreichen Filmen wie etwa „Cars 2“ oder „Ritter Rost“.

„Den Hang zur Kunst habe ich mit der Muttermilch eingesogen“, erzählt Constanze Lindner überzeugt, wenn sie auf ihre künstlerischen Wurzeln angesprochen wird. „Meine Mutter war eine Redakteurin, die unter anderem auch für „Blacky“ Fuchsberger tätig war, und mein Papa war Regisseur. Er arbeitete für Sendungen wie ,Geld oder Liebe‘ und ,Stars in der Manege‘“, erklärt sie weiter und lacht: „Mein Weg war also vorgezeichnet.“

Lindner bevorzugt keinen ihrer verschiedenen Jobs: „Das alles gehört für mich zusammen. Vor allem ist es immer wieder ein großer Moment, vor Publikum aufzutreten, da ist alles absolut pur und direkt. Live-Sendungen machen mir riesigen Spaß.“ Kein Wunder, dass da auch die Sendung „Vereinsheim Schwabing“ wie geschaffen für die 45-Jährige ist. „Das ist eine ganz spannende Form der Arbeit, denn es geht darin nicht um mich, sondern darum, dass sich die auftretenden Künstler wohlfühlen. Es ist ein Riesenkompliment, wenn alle immer wieder gerne in die Sendung kommen.“

Vorliebe für schräge Figuren

2016 wurde Constanze Lindner beim Bayerischen Kabarettpreis mit dem Senkrechtstarter-Preis geehrt. Foto: Tobias Hase/dpa
2016 wurde Constanze Lindner beim Bayerischen Kabarettpreis mit dem Senkrechtstarter-Preis geehrt. Foto: Tobias Hase/dpa

Allerdings sei es schon eine Herausforderung, alles zu koordinieren: „Man muss sich selbst zurücknehmen, das Livepublikum vor Ort unterhalten, die Künstler präsentieren und auch noch mit der Kamera agieren, damit es zuhause gut ankommt“, erklärt sie. Dass Constanze Lindner das alles bravourös meistert, wissen die vielen Stammzuschauer nur zu gut. Und auch zum Synchronsprechen hat sie einen besonderen Bezug. „Ich spreche wahnsinnig gerne Zeichentrickfilme, vor allem wenn es schräger wird und kleine Monster im Spiel sind, bin ich gerne dabei“, lacht sie.

Geboren wurde die Kabarettistin in München, genau gesagt im Schwabinger Krankenhaus. „Groß geworden bin ich dann in der Schellingstraße“, blickt sie zurück. Mit 17 Jahren wollte sie jedoch die große, weite Welt entdecken, zog zunächst nach Hamburg. Als sie sich in einen Kanadier verliebte, ging sie 1996 für vier Monate nach Übersee. Immer noch hört man Begeisterung in ihren Worten, wenn sie von einem besonderen Erlebnis in dieser Zeit auf Southspring Island erzählt. „Eines Tages sah ich dort zum ersten Mal einen Wal. Ich war absolut sprachlos. Zunächst hatte ich gedacht, sein Rücken wäre nur eine der zahllosen Inseln gewesen.“ Letztendlich habe es sie aber trotz wunderbarer Erlebnisse immer wieder in die bayerische Heimat zurückgezogen. „Wir haben es schon schön hier“, fasst sie ihren Bezug zu Bayern zusammen.

Mit der Schule sei sie immer auf Kriegsfuß gewesen, sagt Lindner. „Die Mittlere Reife habe ich nach mehreren Schulwechseln aber noch hingekriegt. Ich konnte mich in dieses System Schule einfach nicht einordnen, hatte zu viel Fantasie und war ein totales Früchtchen.“ Erst eine Privatschule brachte Besserung: „Da war es familiär und das hat funktioniert.“

Mit der „Spezlwirtschaft“ von Helmut Schleich kam 2005 dann endgültig die Lust auf Film und Publikum. Es folgten Auftritte in „Die Komiker“, den „Wickie“-Filmen oder „Altinger Mittendrin“. 2013 startete das erste Kabarett-Soloprogramm „Es wird geStanzt heut Nacht“. Für den Fall, dass die Karriere einen Knick bekommen sollte, hat Constanze ihr „Plan-B-Köfferchen“, wie sie sagt. Zukunftsangst kenne sie deshalb nicht: „Wenn es in dieser Form einmal nicht mehr laufen sollte, dann fällt mir bestimmt etwas anderes ein. Davor habe ich keine Angst.“ Einschränkend fügt sie hinzu: „Das heißt nicht, dass ich nicht auch manchmal Selbstzweifel habe. Aber ich weiß von früher, dass ich mit schwierigen Situationen umgehen kann.“

Ihre Erfolge als Kabarettistin haben die Münchnerin inzwischen durch ganz Deutschland geführt. Ende März startet Constanze Lindners neues Programm „Miss Verständnis“, vom 29. Mai bis 1. Juni gastiert sie damit im Statt-Theater Regensburg. Es soll nicht allzu viel darüber verraten werden, außer, dass man den typischen hintersinnigen Humor finden und sich wieder köstlich amüsieren wird.

Ein Ratsch mit dem Publikum

Der Titel ist, leicht erkennbar, ein Wortspiel, das fortgeführt wird. „Ich bin in diesem Programm auch die Miss Lungen und die Miss Glück“, erklärt Lindner. Im echten Leben sei sie manchmal ein zu verständnisvoller Mensch und auch eine unglaubliche Optimistin. „Bei mir sind die Gläser immer halb voll. Diese Einstellung trägt mich aber durchs Leben.“

Ganz wichtig sei ihr die Spontanität bei den Auftritten. „Es kann schon passieren, dass bereits die erste Hälfte des Programms 15 Minuten überzogen wird, wenn sich was entwickelt. Ich habe immer Platz für Improvisation, denn solche Momente sind unwiederbringbare Sternstunden für mich und das Publikum.“

Die MZ-Kulturkantine

  • Verlosung:

    Constanze Lindner tritt am 26. Juni um 19 Uhr im Verlagsgebäude des Mittelbayerischen Medienhauses auf. Wer die Kabarettistin live erleben möchte, registriert sich bis 16. April unter www.mittelbayerische.de/gewinnspiel/kulturkantine oder ruft am Mittwoch unter 0 13 79-88 58 17 (0,50?/Festnetzanruf; Mobilfunk ggf. abweichend) an. 30 Teilnehmer werden ausgelost.

  • Aktion:

    Die MZ-Kantine ist ein Dankeschön an treue Leser, die im Besitz einer MZ-Clubcard sind. Weitere Informationen gibt es unter www.mittelbayerische.de/club

Nicht erst seit dem Thurn und Taxis Kabarettpreis 2014 hat sie einen besonderen Bezug zu Regensburg. „Ich mag es sehr, am Morgen nach dem Auftritt durch die Stadt zu schlendern. Außerdem passiert bei den Auftritten hier meist etwas Besonderes.“ So etwa, als sie einst die Vorpremiere eines Programms spielte und einen Zuschauer in der ersten Reihe in ihrem Textbuch mitlesen ließ. „Er sollte bei etwaigen Texthängern helfen, konnte aber meine Schrift nicht lesen“, lacht Constanze Lindner über diese nur teilweise geglückte Aktion. Immer noch nutzt sie aber jede Gelegenheit, um mit ihrem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen. „Da ich vor dem Auftritt nervös bin, geh ich immer raus zu den Leuten und ratsche mit ihnen. Das hilft mir und die Besucher freuen sich, dass ich mir Zeit für sie nehme.“

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