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Ein typisches Kind vom Münchner Land

Lisa Maria Potthoff ist als Susi aus den Eberhofer-Krimis bekannt. Die Schauspielerin mag kantige Figuren mit Charakter.
Von Alois C. Braun

Lisa Maria Potthoff bezeichnet sich als „Bayerin mit Migrationshintergrund“. Die Schauspielerin ist in Berlin geboren, aber ab dem zweiten Lebensjahr in der Nähe von München aufgewachsen. Inzwischen lebt sie aber wieder in der Hauptstadt. Foto: Felix Hörhager/dpa
Lisa Maria Potthoff bezeichnet sich als „Bayerin mit Migrationshintergrund“. Die Schauspielerin ist in Berlin geboren, aber ab dem zweiten Lebensjahr in der Nähe von München aufgewachsen. Inzwischen lebt sie aber wieder in der Hauptstadt. Foto: Felix Hörhager/dpa

Regensburg.Lisa Maria Potthoff ist seit vielen Jahren in den unterschiedlichsten Filmrollen zu sehen. Ihren ersten „Tatort“ spielte sie bereits 2003 und als Susi in den erfolgreichen Eberhofer-Krimis wurde sie wohl endgültig einem breiten Publikum bekannt. Am 23. April ist sie als Sarah Kohr in „Mord im alten Land“ im ZDF zu sehen. Dieser Film ist quasi die Fortsetzung von „Der letzte Kronzeuge“ aus dem Jahr 2013. Potthoff sagt über diese Rolle: „Es gibt im deutschen Fernsehen kaum Ermittlerinnen, die auch körperlich agieren und weniger verbal argumentieren. Sarah Kohr dagegen haut einem Typen auch mal aufs Maul.“

Die Schauspieler Simon Schwarz (v.l.n.r.), Lisa Maria Potthoff und Sebastian Bezzel bei der Premiere des Films „Schweinskopf al dente“ – einer der Eberhofer-Krimis. Foto: Ursula Düren/dpa
Die Schauspieler Simon Schwarz (v.l.n.r.), Lisa Maria Potthoff und Sebastian Bezzel bei der Premiere des Films „Schweinskopf al dente“ – einer der Eberhofer-Krimis. Foto: Ursula Düren/dpa

Das Krimiformat an sich sei ziemlich auserzählt, deshalb müsse sich das Fernsehen an der Konkurrenz, wie etwa Netflix, orientieren und moderner geben. Sie führt aus: „ Ich spiele gerne solche Charaktere. Die Figuren in den Eberhofer-Krimis sind ja ebenfalls kantig und nicht reingewaschen. Auch die Susi hat ja etwas Unsympathisches an sich.“

Geboren wurde Lisa Maria Potthoff in Berlin. „Meine Eltern kommen eigentlich aus dem Norden Deutschlands. Als ich etwa zwei Jahre alt war, sind wir nach Neubiberg bei München gezogen.“ Die Schauspielerin bezeichnet sich als typisches Münchner-Land-Kind. „Ich bin so etwas wie eine Bayerin mit Migrationshintergrund“, lächelt sie. „Meine Sozialisierung ist klar münchnerisch geprägt. Hier ist auf jeden Fall meine Heimat.“

Hier sehen Sie den Trailer zum neuen Eberhofer-Krimi „Sauerkrautkoma“:

Die Mutter von zwei Kindern, drei und acht Jahre alt, wohnt zwar zwischenzeitlich wieder in Berlin, kommt aber auch privat noch oft nach Bayern. „Meine Eltern und auch Freunde leben noch hier.“

Aber zurück zu ihrem Werdegang. Bereits während der Kollegstufenzeit am Gymnasium begann sie ab und zu vor der Kamera zu stehen. „Ich war quasi noch absoluter Laie, als ich mit 17 Jahren das erste Mal drehte“, blickt sie zurück. „Aber mir war damals schon klar, dass ich Schauspielerin werden wollte und dass ich das aber auch fundiert lernen müsse. Ich wollte immer genau wissen, was ich da tue.“ Bereits drei Monate nach dem Abi lernte sie an einer privaten Schauspielschule in München ihr Handwerk von Grund auf.

Zeit für Langeweile

Ihre Eltern unterstützten ihr einziges Kind von Anfang an bei der künstlerischen Entwicklung. Lisa Maria Potthoff erzählt: „Vor allem meiner Mutter war es immer wichtig, dass Kreativität sehr früh gefördert wird. Langeweile ist dabei ein wichtiger Teil der Entwicklung. Ein Kind sucht sich Beschäftigung, wenn es sich langweilt, lässt der Fantasie freien Lauf.“ Ihre Mutter habe sie beim Spielen und in ihrer Gedankenwelt möglichst nicht gestört. Die aktuelle Situation vieler Kinder sei furchtbar. „Sie werden nur noch entertaint und auf der anderen Seite zu Höchstleistungen erzogen. Geigen- und Klavierunterricht hier, ein Workshop da und dann noch Ballettstunden“, schüttelt sie den Kopf. „Die Kinder können sich nicht mehr selbst entfalten.“ Sie nimmt auf dem Tisch stehende Zuckertüten in die Hand. „Schau her, würde ein Kind jetzt hier sitzen, ohne iPod oder Handy, dann würde es sich mit diesen Tütchen beschäftigen und etwas daraus machen.“

Allerdings gibt sie auch zu, dass es in der modernen Welt nicht so einfach ist, sich gewissen Dingen zu verschließen. „Ich bin in der Erziehung sicher nicht so konsequent, wie meine Mutter das war. Sie hat das ganz toll gemacht“, nickt sie nachdenklich anerkennend. „Ich entkomme dem modernen Erziehungsrhythmus natürlich nicht ganz. Aber ich muss auch nicht alles mitmachen, die Kinder drei Instrumente und vier Fremdsprachen lernen lassen. Meine Kinder haben für aktuelle Verhältnisse sehr wenig ‚Nachmittagsalarm‘, sondern Zeit für sich“, lacht die 39-Jährige. „Ich erinnere mich, dass wir als Kinder sehr viel draußen gespielt haben und dann spätnachmittags das Geräusch heruntergelassener Rollläden das Zeichen war, nach Hause zu gehen.“

In der MZ-Kulturkantine stellen wir bayerische Künstler vor. Einen Überblick finden Sie in unserer Bildergalerie:

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Lisa Maria Potthoff spricht offen und mit viel Witz. So sagte sie in früheren Interviews schon mal ironische Sätze wie „Männer müssen nur schön sein, alles andere ist egal“. Kann so etwas nicht auch falsch verstanden und wiedergegeben werden? Sie lacht. „Klar beinhalten solche Sätze auch das Risiko, trotz einer Klarstellung im gleichen Atemzug, falsch verstanden zu werden. Ironie ist immer schwierig. Aber bisher ging das nur einmal schief.“

Herumwühlen im Dreck

Potthoffs professionelle Einstellung zu ihrem Beruf ist klar umrissen. „Meist ist das Schauspielern ein Herumwühlen im Dreck der Psyche der dargestellten Figur. Es gehört zum Leistungsprofil dieses Berufs, dass man voll und ganz in eine Rolle reingeht. Aber genauso vollständig muss man wieder herauskommen. Wer das nicht kann, der geht kaputt in diesem Job.“ Dank einer pragmatischen Seite an ihr, könne sie aber Arbeit und Privatleben sehr gut trennen. Nachdenklich nennt sie jedoch eine Ausnahme: „Aus den Dreharbeiten zu ‚Der Tod ist kein Beweis‘ mit Johannes Fabek bin ich anders rausgegangen, als ich reingegangen bin. Das Drehen war extrem intensiv und machte etwas mit meiner Seele.“

2017 drehte die Schauspielerin vier Filme am Stück. Trotzdem schafft sie es immer wieder, von einem Tag zum anderen auf das Privatleben umzuschalten. Sie schmunzelt: „Klar, das ist schon ein Kulturschock. Gerade noch bist du im Mittelpunkt, der Kaffee wird dir überall hin gebracht und plötzlich räumst du die Geschirrspülmaschine aus.“ Allerdings sei gerade diese Realität enorm wichtig für das Leben.

Auch in diesem Jahr ist Lisa Maria Potthoff wieder vielbeschäftigt. Besonders am Herzen liegt ihr der Fernseh-Film „Carneval“, der voraussichtlich im Herbst ausgestrahlt wird. „Darauf bin ich mächtig stolz, denn da gibt es eine ganz neue Lisa Maria Potthoff zu sehen. Mehr sei aber momentan noch nicht verraten.“

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