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Bayern
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Verkehr

Neues Museum, aber keine Parkplätze

Im Mai 2019 eröffnet das Museum der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt. Für Besucher mit Pkw wird es eng.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Im Mai 2019 eröffnet das Museum der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt. Auf dem Gelände gab es früher 350 Parkplätze. Diese wurden bislang nur zum Teil ersetzt.Foto: Bockholt
Im Mai 2019 eröffnet das Museum der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt. Auf dem Gelände gab es früher 350 Parkplätze. Diese wurden bislang nur zum Teil ersetzt.Foto: Bockholt

Regensburg.Regensburg steuert mit der Eröffnung des neuen Museums der Bayerischen Geschichte im Mai 2019 auf ein massives Verkehrsproblem in der Altstadt zu. Denn schon jetzt ist klar: Für die Besucher wird es zunächst keine zusätzlichen Parkmöglichkeiten im näheren Umfeld des Donaumarktes geben. Dabei hatten die Stadtplaner im Vorfeld durchaus den „Parkplatzsuchdruck“ am Rande der Altstadt angemahnt und das neue Museum als „verkehrserzeugende Einrichtung“ eingeordnet. Doch das Parkhaus am Unteren Wöhrd mit rund 1500 geplanten Stellplätzen samt angegliederter Mobilitätsdrehscheibe ist noch nicht über den Planungsstatus hinausgekommen. Derzeit wird eine Baumassestudie erstellt, danach hat erst einmal das Welterbe-Steuerungskomitee das Wort. Ein zeitlicher Fahrplan für das Projekt ist noch nicht absehbar. Die jetzt in diesem Bereich am alten Eisstadion gelegenen kostenlosen Parkplätze werden von Anwohnern und Pendlern genutzt. Damit bleibt ab Mai 2019 zunächst einzig das Parkhaus am Dachauplatz, um die Besucherströme museumsnah aufzunehmen. Doch auch dort ist die Auslastung jetzt schon ziemlich hoch, wie Martin Gottschalk, Leiter der Kommunikation bei das Stadtwerk, bestätigt. „Derzeit fällt es aus unserer Sicht schwer, abzuschätzen, inwieweit unsere zur Verfügung stehenden Kapazitäten nach der Eröffnung des Museums der Bayerischen Geschichte ausreichen werden.“

Anwohner beschweren sich

Anwohner der angrenzenden Thundorfer Straße sprechen schon jetzt von unzumutbaren Zuständen im Areal rund um das Museum. Zwischen Domplatz und Donau könne man nicht mehr flanieren, sondern müsse wachsam auf den Verkehr achten und sich bisweilen sogar durch beherzte Sprünge vor Autos und Bussen retten, berichtet eine Altstadtbewohnerin. Busse von Reisegruppen parken in der Thundorfer Straße direkt neben den Außentischen von Cafés. Sitzen mag hier niemand mehr. Mit der Museumseröffnung dürfte sich das Verkehrsaufkommen rund um diesen Bereich noch einmal deutlich verschärfen.

Schon jetzt herrscht rund um das Museumsareal hohes Verkehrsaufkommen. Foto: Bockholt
Schon jetzt herrscht rund um das Museumsareal hohes Verkehrsaufkommen. Foto: Bockholt

Denn zum An- und Ausladen dürfen die Busse den Schwanenplatz am Museum ansteuern. Auch Autofahrer werden wohl künftig genervt dort ihre Runden auf der Suche nach einem Parkplatz drehen.

Dass ein nicht unerheblicher Teil der Museumsbesucher mit dem eigenen Auto anreisen wird, darauf lässt der Qualitätsmonitor Deutschland-Tourismus schließen. Deutschlandweit werden dafür Gästebefragung durchgeführt, auch die Regensburg Tourismus GmbH (RTG) orientiert sich an diesen Daten. Demnach reisten Urlauber 2017 zu 64 Prozent mit dem Pkw an. Drei Prozent kamen mit dem Motorrad, drei Prozent mit dem Wohnwagen/Wohnmobil, je sieben Prozent mit Bus und Flugzeug, 14 Prozent mit der Bahn und ein Prozent mit dem Fahrrad. Bei den Geschäftsreisenden kamen 62 Prozent mit dem Pkw. Laut RTG-Pressereferent Michael Vogl gab es im vergangenen Jahr in Regensburg 613 991 Gästeankünfte mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 1,77 Tagen. Hinzu kommt der Tagestourismus.

„Das muss jetzt nicht das ganz große Chaos werden.“

Ingo Saar, Geschäftsführer der Altstadtkaufleute

Ingo Saar, Geschäftsführer der Altstadtkaufleute „Faszination Altstadt“, bleibt dennoch vorerst entspannt, was die Auswirkungen der sich zuspitzenden Parkplatzsituation auf den Einzelhandel betrifft. „Das muss jetzt nicht das ganz große Chaos werden.“ Er hoffe, dass das Museum eher von Gruppen als von Individualreisenden angesteuert wird. Und er geht davon aus, dass Regensburg-Reisende mehrheitlich ihr Auto auf Hotelparkplätzen stehen lassen. Zudem gebe es „an normalen Werktagen in den Parkhäusern ja durchaus noch Kapazitäten“. Dennoch sieht auch Saar Bedarf für ein weiteres Parkhaus. „Die Stadt leidet darunter, dass sich die Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd nach hinten verschiebt.“ Der Kaufmann bringt deshalb zur Überbrückung das Park&Ride-Konzept an der Continental Arena ins Gespräch. „Eine Anbindung mittels Expressbus nicht nur im Advent und an verkaufsoffenen Sonntagen würde zusätzliche Kapazitäten schaffen.“ Saar plädiert dafür, das Park&Ride-Angebot auch besser zu bewerben. „Viele wissen gar nichts davon.“ Ausweichmöglichkeiten liefern zudem die Parkhäuser am Petersweg, am Bismarck- und Arnulfsplatz oder der Dultplatz. Eine vernünftige Busanbindung ans Museum gibt es von dort aus nicht.

Das Museum der Bayerischen Geschichte

  • Eröffnung: Im Mai 2019

    eröffnet das Museum der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt in Regensburg.

  • Ausstellung:

    In dem modernen Museumsbau gibt es ein 360-Grad-Geschichtspanorama, eine Dauerausstellung von 1800 bis zur Gegenwart sowie wechselnde Sonderausstellungen.

  • Konzept:

    Auf 30 Bühnen und acht Kulturkabinetten wird erzählt, wie Bayern wurde, was es heute ist.

Noch ist unklar, mit welchen Besucherzahlen für das Museum der Bayerischen Geschichte gerechnet wird. „Wir können – auch basierend auf den langjährigen Landesausstellungserfahrungen – nur schätzen, wie viele Besucher kommen werden. Bei 100 000 + x Besuchern im Jahr kommen wir auf ca. 300 (+x) Besucher pro Tag“, rechnet Pressesprecherin Christine Ketzer vom Haus der Bayerischen Geschichte vor. Man habe bei der Landesausstellung „Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser“ 2014 in Regensburg ermittelt, dass knapp ein Drittel der Besucher mit öffentlichen Verkehrsmittel angereist sei. Zudem seien viele Gruppentouristen unter den Besuchern gewesen.

Ein Plus von drei Parkplätzen

Die Stadt sagt auf die Frage, wie die Besucherströme des neuen Museums gelenkt werden, dass das Areal des früheren Eisstadions am Unteren Wöhrd mit 675 Parkplätzen und das Parkhaus am Dachauplatz mit 700 Parkplätzen die Museumsbesucher aufnehmen sollen. Zudem wurde im Juni im Stadtplanungsausschuss beschlossen, rund um das Museum neun Parkplätze sowie drei behindertengerechte Stellplätze zu schaffen. Allerdings werden an anderer museumsnaher Stelle im Gegenzug sechs Stellplätze und ein Behindertenstellplatz wegfallen, räumte eine Sprecherin der Stadt auf Nachfrage ein.

Der Parkplatz am Alten Eisstadion war gestern um 8 Uhr voll belegt. Die Frequenz des Parkhauses am Dachauplatz war bei einer Stichprobe am Mittag ähnlich hoch. Das elektronische Parksystem meldete zwölf freie Plätze.

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  • PH
    Peter Franz Hammer
    12.07.2018 13:46

    Kein Problem die Leute kommen alle zu Fuss - ein Teil wird wohl von den rasenden Radfahrern umgefahren - also eine Rettungsstation in der Nähe wäre "Vorteilhaft". Ausser einigen Skandalen hat die Stadt in den letzten Jahren wohl nichts getan - es ist eine Schande wie hier mit den "Einheimischen" umgegangen wird. Sollen wir alle auswandern ? und uns irgendwo ein ruhiges Plätzchen suchen !

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