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Dialekt-Serie: Boandlkramer und Bamhackl

Zum Monatsende gibt es wieder Wissenswertes rund um den Dialekt – heute zu humorvollen Bezeichnungen und zu „Froasn“.
Von Ludwig Zehetner

Man versteht, warum der Buntspecht auch als „Bamhackl“ bezeichnet wird. Foto: Sven Hoppe/dpa
Man versteht, warum der Buntspecht auch als „Bamhackl“ bezeichnet wird. Foto: Sven Hoppe/dpa

Regensburg.Auch diesen Monat erklärt Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Ludwig Zehetner wieder Wörter aus dem bairischen Dialekt.

In diesem Teil geht es unter anderem um ein vielseitiges Adjektiv, sowie „froaselnde“ und „michade“ Kinder.

A recht a greislichs Weda

Vom Wortstamm „Graus“ sind mittels der Endung „-lich“ die Eigenschaftswörter „grauslich“ und „gräuslich“ abgeleitet. Die Form ohne Umlaut, „grauslich“, ist vornehmlich in Österreich verbreitet, in Süddeutschland bevorzugt man „gräuslich“ (mit Umlaut), ausgesprochen „greislich“.

Seltsamerweise verzeichnet der Duden nur „grauslich“, nicht aber „gräuslich“. Alles, wovor einem graust, kann mit dem Wort charakterisiert werden. Es gibt „greisliche Leut, a greislichs Essen, a greislichs Wetter, an greislichn Neubau“. Es kann bedeuten: ‚unfreundlich, hartherzig‘, vor allem aber ‚hässlich, ekelhaft, abscheulich, widerwärtig, abstoßend, unästhetisch‘. Für Barbara Schmidt aus Saal a. d. Donau

Professor Dr. Ludwig Zehetner hat den Dialekt in Ostbayern wieder salonfähig gemacht. Foto: altrofoto.de
Professor Dr. Ludwig Zehetner hat den Dialekt in Ostbayern wieder salonfähig gemacht. Foto: altrofoto.de

Pack ma’s grawotisch!

„Etwas grawotisch packen“ ist ein recht geläufiger Ausdruck für: ‚eine Aufgabe auf ungewöhnliche Art erledigen, sie mit List oder roher Gewalt bewältigen‘. Verbreitet haben dürfte sich das Wort mit dem Sketch „Hallo Dienstmann“, wo der berühmte Wiener Volksschauspieler und Komiker Hans Moser (1880 – 1964) nuschelt, er wolle den unhandlichen Koffer „growodisch“ nehmen.

Eigentlich bedeutet das Wort: ‚kroatisch, aus Kroatien stammend‘. Vielleicht waren die zahlreichen Kroaten, die im k.-u.-k. Wien lebten, bekannt für ihre ungewöhnlichen Arbeitsmethoden. In österreichischen Wörterbüchern findet man den Eintrag „Krawot, Krowot = Kroate“ und das Eigenschaftswort „krawutisch“, dessen Bedeutungsangabe (zornig, wütend) verwundert.

Im Bairischen wird „Krawat, Grawod“ als abfällige Bezeichnung verwendet, als Schimpfwort für einen gerissenen Burschen, einen Gauner, Schlawiner. Eine Verstärkung liegt vor mit „Hundsgrawod“. Es mag verblüffen, dass hier auch das Wort „Krawatte“ zu erwähnen ist. Mundartlich-deutsch „Krawat“ führte im Französischen zu „cravate“ (kroatische Halsbinde), was dann ins Deutsche rückentlehnt wurde als Bezeichnung für ‚Binder, Selbstbinder, Schlips‘. Die Frage stellte Agnes Fischer.

Brauchtum

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Da Bua froaslt.

Sogar der Duden verzeichnet das Wort „(die) Fraisen (Plural)“ und gibt als Bedeutung an: ‚Krämpfe bei kleinen Kindern‘. Mundartlich ist „Froas, Froasn“ recht verbreitet, und zwar einmal im konkreten Sinn: ‚Säuglingskrankheit mit krampfartigen Zuckungen‘, häufiger aber in der Redewendung „in d’
Froas / d’Froasn fallen“, womit gemeint ist: ‚stark erschrocken sein, völlig verdutzt und konsterniert sein‘. „D’Muatta is schier in d’Froas gfoin, wia ihr da Bua (ihr Sohn) gsogt hod, daß-a auf a Johr noch Amerika geht.“

Das Verb „froasln“ kann bedeuten: ‚im Fieberwahn reden, unsinnig phantasieren‘. Wenn der Säugling, der noch nicht reden kann, ein erstes Lächeln und Brabbeln versucht, freuen sich die Eltern: „Schaugts, wia-r a froaslt.“ Der Wortstamm ist uralt; im Althochdeutschen, also vor mehr als 1000 Jahren, ist das Substantiv „freisa“ belegt. Es bedeutete ‚tödliche Gefahr, Not, Schrecken‘. Eine Anregung von Cornelius Brand

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Zwei schöne bairische Wörter: Boandlkramer und Bàmhàckl

Als Name des personifizierten Todes taucht „Boanlkramer“ zum ersten Mal auf in Franz von Kobells Novelle „Die Gschicht von Brandner Kaspar“ (1871). Der Stoff wurde mehrfach für die Bühne bearbeitet und erfreut sich großer Beliebtheit, heute meist unter dem Titel „Der Bandner Kasper und das ewig‘ Leben“.

In der Verfilmung von 2008 spielt Michael Bully Herbig den Boandlkramer, Franz Xaver Kroetz den Kasper. Als Verkleinerungsform zu „Boa(n)“ (Knochen) steht bei Kobell „Boanl“, wobei der zwischen „n“ und „l“ auftretende Sprosskonsonant „d“ in der Schrift noch nicht erscheint, während er heute bei „Boandl“ ebenso selbstverständlich ist wie bei „Dirndl, Hendl, Pfandl, Mandl, Hörndl, Schweindl, Ahndl“ (zu: Dirn, Henne, Pfanne, Mann, Horn, Schwein, Ahne). Südlich der Donau gilt die Lautung „Boandl“, in der Oberpfalz selbstverständlich „Boindl“.

Als „Bàmhàckl“ kann der Specht bezeichnet werden, weil er auf der Suche nach Nahrung mit seinem Schnabel an morschen Bäumen hackt. Veraltet ist mittlerweile die zweite Bedeutung des Wortes, nämlich: entzündete Hautrisse, Schorf an Waden und Armen, die bei mangelnder Reinlichkeit schwer heilen und zu Ekzemen werden.

Zu den Kindern hat man gesagt, sie sollen sich die Füße (Beine) und Arme waschen, „sonst griagts an Bàmhàckl.“ Bei unseren jetzigen hygienischen Verhältnissen kommt das kaum mehr vor, und damit gerät auch das Wort in Vergessenheit. Es muss angenommen werden, dass heutzutage wohl nicht mehr richtig verstanden wird, was Karl Valentin gemeint hat mit dem Satz: „Moana denn Sie, mit Eahnam Bamhackl-Teint wern Sie a Schauspielerin?“ Zu zwei Fragen von Christian Zrenner

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Zum Monatsende gibt es wieder Wissenswertes rund um den Dialekt – heute zum Kumpf und einigen missverständlichen Wörtern.

A michads Kind

Von einem netten, liebenswerten Kind sagt man, es ist „michad“. So jedenfalls lautet das Wort in der Oberpfalz. Anderswo hört man „migad“ oder „megad“. Es handelt sich um Ableitungen von mittelhochdeutsch „mügen“ bzw. schriftdeutsch „mögen“ im Sinne von ‚gernhaben‘.

Wie lautgesetzlich zu erwarten, steht „i“ für „ü“ bzw. „e“ für „ö“ (Umlaut-Entrundung), und im Nordbairischen erscheint zwischenvokalisches „g“ als „ch“ (Spirantisierung). Auf die alte Lautform geht altmundartlich „ming“ zurück, etwa wenn es heißt: „De ming eahm ned.“ Die Vergangenheit lautet dann: „De ham eahm ned gmigt“, schriftdeutsch „Sie haben ihn nicht gemocht / mögen.“

Allenfalls ironisch verwendet wird „michad“ oder „megad“ im Sinne von ‚haben wollend, Bedarf anmeldend, fordernd, begehrlich‘. Nur hierbei wäre ein Präsens-Partizip „mögend“ anzusetzen, ansonsten gilt die passivische Bedeutung: Es ist ja nicht das Kind, das mag, sondern es kann / muss gemocht werden.

Die Serie: Frong S’ den Zehetner

  • Leser fragen:

    Regelmäßig beantwortet der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Ludwig Zehetner Dialekt-Fragen. Die Serie erscheint am letzten Freitag im Monat.

  • Adresse:

    Sie können Ihre Fragen als E-Mail an dialekt@mittelbayerische.de schicken oder Sie folgen uns auf Facebook unter www.mittelbayerische.de/facebook. Ihre Briefe richten Sie an Mittelbayerische Zeitung, Bayernredaktion, Stichwort: Dialekt, Kumpfmühler Straße 15, 93047 Regensburg.

Demnach haben wir es mit dem bairischen Adjektiv-Suffix „-ad“ zu tun, das meist als „-ert“ verschriftet wird, obwohl historisch „-icht“ zugrunde liegt wie etwa in hochdeutsch „töricht“ zu „Tor“ (Narr). Wie nahe sich die beiden Endungen „-end“ und „-ert“ stehen, lässt sich leicht zeigen: Bei „(g)stinkad, (g)spinnad“ können sehr wohl die Partizipien „stinkend, spinnend“ angesetzt werden, während dies bei „rothorad, deppad“ nicht zutrifft; denn Verben wie „rothaaren, deppen“ existieren nicht. Demnach liegt das Suffix „-ad“ vor anstelle von hochsprachlich „-ig“. Wollte man mundartlich „michad, megad“ in die Hochsprache transponieren, würde „mügig, mögig“ resultieren. Zu einer Frage von Hans Kiefl

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