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Traditionals

Nieberles neues Werk mit Jeanne Gies

Das Duo Helmut Nieberle und Jeanne Gies interpretiert auf seinem Album „Tomorrow and Today“ Jazz-Standards.
Von Helmut Hein

Spontan, aber voller Respekt begegnen die New Yorker Sängerin Jeanne Gies und der Regensburger Gitarrist Helmut Nieberle auf „Tomorrow and Today“ zehn Stücken aus dem Great American Songbook. Foto: Stefan Sonntag
Spontan, aber voller Respekt begegnen die New Yorker Sängerin Jeanne Gies und der Regensburger Gitarrist Helmut Nieberle auf „Tomorrow and Today“ zehn Stücken aus dem Great American Songbook. Foto: Stefan Sonntag

Regensburg.Man muss es nur klar und unverblümt aussprechen, dann versteht es jeder. Etwa: Du kannst von einem kleinen Baby nicht verlangen, dass es nicht weint. Es gibt aber auf „It’s Impossible“ noch weitere Einsichten dieser Art: Ich kann nicht nicht an dich denken. Oder: Ich kann ohne deine Liebe nicht leben. Und im gleich darauffolgenden „Crazy“ räumt eine Frau, die beschuldigt wird, verrückt zu sein, dies ohne weiteres ein: Ja, ich bin verrückt. Präzisiert dann aber: verrückt nach dir. Das Great American Songbook ist eine Schatzkammer für jeden Musik-Junkie. Und die Auswahl von zehn Songs, die der Regensburger Helmut Nieberle und die New Yorkerin Jeanne Gies daraus getroffen haben, kann man nur famos nennen. Wie kam sie zustande? Jetzt beginnt eine Erzählung, die in so vielem nah an Mythos oder Legende ist, dass man nachfragen muss, ob das denn „wirklich“ so war. Was Nieberle ernsthaft und ohne Anflug von Ironie bestätigt, sodass man besser nicht daran zweifeln sollte.

Alles begann in der Küche

Also: Das transkontinentale Duo hatte sich einst bei einem Jazz-Workshop in Bozen kennengelernt. Jetzt saßen sie am Vorabend der geplanten Aufnahmen in Nieberles Küche, aßen gut, tranken viel, unterhielten sich und probierten zu vorgerückter Stunde das eine oder andere aus. Dann, am nächsten Tag, im Studio Seven, mit dem kundigen Sven Faller am Mix-Pult, brauchte es keine Overdubs oder sonstige Tricksereien, da passte meist schon der erste Versuch („take“). Wie geht man mit Songs um, von denen es schon Hunderte von Versionen gibt, darunter auch sehr bekannte? Das irritiert Nieberle überhaupt nicht, die kommen, wenn man selber ans Werk geht, gewissermaßen nicht (mehr) vor. Und die neuen Arrangements vertrauten Materials? Nieberles Antwort ist bestimmt und unmissverständlich: Der Jazzer arrangiert nicht – das wäre schon zu viel Enge und Korsett, „Vorgeschriebenes“. Er improvisiert. Einerseits vollkommen frei und spontan und andererseits voller Respekt den harmonischen und melodischen Mustern gegenüber.

Gies & Nieberle

  • Jeanne Gies:

    Sängerin aus New York, arbeitet mit verschiedenen Partnern. Sie tourt durch ganz Europa.

  • Helmut Nieberle:

    Er kommt aus Regensburg, ist ein Meister an der siebensaitigen Gitarre.

  • Tomorrow and Today:

    Das Album erscheint bei bobtale records. MP3-Download ca. 10 Euro.

Auf dem Album bekommen alte, bekannte Songs eine neue Hülle. Foto: G_Marchl_bobtale records
Auf dem Album bekommen alte, bekannte Songs eine neue Hülle. Foto: G_Marchl_bobtale records

Übrigens: Dem Jazzer wird alles zu Jazz, was ihn zu Eigenaktivität bewegt. So finden sich auf dem vorliegenden Album Pop-Klassiker (Bobbie Gentrys „Ode to Billie Joe“), Legendäres von Kurt Weill („September Song“) und als Rausschmeißer dann noch was von den Musical-Heroen Loewe und Lerner („My Fair Lady“), in diesem Fall passend zum Beziehungs-Grundsound der Aufnahme: „I’ve Grown Accostumed to Your Face“. Selten hat mich Musik gleich beim ersten Hören so für sich eingenommen wie diese; und dieser Eindruck ist auch beim wiederholten, fast schon süchtigen Hören nicht verblasst.

Gies’ „sultry“ Stimme

Woran liegt es? Vielleicht auch daran, dass sich Helmut Nieberle, der zwar nie dominant, aber doch vollkommen gleichberechtigt ist, bescheiden als „Begleiter“ bezeichnet (da gehen Sängerinnen-Herzen weit auf), und dass sich die beiden Linien, die der Seven-String-Gitarre und die des Gesangs, auf berückende Weise ineinander schmiegen. Ein bekannter Jazz-Kritiker hat übrigens Jeanne Gies’ Stimme „sultry“ genannt, was mein altes Lexikon mit „schwül, drückend“ übersetzt. Gemeint ist aber wohl eher: sinnlich (mit einer sexuellen Note) und gefühlsstark. Zu dem wunderbaren Album passt das schöne, durchdachte Artwork!

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