Praktischer Unterricht
MINT-Labs auf Erfolgskurs

Kinder und Jugendliche tüfteln und forschen in den technischen und naturwissenschaftlichen Laboren

15.07.2023 | Stand 14.09.2023, 11:25 Uhr

Chemie-Unterricht in der Praxis: Lars Ehlert, Chemie-Lehrer am Goethe-Gymnasium (hinten links), und Seminarlehrerin Jasmina Zeller leiten die Ermittlungen ihrer Schüler und lehren Untersuchungsmethoden der Kriminalistik. Fotos: Groh-Schad

Eine Lehrerin ist tot. War es Mord? War Alkohol im Spiel? Die Schüler einer zehnten Klasse des Regensburger Goethe-Gymnasiums stecken im Labor die Köpfe zusammen. Heute steht im Chemie-Unterricht Kriminalistik auf dem Stundenplan.

Zusammen mit ihrem Lehrer Lars Ehlert sind die Schüler in die MINT-Labs gekommen, um Blut zu untersuchen, Fingerabdrücke zu nehmen und dem Schulunterricht Praxis einzuhauchen. „Den Schülern macht es Spaß, zu ermitteln und das Gelernte aus dem Unterricht anzuwenden“, erklärt Ehlert. Mit seinen Schülern ist er regelmäßig zu Gast in den MINT-Labs, die sich das Gebäude mit dem Umweltbildungszentrum Rubina in der Rudolf-Vogt-Straße teilen.

Die Forscherlabors für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT-Labs, bieten seit 2021 Kurse für Kinder und Jugendliche an, um bei ihnen die Begeisterung für Natur und Technik zu wecken. Ein großes Anliegen: „Uns liegt die Förderung von Mädchen am Herzen“, sagt Stephan Giglberger, MINT-Beauftragter der Universität. Unter den Mitarbeitern und studentischen Kursleitern finden sich daher auch immer wieder Frauen als Vorbilder und Kurse speziell für Mädchen. „Frauen sind in den MINT-Fächern noch in der Unterzahl“, erklärt er. „Das wollen wir ändern.“

Immer schnell ausgebucht

Jeden Tag bevölkern Schulklassen aus Regensburg und dem Umland die drei Labore aus den Bereichen Handwerk, Technik und Forschung. Am Nachmittag und in den Ferien gibt es zudem Angebote für experimentierfreudige Kinder ab sechs Jahren. Die meisten Kurse richten sich an die ab Zehnjährigen. „Wir sind immer schnell ausgebucht“, sagt der Geschäftsführer der MINT-Labs Fabian Queck. Egal ob löten lernen, mikroskopieren oder mit chemischen Stoffen experimentieren, die Kurse sind gefragt, denn sie verbinden das Lernen mit Spaß. Am 26. Juli öffnet die Einrichtung ihre Pforten für alle, um ihre Arbeit vorzustellen und weitere Unterstützer zu gewinnen.

Entgegen anderer MINT-Labs in Bayern, die kurz nach Auslaufen regionaler Förderprogramme wieder schließen mussten, hat die Regensburger Einrichtung ein langfristig tragfähiges Konzept vorgelegt. „Wir haben von Anfang an auf eine breite Basis geachtet“, erklärt Giglberger, der zusammen mit Nicole Litzel, Stadt Regensburg, und Armin Gardaia, Ostbayerische Technische Hochschule, das Konzept entworfen und den Aufbau der Einrichtung vorangetrieben hat. Die Planungen laufen schon seit 2015. Drei Jahre später wurde der Trägerverein gegründet und 2020 wurden die Labore und Büros bezogen.

Anbindung an Wirtschaft

Mitglieder im Verein sind Städte, Landkreise, die Hochschulen, die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, Stiftungen sowie Vereine und Firmen aus der Region. Ihre Mitgliedsbeiträge sichern den Betrieb. Hinzu kommen Fördergelder und Drittmittel für Projekte. Den Rest übernimmt die Stadt Regensburg, für die die MINT-Labs ein Aushängeschild sind. Eine Besonderheit ist auch das 38-köpfige beratend tätige Kuratorium der MINT-Labs. Wichtig ist den Aktiven die enge Anbindung an Unternehmen in der Region. „Das gilt für große Firmen wie für kleine Handwerksbetriebe“, sagt Queck. Die MINT-Labs greifen Anregungen von Firmen und aus der Forschung auf. „Damit sichern wir die Aktualität unserer Angebote.“