Tom McCollum folgt auf Devin Williams
US-Amerikaner wird erster EVR-Torhüter mit NHL-Erfahrung

25.05.2023 | Stand 16.09.2023, 21:26 Uhr |

Mit Tom McCollum als neuem Stammtorhüter werden die Eisbären Regensburg in ihre zweite DEL2-Saison gehen. Der 33-jährige US-Amerikaner wechselt vom HC Innsbruck aus Österreich in die Domstadt. Foto: imago images/GEPA Pictures/Christian Moser

Einen Torhüter, in dessen Vita sich NHL-Einsätze wiederfinden, gab es in der Historie des Regensburger Eishockeys bis dato nicht. Die Betonung liegt auf „gab“. Mit der Verpflichtung von Tom McCollum, die die Eisbären am Donnerstag im Rahmen eines Sponsorenabends vermeldeten, ändert sich dies zur neuen Saison.



Zugegebenermaßen, der US-Amerikaner bestritt für die Detroit Red Wings lediglich drei Spiele in der besten Eishockey-Liga der Welt, aber immerhin. Und die 354 Einsätze des inzwischen 33-Jährigen in der zweithöchsten nordamerikanischen Spielklasse, der AHL, sind ein beachtliches Statement. Darüber hinaus wurde McCollum, der bei denen Eisbären den abgewanderten Devin Williams ersetzt, 2008 von den Red Wings in Runde eins an Position 30 im NHL-Draft gezogen. Einen höher gedrafteten Spieler gab es in der EVR-Historie ebenfalls erst einmal (Jason Miller, der 1989 von den New Jersey Devils an Position 18 gezogen wurde). Sein künftiger Teamkollege Corey Trivino wurde übrigens ebenfalls 2008 gedraftet. Der Angreifer, der von den New York Islanders an Position 36 gezogen wurde, blieb allerdings gänzlich ohne NHL-Einsatz.

Erster Kontakt Anfang Mai

„Der erste Kontakt mit Regensburg kam Anfang Mai zustande. Ich habe mir sagen lassen, dass es eine tolle Stadt ist, um Eishockey zu spielen. Darüber hinaus soll die Mannschaft wie eine Familie sein und sich alle Jungs sehr gut verstehen“, berichtete McCollum im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung. Der zentrale Grund, weshalb sich der Linksfänger für einen Wechsel in die Domstadt entschied, war jedoch ein anderer, wie er weiter ausführte: „In unseren Gesprächen hat Max (Anm. d. Red.: Trainer Kaltenhauser) immer wieder betont, dass ihm sehr viel an der defensiven Struktur im Team liegt und er will, dass alle Spieler defensiv hart arbeiten. Eine solche Spielphilosophie macht es für einen Torhüter immer einfacher, was natürlich auch mir entgegenkommt.“

Trainer Max Kaltenhauser erklärte zur Verpflichtung: „Letzte Saison war unsere Torwartleistung in Ordnung, aber ich denke, dass wir uns da durchaus verbessern können und auch müssen, wenn wir in dieser starken Liga bestehen wollen. Ich bin mir sicher, dass Tom uns mit seiner Klasse, Größe und Erfahrung hier enorm helfen wird. Seine Vita ist sehr beeindruckend, unter anderem die vielen Jahre in der Organisation der Detroit Red Wings und die über 350 AHL-Spiele sprechen eine deutliche Sprache.“

Bis 2020 war McCollum, der 2007 mit der US-amerikanischen U18-Nationalmannschaft eine WM-Silbermedaille holte und auch mehrere U20-Länderspiele vorweisen kann, ausschließlich in Nordamerika aktiv. Seinen größten Erfolg auf Vereinsebene feierte er dabei 2015. Damals gewann er mit den Grand Rapids Griffins, dem Farmteam der Red Wings, den Calder Cup (Meistertitel in der AHL). „Die elf Jahre, in denen ich größtenteils in der AHL gespielt habe, waren eine sehr schöne Zeit, in der ich viele tolle Erfahrungen sammeln konnte“, kommentierte McCollum, der in Amherst im US-Bundesstaat Massachusetts geboren wurde.

Sprung vor drei Jahren nach Europa



Vor drei Jahren verließ der Torhüter erstmals seine Heimat und wagte den Sprung nach Europa. Fortan war der HC Innsbruck, der in der multinationalen ICE HL mit Teams aus Ungarn, Slowenien, Österreich und Italien antritt, seine sportliche Heimat. „Innsbruck ist eine wunderschöne Stadt, und auch sportlich war es ein sehr spannendes Abenteuer“, blickte McCollum zurück, fügte aber auch an: „Auch wenn wir ein tolles Team hatten, waren wir nicht so erfolgreich, wie wir es wollten.“ Insgesamt bestritt der US-Boy 68 Partien, in denen er in fünf ohne Gegentreffer blieb.

Sein Engagement bei den Haien, wie der HC Innsbruck genannt wird, führte McCollum, der nach eigener Aussage etwas Deutsch versteht, wenn nicht zu schnell gesprochen wird, im August 2021 auch schon in die Nähe von Regensburg. Im Rahmen der Saisonvorbereitung gastierte der österreichische Club damals in Straubing und unterlag mit 2:5. „In Regensburg selbst war ich leider noch nicht. Als sich die Eisbären bei mir wegen des Wechsels meldeten, war ich gerade seit zwei Wochen wieder in meiner Heimat“, berichtet der Torhüter, der Ende Juli erstmals mit seiner Frau und dem 18-monatigen Töchterchen in der Domstadt eintreffen wird.

„Eine neue Challenge“

Über ein wenig Deutschlanderfahrung verfügt McCollum jedoch bereits. Nach dem frühzeitigen Verpassen der Playoffs mit Innsbruck in der Spielzeit 2021/22 verstärkte er auf Leihbasis im Saisonendspurt den künftigen Regensburger Ligakonkurrenten und damaligen DEL-Club aus Bietigheim. Insgesamt zehn Partien stehen so für ihn im deutschen Eishockey-Oberhaus zu Buche. „Die wenigen Wochen in Bietigheim haben sehr viel Spaß gemacht. Gerade die Fans und die Stimmung, die sie bei den Heimspielen erzeugt haben, sind mir in Erinnerung geblieben“, resümierte McCollum, der Ähnliches auch in der kommenden Saison erwartet, wie er deutlich machte: „Das Niveau in Deutschland ist wirklich hoch. Es gibt zahlreiche gute deutsche Spieler. Das wird auf jeden Fall eine neue Challenge für mich, auf die ich mich schon jetzt sehr freue.“

Und welche Ziele verfolgt der US-Boy mit seinem neuen Team? „So banal es klingt, aber ich will einfach so viele Spiele wie möglich gewinnen. Am Ende sollen es dann so viele Siege sein, dass es für die Playoffs reicht“, erklärte Tom McCollum abschließend.