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1000 Euro pro Monat für jeden

Was lange unvorstellbar war, wird nun diskutiert: In der Krise nimmt die Forderung nach einem Grundeinkommen zu.
Magdalena Sporkmann, Pressereferentin

Die Autorin ist Pressereferentin in der gemeinnützigen NGO Mein Grundeinkommen.
Die Autorin ist Pressereferentin in der gemeinnützigen NGO Mein Grundeinkommen. Foto: Christian Stollwerk

Regensburg.In der Corona-Krise werden die Rufe nach einem Grundeinkommen immer lauter. Zuletzt schlugen die UN ein befristetes Grundeinkommen für drei Milliarden Bedürftige weltweit vor. Was lange undenkbar war, wird jetzt diskutiert: Menschen sollen unbürokratisch Geld erhalten, weil ihre Existenz davon abhängt. Das ist aber nicht nur in der Krise so, sondern wir alle brauchen immer Geld zum Leben. Dieses Geld zu verdienen, ist nicht jederzeit möglich; die Corona-Krise zeigt es wie durch eine Lupe. Menschen werden krank, verlieren ihre Arbeit, ihr Unternehmen oder ihre Kunden.

Menschen pflegen andere oder kümmern sich um ihre Kinder. Die meisten wollen einer Erwerbsarbeit nachgehen, können es aber nicht immer. Auch wird die Digitalisierung uns in Zukunft vor die Frage stellen, wie viel menschliche Arbeit überhaupt noch benötigt wird. Es zeigt sich immer deutlicher: Solange Einkommen an Erwerbsarbeit geknüpft bleibt, ist unsere Gesellschaft nicht krisenfest. Bestehende Unterstützungen wie Hartz IV oder die Corona-Soforthilfen sind aufwändig zu beantragen und lassen immer Menschen zurück, die bestimmte Kriterien nicht erfüllen. Ein Grundeinkommen löst nicht nur unbürokratisch diese Probleme, sondern trägt auch dem Umstand Rechnung, dass ohnehin die meiste Arbeit unentgeltlich geleistet wird, etwa in Haushalt, Pflege, Kindererziehung und Ehrenamt – zum größten Teil von Frauen.

Um sein volles Potenzial entfalten zu können, muss das Grundeinkommen bedingungslos sein: Nicht nur Bedürftige, sondern alle sollen es erhalten, nicht zeitlich begrenzt, sondern ein Leben lang. Erst dann wird Erwerbslosigkeit entstigmatisiert, bisher unbezahlte Arbeit aufgewertet und echte Solidarität hergestellt. Und wenn jemand genug verdient oder geerbt hat? – Dann zahlt er oder sie das Grundeinkommen durch höhere Steuern zurück. Ein befristetes Grundeinkommen in dieser Krise wäre die Gelegenheit, es in großem Maßstab einmal auszuprobieren, um Erfahrungen und Daten in der Praxis zu sammeln. Im kleinen erprobt „Mein Grundeinkommen“ das seit sechs Jahren. Unsere Gewinner, die je 1000 Euro pro Monat für ein Jahr bekommen, fühlen sich weniger gestresst, leben gesünder, bilden sich fort und suchen den Job, der wirklich zu ihnen passt. Außerdem engagieren sie sich mehr für andere.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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