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Interview

Die Botschafterin der Volksmusik

Traudi Siferlinger bringt ihre Wirtshausmusikanten nach Cham. Vorab erzählt sie, was Volksmusik für sie bedeutet.
Von Sandra Adler

Moderieren, Geige spielen und singen, auch mit dem Publikum, wird Traudi Siferlinger beim „Fest der Wirtshausmusik“ in Cham.  Foto: Rolf Wilschewski
Moderieren, Geige spielen und singen, auch mit dem Publikum, wird Traudi Siferlinger beim „Fest der Wirtshausmusik“ in Cham. Foto: Rolf Wilschewski

Cham.Bekannt ist Traudi Siferlinger vor allem als Gesicht und Kopf der „Wirtshausmusikanten beim Hirzinger“. Mit einigen Musikern aus der Fernsehsendung im Gepäck kommt die gebürtige Chiemgauerin am Freitag, 13. März, in die Chamer Stadthalle.

Im Gespräch erklärt sie, inwiefern das Erfolgsformat ihre persönliche Handschrift trägt und was es braucht, um ein Wirtshausmusikant zu werden.

Wie unterscheidet sich Ihr Job als Moderatorin bei der Tour von den „Wirtshausmusikanten beim Hirzinger“?

Ich bin im Endeffekt genau die gleiche Traudi, die ich auch bei den Wirtshausmusikanten im Fernsehen bin. Ich werde nur ein bisschen mehr mit den Leuten machen und singen. Auch Witze werde ich erzählen, was ich in der Sendung nicht so oft mache.

Die Atmosphäre in so einer Halle ist anders als in einem Wirtshaus. Wie geht man damit um?

Es geht um das Musikalische, und so wie meine Wirtshausmusikanten im Fernsehen sind, sind sie auch auf der Bühne. Alle Mitwirkenden waren schon mal bei mir in der Sendung. Es wird von traditioneller bis neuer Volksmusik alles dabei sein. Es ist wirklich ein ganz schönes Programm mit drei Gruppen: der Cubaboarischen Tradicional, den Hoameligen und der Renate Maier mit ihren Gstanzln. Ich selber werde mit der Geige spielen und singen. Es wird also ein buntes Programm, bei dem wir auch mal alle miteinander singen und spielen.

Zur Person

  • Volksmusik:

    Traudi Siferlinger ist mit Volksmusik aufgewachsen. Mit ihren Geschwistern trat sie als Dreigsang auf. Unterwegs war sie auch mit Urgesteinen wie dem Röpfl Dreigsang oder den Fischbachauer Sängerinnen.

  • Studium:

    Sie studierte Violine und Musikpädagogik in München am Richard Strauss Konservatorium und in Dresden an der Carl Maria von Weber Hochschule.

  • TV:

    Seit 2005 konzipiert und moderiert sie die BR-Sendung „Wirtshausmusikanten beim Hirzinger“.

  • Live:

    Am Freitag, 13. März, gastiert sie mit dem „Fest der Wirtshausmusik“ in der Stadthalle. Karten gibt es beim Bayerwald-Echo, Tel. (0 99 71) 85 22 23, bei CTS-Eventim und unter www.go-konzerte.de.

Was macht Wirtshausmusik in Ihren Augen aus?

Wirtshausmusik ist ganz nah dran am Leben, denn im Wirtshaus kannst du alles spielen. Fetzige Stücke wie auch ein bisschen ruhigere. Die Basis davon ist für mich Dialekt und außerdem einfach kernige, unterhaltsame und authentische Volksmusik. Dass miteinander gesungen wird, das macht das Wirtshaus auch aus. Das kann man aber auch auf andere Orte übertragen.

Der Untertitel der Tour heißt „Traditionelle Volksmusik in neuem Gwand“ – was heißt das für Sie?

Das bedeutet Tradition vermischt mit neuen Elementen. Bei der Cubaboarischen Tradicional steckt es schon im Namen drin, dass die bayerische und kubanische Musik machen. Die Hoameligen spielen sehr gut traditionell, aber auch den einen oder anderen Schlager. Renate Maier ist sowieso ganz traditionell mit ihren Gstanzln.

Volkstümliche Musik ist im Fernsehen oft Playback – und bei uns ist alles live.

Ich werde unterschiedliche Sachen machen: Wirtshauslieder, aber es wird auch was Schwedisches dabei sein – aber da will ich eigentlich noch gar nicht so viel verraten.

Wo sind denn die Grenzen? Was ist für Sie etwa der Unterschied zum volkstümlichen Schlager?

Volkstümliche Musik ist im Fernsehen oft Playback – und bei uns ist alles live. Sie wird oft quasi am Reißbrett entworfen. Da schreibt jemand einen Text, von dem er glaubt, dass er beim Publikum zündet – oft was mit Herz und Schmerz – und legt dann eine volksmusikalisch angehauchte Melodie drunter oder umgekehrt. Mir ist wichtig, dass die Musiker aus der traditionellen Volksmusik kommen und diese Wurzeln nicht verlieren. Die Cubaboarische Tradicional wird auch rein traditionelle Stücke spielen, etwa einen Zwiefachen.

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Sind Sie eine Art Botschafterin für diesen Musikzweig?

Ja, ich glaube schon. Vor fünfzehn Jahren ist der BR auf mich zugekommen und hat gesagt: Mach‘ mal eine neue Sendung. Wir waren quasi mit den Wirtshausmusikanten die Ersten, die traditionelle und neue Volksmusik verbunden haben. Das war halt auch meins, wo ich gesagt habe: Die Tradition ist die Wurzel, aber es ist auch wichtig, das zu dokumentieren und zu zeigen, was jetzt gerade in Bewegung ist. Ich glaube, da hat es jemanden gebraucht, der diesen unterschiedlichen Stilrichtungen gegenüber offen ist. Ich bin mit der Volksmusik aufgewachsen und weiß ganz genau, was traditionelle Volksmusik und -gesang ist, ich habe Klassik studiert und viele Jahre internationale Volksmusik gemacht.

Gewisse Sachen gehören in meinen Augen eher zum Heimatsound.

Wie schätzen Sie den aktuellen Status von musikalischem Brauchtum in Bayern ein?

Aber ich habe auch meine Grenzen. Gewisse Sachen gehören in meinen Augen eher zum Heimatsound. Zum Beispiel, wenn die Gruppen elektrisch verstärkte Instrumente spielen oder Englisch singen. Mir ist wichtig, dass die Gruppen in ihrem Dialekt singen, ob das jetzt Bayrisch, Österreichisch oder Fränkisch ist.
Ich finde, dass es sehr gut ausschaut und dass viele junge Leute wieder Volksmusikinstrumente lernen und zwar auf einem hohen Niveau. Viele ihrer Lehrer haben studiert. Die Instrumente sind besser geworden. Festivals wie die Brass Wiesn, das Woodstock der Blasmusik oder das Drumherum in Regen und die ganzen Volksmusikseminare, die angeboten werden, geben den jungen Leuten sehr viele Möglichkeiten, dass sie nicht nur alleine spielen, sondern auch miteinander.

Rückblick

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Was raten Sie jemandem, der schon ein passendes Instrument spielt oder singt und Wirtshausmusikant werden will?

Zuerst einmal sich mit anderen zusammenzutun, die diese Leidenschaft teilen. Dann würde ich auf ein Volksmusikseminar gehen oder mir vom Landesverein (für Heimatpflege, Anm. d. Red.) Noten kommen lassen und schauen, welche Stücke mir gefallen. Wenn man um die fünf Stücke vorbereitet hat, ist es natürlich wichtig, ins Wirtshaus zu gehen und drauf los zu spielen. Es gibt eine Menge musikantenfreundliche Wirtshäuser und manche haben offene Abende, bei denen sich jeder zwanglos ausprobieren kann. Man kann am Anfang mit Noten spielen, aber schöner ist es ohne, weil man viel mehr in der Musik drin ist und viel mehr Spaß miteinander hat.

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