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Landwirtschaft

Erdbeer-Boom – ganz ohne Chemie

Hausladens aus Willmering wagten den Bio-Erdbeer-Anbau. Die Ernte ist so groß, dass draus sogar Joghurt und Smoothies werden.
Von Claudia Peinelt

Matthias und Julia Hausladen (r.) – zusammen mit Susanne und Leona – sind stolz auf ihre Bio-Erdbeeren.  Foto: Claudia Peinelt
Matthias und Julia Hausladen (r.) – zusammen mit Susanne und Leona – sind stolz auf ihre Bio-Erdbeeren. Foto: Claudia Peinelt

Cham.Ein Traum von einer Erdbeere. Schon der Duft, bevor man das süße Früchtchen in den Mund nimmt, ist ein Gedicht. Es hat 28 Grad und die Sonne brennt nur so auf das Feld in Willmering. Christiane, Matthias, Julia und Leona knien zwischen den Erdbeerreihen und pflücken die rote Frucht Stück für Stück ab. Ist tatsächlich mal eine Frucht angefault, wird sie sofort von der Pflanze entfernt. Das Erdbeerfeld der Hausladens liegt zwischen einem Spargelfeld auf der einen Seite, und auf der anderen Seite leuchten die Johannisbeeren von den Stauden. Kaum zu glauben, dass diese Erdbeeren frei von chemischen Spritz- und Düngemitteln sind. Unter den fetten Erdbeerstauden liegen, wie sonst üblich, keine Plastikfolien, sondern nur Stroh.

„Und obwohl viele Erdbeerbauern dieses Jahr über Ernteverlust klagen, haben wir Früchte ohne Ende“, erzählt Julia Hausladen. Natürlich hat auch bei ihnen der späte Frost einige Schäden hinterlassen. Jedoch, im großen und ganzen, erwarten sie eine Ernte von einer Tonne. Auf diesem Acker wird der Erdbeertraum sogar mit Musik gelebt. Rockige Musik tönt vom Bulldog des Biobauern. Es ist fast, als ob man im Traumland wäre.

Selbstpflücker schaden Beeren

Wo früher ein Kleefeld war, wachsen heute die Bioerdbeeren auf dem Feld in Willmering. Foto: Claudia Peinelt
Wo früher ein Kleefeld war, wachsen heute die Bioerdbeeren auf dem Feld in Willmering. Foto: Claudia Peinelt

Im Bioladen des Boierhofes liegen die roten süßen Früchte in einer Kiste in der Kühlung. Billig sind sie nicht, die Erdbeeren der Hausladens. Doch wenn man bedenkt, was Arbeit daran steckt, bis die Erdbeeren geerntet werden können, und dass sie dazu noch komplett Bioerdbeeren sind, da zahlt der Erdbeerliebhaber dann doch gerne etwas mehr. Selberpflücken ist auf dem Feld bei Willmering nicht erwünscht. Die Pflücker könnten mit Händen und Schuhen Krankheitserreger auf das Feld bringen. „Und da die Erdbeeren weder gespritzt noch chemisch gedüngt werden, sind die Pflanzen sehr anfällig gegen Pilze und Sporen“, erklärt Matthias. Und je mehr Leute entlang der Erdbeeren gehen, desto größer ist die Gefahr, dass die Früchte verletzt werden und an der Pflanze anfangen zu schimmeln. Wer hier pflückt, sieht sich jede Pflanze ganz genau an. Ist eine Erdbeere verletzt, kommt sie sofort von der Pflanze runter.

„Der Klee-Anbau zuvor war ein hervorragender Dünger für die Erdbeeren.“

Matthias Hausladen, Bio-Erdbeer-Bauer

„Es sind echt Mördererdbeeren“, witzelt die Freundin von Julia, pflückt sich eine und ein Strahlen huscht über ihr Gesicht. Die Pflanzen sind im zweiten Jahr hier auf dem Feld. Vorher war das Feld zwei Jahre lang ein Kleefeld. Klee eingearbeitet in den Boden, ergibt einen hervorragenden Dünger für die nächste Frucht. Und was sind das jetzt für kleine Schläuche, die sich durch das Erdbeerfeld ziehen? Die Erdbeeren werden durch eine sogenannte Tröpfchenbewässerung versorgt. Das ist eine Bewässerungstechnik, bei der an Schläuchen in regelmäßigen Abständen Auslässe angebracht sind, über die nur geringe, exakte Wassermengen weitgehend unabhängig vom Druck in die Rohrleitungen abgegeben werden. Dies ist nicht nur wassersparend, sondern verhindert auch, dass die Früchte wegen des Wassers zu faulen beginnen.

Zutat für Joghurt und Smoothies

Auf Stroh gebettet, wachsen die Erdbeeren und schmecken herrlich.  Foto: Claudia Peinelt
Auf Stroh gebettet, wachsen die Erdbeeren und schmecken herrlich. Foto: Claudia Peinelt

Die Pflanzen können einige Jahre am gleichen Feld bleiben. Dann sollten die Pflanzen den Standort wechseln. Damit die Früchte sauber bleiben und um die Ausbreitung von Grau- und Lederfäule einzudämmen, werden die Erdbeerpflanzen mit einer Strohschicht unterlegt. Zusätzlich konserviert die Stroheinlage Bodenfeuchtigkeit, unterdrückt das Unkraut und ermöglicht eine bessere Begehbarkeit des Feldes. Und was machen die Hausladens mit den Erdbeeren, die nicht im Laden verkauft werden? Julia erklärt, dass sie einen Vermarkter von Biojoghurt haben. Der kauft die Bioerdbeeren auf und sie werden als Zusatz zu dem Joghurt verarbeitet, der dann auch wieder im Boierladen verkauft wird. Außerdem stellen die Hausladens selbst Smoothies her, Erdbeerkonfitüre wird gekocht oder Erdbeerlimes in Flaschen abgefüllt.

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Susanne erzählt, dass sie fast eine Woche eine Schale Erdbeeren zuhause bei sich hatte und immer wieder davon gegessen hat. „Freilich sehen sie nicht mehr so frisch aus, wie am Pflücktag. Doch sie waren nicht kaputt“. Wer jetzt Lust auf frisch gepflückte Bioerdbeeren bekommen hat, kann sich diese am Donnerstag und Freitag von 8 bis 20 Uhr und am Samstag von 8 bis 18 Uhr am Boierhofladen in Willmering kaufen. Wer Müll vermeiden will, kann die Erdbeeren sogar in Pfandkisten mitnehmen.

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