MyMz
Anzeige

Baumart

So vielseitig ist die Hainbuche

Die Hainbuche wirft erst im Frühjahr ihre Blätter ab. Das freut besonders Tiere, die hier lange Schutz finden.
Von Petra Schoplocher

Die Hainbuche ist gar keine Buche ist, sondern gehört zu der Familie der Birke. Sie gilt im Klimawandel als Hoffnungsträgerin. Foto: Schoplocher
Die Hainbuche ist gar keine Buche ist, sondern gehört zu der Familie der Birke. Sie gilt im Klimawandel als Hoffnungsträgerin. Foto: Schoplocher

Cham.Also ehrlich, meine Herren Förster. Schon wieder so ein tricky Baum! Eine (Hain)Buche, die gar keine Buche ist! Sondern eine Birkenart! Und damit nicht genug, ist sie nicht nur im Wald – wenn auch sehr gering – sondern auch als Hecke sehr beliebt.

Nun gut, dann kennt man sie wenigstens, die Hainbuche, deren große Vorteile als Zierbaum am Gartenrand ihr guter Stockausschlag (dadurch verträgt sie Schnitte gut) und ihre Farb-Langlebigkeit sind. Erst kurz vor dem neuen Austrieb im Frühjahr wirft die Hainbuche die braunen Blätter ab. eine Eigenschaft, die Tiere zu schätzen wissen, weil ihnen die Hainbuche lange Schutz bietet, und Menschen, weil der Windschutz sehr gut ist. Stichwort: Der Böhmische...

Hainbuche ist für Klimawandel gerüstet

Mit ein Grund, warum Förster Hans Geiger sein Reich an zwei Seiten mit Hainbuchenhecken eingefriedet hat. Doch nicht nur als Privat- , auch als Fachmann bricht er eine Lanze für den Heckenbaum ¨, in der Name Hain, Einfriedung, ja bereits drin steckt.

Hans Geiger, Förster im Revier Bad Kötzting Foto: kad
Hans Geiger, Förster im Revier Bad Kötzting Foto: kad

Weil sie mehr Trockenheit verträgt als die Buche, halten Förster im Klimawandel große Stücke auf sie. Zumal sie mit weiteren Charaktereigenschaften punkten kann: Sie ist nicht so frostempfindlich wie Buche oder Tanne, dank ihres Herzwurzelsystems gilt sie als sturmbeständig. Dass sie in wärmeren Gefilden vorzufinden ist, in Frankreich, Italien und dem Balkan, schürt „gewisse Hoffnungen“.

Baumart

Das enorme Potenzial der Flatterulme

Der Baum ist im Bayerwald noch selten. Dabei hat der aktuelle Baum des Jahres einige ganz entscheidende Vorteile.

Noch einmal zurück zu Buche und Hainbuche. „Die führen seit Jahrhunderten einen Kampf“, weiß Hans Geiger. Um Standorte. Wobei die Hainbuche bei schweren Böden im Vorteil ist. Angedacht ist sie dennoch als „dienende Baumart“ – was sie nicht immer interessiert, wie Hans Geiger augenzwinkernd von einer Fläche erzählt, in der Ahorn, Esche, Ulme und Hainbuche gepflanzt wurden. Letztere wuchs am besten, „dabei war das gar nicht ihr Auftrag“. Diese Erfahrung zeigt, dass sie hier doch gut klar zu kommen scheint.

Was sie auch interessant macht: Sie muss sich mit so gut wie keinen Schädlingen auseinandersetzen. Allenfalls Mäuse könnten ein Problem werden. Wie auch das Wild, das zwar Eiche, Ahorn und Tanne bevorzugt, aber kleine Hainbuchen durchaus als Delikatesse sieht.

Holz ist zäher als das der Eiche

Ihre sehr gute und schnell zersetzbare Streu hilft, den Waldboden zu verbessern. Nicht vergessen möchte Hans Geiger die Brutmöglichkeiten, die der Baum (auch in der Heckenform) Tieren bietet.

„Spannrückig“ ist der Fachbegriff für den Stamm. Foto: Schoplocher
„Spannrückig“ ist der Fachbegriff für den Stamm. Foto: Schoplocher

Markantes Kennzeichen sind zum einen die gelb-grünen, später braunen Früchte, die in Vorblätter eingehüllt sind, die später als Flügel dienen. Zum anderen sind Stamm und Rinde sehr auffällig. „Spannrückig“, nennt der Fachmann den unruhigen, unregelmäßigen, meist krummen Stamm mit Hohlkehlen und Wulsten. Was Hainbuchen, zusammen mit ihrer Fähigkeit zum Stockausschlag, oft bizarre Schönheit verleiht. Der Blattrand ist doppelt gesägt.

Das Holz, wenngleich schwer spaltbar, ist schwerer als das der Eiche. „Fest, hart, zäh“,beschreibt es Hans Geiger. Deswegen wurden Wagenräder, alle Mühlenholzteile oder auch die Hackklötze der Metzger , Spindeln aus Hainbuche angefertigt. Noch heute besteht die Klaviermechanik zu 95 Prozent aus dieser Holzart, Billard-Queues und (mindestens) die Unterseite von Hobeln ebenso.

Ich bleibe dabei: eine tricky Baumart, begründe es aber anders: Die hat was!

Unser Experte

  • Zur Person

    Hans Geiger (49) wohnt in Grafenwiesen. Er studierte Forstwirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan und ist seit Februar 2001 Leiter des Forstreviers Bad Kötzting am AELF Cham.

  • Verbundenheit

    „Unser Wald ist ein wunderbarer, vielfältiger Organismus. Auch wegen des Klimawandels müssen wir noch viel mehr auf Artenvielfalt setzen.“

  • Beratung/Kontakt

    AELF Cham, Bereich Forsten. Ölbergstraße 3, Waldmünchen. Telefon (09972) 94 30 20

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht