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Projekt

Der Lappersdorfer Gemeinschaftsacker

Seit April gibt es den Verein SoLaWiR e.V. Die Mitglieder zahlen gemeinsam die Pacht für ein Feld, bestellen es und ernten.
Von Martina Groh-Schad

Jeden Freitag wird gemeinsam geerntet. Wer Zeit hat, kommt zum Feld und hilft mit. Im Moment gibt es vor allem Kartoffeln und Möhren. Foto: mgs
Jeden Freitag wird gemeinsam geerntet. Wer Zeit hat, kommt zum Feld und hilft mit. Im Moment gibt es vor allem Kartoffeln und Möhren. Foto: mgs

Lappersdorf.Der Mensch erntet, was er sät, heißt es in der Bibel. Gemeint ist mehr als das Saatgut, das im Boden aufgeht. Die Mitglieder des Vereins SoLaWiR, kurz für solidarische Landwirtschaft Regensburg, bauen gemeinsam auf einem Acker bei Lappersdorf Gemüse und Blühwiesen an. Ihre Ernte in den vergangenen Wochen fiel gut aus, aber es ist noch mehr, was sie säen: Es ist Solidarität. Sie teilen Ideale, arbeiten zusammen und unterstützen sich gegenseitig.

Ihre Ernte neben Zwiebeln, rote Bete, Salat, Möhren, Mangold und Kartoffeln: Gemeinschaft, Verantwortungsgefühl und Freundschaft. „Wir haben zusammen Spaß und sind an der frischen Luft“, sagt Thomas Huszak. „Ich habe viel gelernt und gut gegessen wie nie“, erklärt Anita Ernst. „Wir arbeiten selber bei der Erzeugung unserer Nahrung mit und tun etwas Sinnvolles“, betont Martha Harscher.

Solidarität als Prinzip

Moritz Schlichting: „Ich will nicht nur reden, sondern wirklich etwas tun“, sagt Moritz Schlichting. „Die solidarische Landwirtschaft ist mein Beitrag für ein besseres Klima.“ Der 26-jährige Regensburger studiert „Regenerative Energie“. Foto: mgs
Moritz Schlichting: „Ich will nicht nur reden, sondern wirklich etwas tun“, sagt Moritz Schlichting. „Die solidarische Landwirtschaft ist mein Beitrag für ein besseres Klima.“ Der 26-jährige Regensburger studiert „Regenerative Energie“. Foto: mgs

50 Mitglieder aus Regensburg und dem Umland hat der Verein aktuell. Seit April bestellen sie den gepachteten Acker. Jeden Freitag treffen sich Mitglieder und arbeiten auf dem halben Hektar großen Gelände. Die Mithilfe ist gewünscht und Teil des Projekts, das immer die gesamte Landwirtschaft im Blick hat und nicht die Finanzierung einzelner Lebensmittel. Unter der Woche sind zwei Angestellte für den Verein tätig und kümmern sich um das Feld und den Schuppen, in dem nun auch die Ernte eingelagert wird, die in den Wintermonaten verteilt werden soll. Das Projekt ist das Zweite seiner Art in der Region. Eine weitere SoLaWiR gibt es in Tiefbrunn im südöstlichen Landkreis.

Das Prinzip ist einfach: „Es werden alle Kosten aufgelistet und durch die Anzahl der Mitglieder geteilt“, erklärt Wolfang Stegmair zuständig für die Finanzen des Vereins. Dadurch ergibt sich ein monatlicher Richtwert, der bei der SoLaWiR bei etwa 45 Euro liegt. Nun kommt die Solidarität ins Spiel. „Wir wollen, dass es sich jeder leisten kann, mitzumachen“, betont Stegmair.

Anita Ernst will unabhängig vom Markt sein und etwas bewegen. „Ich habe in den vergangenen Wochen ganz viel Neues gelernt“, sagt die 58-jährige Betriebswirtin. Sie schätzt den Austausch mit anderen und die Ideenvielfalt der Gruppe. Foto: mgs
Anita Ernst will unabhängig vom Markt sein und etwas bewegen. „Ich habe in den vergangenen Wochen ganz viel Neues gelernt“, sagt die 58-jährige Betriebswirtin. Sie schätzt den Austausch mit anderen und die Ideenvielfalt der Gruppe. Foto: mgs

In einer anonymen Bieterrunde gibt jeder an, was er zahlen kann. Reicht der so ermittelte Betrag nicht aus, folgt eine weitere anonyme Runde, in der die Mitglieder ihren finanziellen Anteil erhöhen. „Das geht so lange, bis der monatliche Betrag alle Kosten deckt. Ist die Ernte gut, hat man günstig das ganze Jahr über gutes Gemüse“, sagt Stegmair. „Alle tragen aber das Risiko, dass die Ernte schlecht ausfällt.“ Solidarität eben, die vor Schädlingen nicht halt macht. „Wichtig ist uns, dass alle Entscheidungen von allen mitgetragen werden“, sagt die Vorsitzende Lena Schwaiger. „Oft müssen Kompromisse gefunden werden.“

Auch Transport wird ökologisch gestaltet

Für Sebastian Felkner ist das große Ziel, einen gesellschaftlichen Wandel herbei zu führen. „Ständiger Wachstum ist nicht die Lösung für die Zukunft“, sagt der 23-jährige Student der Sozialen Arbeit. SoLaWiR ist für ihn eine Keimzelle, aus dem weitere Projekte entstehen können. Foto: mgs
Für Sebastian Felkner ist das große Ziel, einen gesellschaftlichen Wandel herbei zu führen. „Ständiger Wachstum ist nicht die Lösung für die Zukunft“, sagt der 23-jährige Student der Sozialen Arbeit. SoLaWiR ist für ihn eine Keimzelle, aus dem weitere Projekte entstehen können. Foto: mgs

In diesem Klima ist ein wertschätzendes Miteinander gewachsen, in dem sich viele wohlfühlen und gerne einbringen. Fast 20 Mal konnten sie in den vergangenen Wochen Gemüse und Salat ernten und auf Boxen aufteilen, die entweder von Mitgliedern am Feld abgeholt werden oder von Aktiven in Depots in sechs Stadtteile gebracht werden. Vieles davon mit dem Lastenrad. „Wir versuchen auch beim Transport ökologisch vorzugehen“, erklärt die 22-jährige Vorsitzende. Darüber hinaus bietet der Verein Führungen über das Feld an. Im nächsten Jahr wollen die Aktiven ihr Angebot im Bereich Umweltbildung und Naturschutz ausbauen.

Ein zukunftsfähiges Modell

Thomas Huszak ist im Verein angestellt und kümmert sich zwei Mal pro Woche um das Feld. „Ich konnte so mein Hobby ein bisschen zum Beruf machen“, sagt der 27-jährige Physik-Student. „Es ist ein schöner Ausgleich zum Büro und zum Labor. Spaß macht es auch.“ Foto: mgs
Thomas Huszak ist im Verein angestellt und kümmert sich zwei Mal pro Woche um das Feld. „Ich konnte so mein Hobby ein bisschen zum Beruf machen“, sagt der 27-jährige Physik-Student. „Es ist ein schöner Ausgleich zum Büro und zum Labor. Spaß macht es auch.“ Foto: mgs

Die Mitglieder sind ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Es sind Studenten, Rentner, Unternehmer, Angestellte und Familien. „Wir sind Menschen, denen Ernährung wichtig ist“, sagt Schwaiger. Der Verein verwendet hauptsächlich samenfeste Sorten, arbeitet nachhaltig und schont den Boden nach bestem Wissen. Die SoLaWi ist für Schwaiger ein zukunftsfähiges Modell. „Die Lebensmittelproduktion und der Konsum werden so vom Markt unabhängig.“ Am 21. November ist im Jugendtreff Lappersdorf eine Informations-Veranstaltung geplant. Da noch knapp die Hälfte des gepachteten Ackers unbestellt ist, kann der Verein weitere Mitglieder aufnehmen, aber nicht unendlich wachsen. Stattdessen setzen sie wieder auf Solidarität. „Wir wollen unser Wissen weitergeben, damit sich weitere solidarische Landwirtschaften gründen.“ Mehr Informationen zum Verein gibt es hier.

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