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Medizin

Das Gerät, das den Krebs gart

Am Uni-Klinikum Regensburg geht ein Interventions-CT in Betrieb. Viele Tumore können damit ohne OP behandelt werden.
Von Wolfgang Ziegler

Der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Prof. Dr. Oliver Kölbl (r.), und der Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik des UKR, Prof. Dr. Christian Stroszczynski, gaben das neue Interventions-CT am Dienstag frei. Foto: Tino Lex
Der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Prof. Dr. Oliver Kölbl (r.), und der Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik des UKR, Prof. Dr. Christian Stroszczynski, gaben das neue Interventions-CT am Dienstag frei. Foto: Tino Lex

Regensburg.Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ist um eine medizinische Attraktion reicher und schließt eine weitere Lücke in der Versorgung der Region und weit darüber hinaus: Am Dienstag wurde im Zentrum für Radiologisch-Interventionelle Onkologie (RIO) des UKR ein neues Interventions-CT mit einem computergestützten Navigationssystem für das minimal-invasive Entfernen von Tumoren offiziell eingeweiht. Übersetzt bedeutet dies, dass mit diesem hochmodernen Gerät, das es bayernweit nur in Regensburg gibt, Krebszellen in Leber, Prostata, Nieren, Gebärmutter und Knochen ohne klassische Operation behandelt werden können. Und dies auch bei Patienten, die bisher als inoperabel galten. Leider gilt dies nicht für den Gehirntumor der kleinen Liah (wir berichteten). Für Gehirntumore laufen erst die Studien, hieß es.

Inoperabel – diese Diagnose erhielt auch Joachim K. (Name der Red. bekannt) aus Forchheim, als sein Lebertumor entdeckt wurde. Bei dem 67-Jährigen wuchs die bösartige Geschwulst zu nahe an allen zentralen Lebergefäßen – die Chirurgen trauten sich nicht ran. Trotzdem gab es für ihn eine Lösung: „Meine Kinder und Schwiegerkinder sind selbst Ärzte“, erzählte er unserer Zeitung. „Und die haben mich auf die Behandlungsmethoden des Regensburger Universitätsklinikums aufmerksam gemacht. Der Eingriff fand im Januar dieses Jahres statt, inzwischen hatte ich bereits zwei Nachuntersuchungen, heute fand die dritte statt – und alles ist in Ordnung“, sagte uns Joachim K.

Tumor wird von innen gegart

Das Computersystem: Eine mechanische Vorrichtung am Patiententisch, der sogenannte Navigationsarm, dient als Orientierung für das Computersystem bei der navigationsgestützten minimalinvasiven Tumorbehandlung. Foto: Tino Lex
Das Computersystem: Eine mechanische Vorrichtung am Patiententisch, der sogenannte Navigationsarm, dient als Orientierung für das Computersystem bei der navigationsgestützten minimalinvasiven Tumorbehandlung. Foto: Tino Lex

Privatdozent Dr. Lukas Beyer, der Leiter des RIO am Klinikum, und sein Team hatten für die Krebsbehandlung von Joachim K. bereits die neue Methode eingesetzt. Dabei wurde der Lebertumor zunächst mit Hilfe der computergestützten Navigation exakt lokalisiert. Danach errechnete eine spezielle Software auf Grundlage der Computertomographie-Aufnahme und Markern am Körper des Patienten die Einstichstelle und den Einstichwinkel der Sonde, mit der der Tumor punktiert wurde – und navigierte den Radiologen bei der Sondenführung in Echtzeit.

Bei der hochmodernen Mikrowellenablation wird eine Sonde durch die Haut im Tumor platziert und die Tumorzellen durch Hitze von innen zerstört. Foto: Tino Lex
Bei der hochmodernen Mikrowellenablation wird eine Sonde durch die Haut im Tumor platziert und die Tumorzellen durch Hitze von innen zerstört. Foto: Tino Lex

Das Ergebnis war eine millimetergenau platzierte Sonde, was für den Behandlungserfolg ausschlaggebend war. Im Ziel angekommen, sorgte das Programm zudem für die notwendige Hitze-Dosis, um den Tumor bei der Punktion quasi von innen zu garen und damit thermisch komplett zu zerstören.

„Mit dem neuen CT einen Tumor zu entfernen, ist ungefähr so, wie wenn man in der Pfanne ein Steak brät.“

Privatdozent Dr. Lukas Beyer

Dr. Beyer sagte es mit für Mediziner außergewöhnlichen Worten: „Mit dem neuen CT einen Tumor zu entfernen, ist ungefähr so, wie wenn man in der Pfanne ein Steak brät. Dabei macht man auch die Proteine kaputt und hat letztlich einen Gewebeklumpen. Anschließend wandern Fresszellen ein und bauen dieses Gewebe ab.“ An der Leber seines Patienten Joachim K. sei heute nur noch eine kleine Narbe zu sehen.

Verbesserte Heilungschancen

Mit Hilfe mobiler Referenzkugeln wird die Position der Nadel vom Navigationssystem erkannt, und die Sonde kann zielgenau im Tumor platziert werden. Foto: Tino Lex
Mit Hilfe mobiler Referenzkugeln wird die Position der Nadel vom Navigationssystem erkannt, und die Sonde kann zielgenau im Tumor platziert werden. Foto: Tino Lex

„Mit dem neuen CT können wir radiologisch-interventionelle Eingriffe unabhängig von Diagnostik-Untersuchungen oder Notfällen planen. Unsere Patienten profitieren von einer schnellen Behandlung, kurzen Wartezeiten und einer schonenden Narkose“, fasste Dr. Beyer die Vorteile der rund eine Million Euro teuren Neuanschaffung zusammen. Außerdem erweitere das UKR mit diesem Gerät seine Kapazitäten und biete mit der Ausstattung des Geräts auf dem aktuellen Stand der Technik höchste Therapiegenauigkeit.

„Wir setzen die computergestützte Navigation bei der thermischen Tumorbehandlung mit großem Erfolg bei inoperablen Tumoren der Leber, Prostata, Niere, Gebärmutter oder der Knochen ein. Die Patienten können die Station oft bereits einen Tag nach dem Eingriff wieder verlassen“, berichtete Prof. Dr. Christian Stroszczynski, der Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik des UKR, von seinen Erfahrungen mit dieser Behandlungsmethode. Als Teil des University Cancer Center Regensburg stelle das RIO-Zentrum mit der radiologisch-interventionellen Onkologie für die Krebspatienten in Ostbayern nun eine zusätzliche therapeutische Möglichkeit dar.

Moderne Software liefert ohne Strahlenbelastung in Echtzeit Informationen über die Sondenlage. Foto: Tino Lex
Moderne Software liefert ohne Strahlenbelastung in Echtzeit Informationen über die Sondenlage. Foto: Tino Lex

Die Erweiterung des RIO um ein CT speziell für Interventionen sei eine wichtige Verbesserung der Versorgungsqualität des UKR und schließe eine Lücke in der Versorgung der Region, so der Ärztliche Direktor des UKR, Prof. Dr. Oliver Kölbl, der gleichzeitig als Vorstandsmitglied des Comprehensive Cancer Center Ostbayern (CCCO) fungiert. Neben dem Klinikum Köln-Bonn sei das Universitätsklinikum damit das größte onkologische Zentrum in Deutschland. Mit der Erweiterung des Produktportfolios etabliere das UKR für Krebspatienten im gesamten ostbayerischen Raum neue Behandlungsmöglichkeiten, entwickle neue Diagnose- sowie Therapieverfahren und verbessere somit auch die Heilungschancen.

Risikoarme Diagnose

Für Joachim K. hat die radiologisch-interventionelle Onkologie nicht nur die Zerstörung seines ansonsten nicht therapierbaren Tumors ermöglicht, sondern auch eine rasche Rückkehr in den Alltag. Von dem Eingriff hat er sich auch deshalb schnell erholt, weil dabei eine genau abgestimmte Narkose durchgeführt worden war. „Wie jeder medizinische Eingriff ist auch eine Vollnarkose mit Risiken verbunden, die wir so weit als möglich minimieren möchten. Bei der interventionellen Radiologie führen wir eine risikoarme Narkose durch. Ein speziell ausgebildetes Anästhesieteam sorgt dafür, dass der Patient den Eingriff sicher verschläft und sanft wieder aufwacht“, erklärte uns dazu Prof. Dr. Bernhard Graf, der Direktor der Klinik für Anästhesiologie des UKR.

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