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Horst David, der Mörder von nebenan

Er tötete für Geld – vornehmlich alte Damen. Ganz Deutschland war erschüttert, als ein Regensburger sieben Morde gestand.

Zwei Prostituierte in München und fünf Rentnerinnen in Regensburg: Horst Davids Taten blieben lange unentdeckt. Foto: MZ-Archiv
Zwei Prostituierte in München und fünf Rentnerinnen in Regensburg: Horst Davids Taten blieben lange unentdeckt. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Zweimal hatte die WOCHE über einen seiner Morde geschrieben, ohne seinen Namen zu kennen: 1983 über den Mord an der 67-jährigen Martha L. und 1993 über den Mord an der 85-jährigen Mathilde S. – doch im Juni 1994 kannte ihn nicht nur die Regensburger Zeitung, sondern die ganze Republik. Horst David, den Massenmörder.

Er gab zu, insgesamt sieben Frauen getötet zu haben. Bei dreien ging die Polizei vor seinem Geständnis nicht einmal von Mord aus. Er habe aus Geldnot gehandelt, sagte David, und auch der Mann, dem er die Morde gestand, der Chef der Münchner Mordkommission, Josef Wilfling, war überzeugt: „Finanzielle Aspekte haben immer eine Rolle gespielt.“ Dabei war jedes Mal die Beute so gering, dass sich David auch auf Handtaschenraub spezialisieren hätte können.

Fingerabdrücke überführten ihn

Die ersten Morde lagen schon zwei Jahrzehnte zurück und wurden 120 Kilometer südlich von Regensburg, in München, begangen. Dennoch waren sie es, die ausschlaggebend dafür waren, dass schließlich alle Taten geklärt wurden. Am 22. August 1975 ermordete David in München Waltraud F. und zwei Tage später Fatima G. – die beiden Prostituierten wurden erwürgt und ihre Wohnungen durchsucht.

So titelte die WOCHE im Juni 1994 zum Fall Horst David.
So titelte die WOCHE im Juni 1994 zum Fall Horst David.

Als David am 7. September 1993 seine Vermieterin Mathilde S. erwürgte, wurde er zwar verdächtigt, da seine Fingerabdrücke in der Wohnung des Opfers waren, er konnte aber nicht verhaftet werden, weil er sich offenbar zeitweise berechtigt in der Wohnung aufgehalten hatte. Seine Fingerabdrücke wurden jedoch von der Polizei routinemäßig ans bayerische Landeskriminalamt übermittelt. Das damals noch neue „Automatisierte Fingerabdruckidentifizierungssystem“ (AFIS) gab eine Übereinstimmung mit den vor 19 Jahren bei der toten Fatima G. gesicherten Abdrücken.

Überraschende Mordgeständnisse

Josef Wilfling erinnert sich: „Er leugnete zunächst. Wir sagten ihm, es sei schon ein unglaublicher Zufall, dass ein Mann zu zwei Prostituierten geht, die dann ermordet aufgefunden werden. Da hat er gemerkt: Das Spiel ist aus. Er hat dann plötzlich drei Mordgeständnisse abgelegt. Für mich kam das wie aus heiterem Himmel.“ Damit nicht genug: Er gab auch noch drei Morde zu, die niemand als solche erkannt hatte: am 12. April 1981 an der 59-jährigen Rentnerin Barbara E., am 27. Oktober 1984 an der 70-jährigen Rentnerin Maria B. und am 12. Januar 1992 an der 84-jährigen Rentnerin Kunigunda T. Im Dezember 1995 wurde David vom Landgericht München zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. In den 20 Jahren, die der siebenfache Frauenmörder inzwischen in der Justizvollzugsanstalt Straubing verbracht hat, hat er ein Buch über sein Leben geschrieben. Bislang wurde es nicht veröffentlicht. Unserer Zeitung schrieb er vor einiger Zeit einen Brief, in dem er von seinem Leben hinter Gittern erzählte und betonte, dass er die Taten bereue. Dass er noch mehr Frauen getötet hat, wie Kommissar Wilfling vermutet, streitet er ab.

Alle Serienteile sowie Infos rund um das Thema Schlagzeilen aus der WOCHE finden Sie hier.

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Das Buch zur Serie

  • Die Zeitung:

    Donnerstag war in Regensburg WOCHE-Tag. Die Stadt wartete auf die einzige wöchentlich erscheinende regionale Boulevardzeitung Deutschlands. Der damalige Chefredakteur Josef „Jupp“ Titz und WOCHE-Redakteur Manfred Rohm erinnern sich an die besten Geschichten aus 30 Jahre.

  • Das Buch:

    Das Buch „Die Woche bringt es an den Tag“ ist im Gietl-Verlag erschienen und kostet 29,90 Euro.

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